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Der «Kafi am Freitag»-Podcast
Aus Kulturplatz vom 25.09.2019.
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Sara Satir und Kafi Freitag Zwei Frauen reden ungeschminkt übers Leben, wie es wirklich ist

Der Podcast «Kafi am Freitag» ist ein Gespräch unter besten Freundinnen. Dabei schaffen die beiden einen intimen Raum – für alle.

Kafi Freitag plaudert mit ihrer besten Freundin Sara Satir jeden Freitag frank und frei, persönlich und authentisch über Gott und die Welt. Ungeschnitten, improvisiert und ungefiltert. «Kafi am Freitag», Link öffnet in einem neuen Fenster heisst der erfolgreiche Podcast der beiden redseligen Frauen.

Ein Pingpong aus Ideen

Sie sitzen sich vis-à-vis in Kafis Coachingpraxis. Auf dem Tisch dampft der Kaffee, direkt vor ihren Nasen je ein Mikrofon. Überall sonst im Raum prangt optischer Schabernack: kitschige Plastikblumen, Säcke voller Süssigkeiten, bunter Schmuck.

Kafi Freitag

Kafi Freitag

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Kafi Freitag, Link öffnet in einem neuen Fenster wurde bekannt mit ihrem Blog «Frag' Frau Freitag», Link öffnet in einem neuen Fenster. Sie ist Coach und führt eine eigene Praxis, in der sie Unternehmen und Einzelpersonen berät. Der Podcast «Kafi am Freitag» ist ihr jüngstes Projekt, daneben denkt sie auch laut in die Kamera., Link öffnet in einem neuen Fenster Sie hat einen 15-jährigen Sohn und lebt mit ihrem Mann in Zürich. Den Namen Kafi hat sie sich selbst gegeben.

Wenn die beiden loslegen, dann vergessen sie die Welt um sich herum, dann sind sie im Flow. In einer Blase von Ideen, Gedanken, Problemsezierungen. Beobachtungen aus dem Alltag, situationskomischen Nacherzählungen, Denkanstössen: «Denk mal drüber nach» ist in ihrem Kaffeekranz-Podcast zu einem geflügelten Wort geworden.

Sara Satir

Sara Satir

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Sara Satir, Link öffnet in einem neuen Fenster führt in Winterthur eine eigene Coachingpraxis, in der sie Privatpersonen in allen Lebensthemen begleitet. Sie hatte die Idee zum Podcast «Kafi am Freitag» und startete diesen gemeinsam mit Kafi Ende 2018. Sie hat zwei Söhne, ist verheiratet und lebt in Winterthur.

«Hoi Sara»

«Hoi Kafi»

«Hoi mitenand»

«Reden wir heute über deine Stirnfransen?»

«Ist es so weit?»

Sara ist Kafis Freundin. Ihre beste Freundin. Gefunkt hat es zwischen den beiden im Geburtsvorbereitungskurs. Zwei hochschwangere, selbstbewusste Frauen, die beide fürs Leben gern reden und scherzen.

«Ich hab noch nie etwas nicht lustig gefunden, was sie lustig findet», sagt Sara. «Da bin ich jetzt mega beruhigt», kontert Kafi und die beiden lachen laut. Ihr typisches ansteckendes Kafi-Sara-Lachen.

Zwei Frauen in bunter Kleidung vor gelber Wand
Legende: Jeden Freitag gibt es kein Instagram, sondern das pralle Leben, wie es wirklich ist. Kafi Freitag

Ihre Kinder sind inzwischen Teenager und die beiden Frauen telefonieren immer noch fast täglich. Nur freitags nicht, da treffen sie sich, seit bald einem Jahr, Woche für Woche zum Kaffee und nehmen einen Podcast auf: ein klassischer Schwatz unter besten Freundinnen.

Das echte Leben, eine Sehnsucht

Ein Skript haben die beiden Podcasterinnen keines. Sie schneiden nichts heraus. Es soll echt sein und authentisch. Auch wenn die Konversation mal harzt. Egal: «Es ist ein Gespräch, das wir zwei am Freitag beim Kaffee genau so führen würden.»

Und manchmal, wenn das Leben sie gerade beutelt, dann weinen sie vorher zusammen, dann tanzen sie und erst dann setzen sie sich hin und nehmen auf. «Ich habe das Gefühl, wir zeigen das echte Leben, und das ist eine Sehnsucht.»

S: «Kennst du die Momente, wo du Sorgen und Nöte hast, und irgendjemandem ungefiltert etwas sehr Intimes erzählst?»

K: «Kennen wir alle.»

S: «Und nachher ist es dir unangenehm, weil es kein Mensch ist, mit dem du mit dem Herzen in Verbindung bist. Es ist dir aber passiert, weil du dich nicht spürst. Das machen so viele Menschen, auf Instagram zum Beispiel.»

K: «Klar, wenn du ein Format hast, dass davon lebt, dass du dich ausbreitest, da passiert es schnell, dass du alles in diese Wagschale legst: deinen Mann, dein Kind, deine Gesundheit.»

S: «Darum ist es so wichtig, im guten Kontakt mit sich selbst zu sein.»

K: «Wir sagen zwar immer, seid ehrlich und offen, aber wir meinen damit, macht das bewusst.» (zitiert aus «Kafi am Freitag», Folge Intimität, 13.9.2019)

Ohne Netz und doppelten Boden

Was sie jeweils in einer Folge verhandeln, das kommt spontan. Intuitiv. Nichts ist abgesprochen. Es gibt keine Regeln, keine Dramaturgie. Der Podcast dauert so lange, bis Sara Hunger hat.

«Natürlich gibt es Sachen, die ich im Alltag erlebe, wo ich denke: ‹Das ist eine Story für Sara.› Und die halte ich dann bis Freitag zurück», sagt Kafi. «Das mache ich nie», schiesst Sara dazwischen. Die beiden sind sich nicht immer einig. Zum Glück.

Die Intimsphäre einer Freundschaft

Das Konzept ist so simpel wie einleuchtend. Zwei Freundinnen schaffen einen intimen Raum – für alle. «Wir haben unsere Freundschaft geöffnet zu einer grossen, sehr polyamoren Beziehung, an der ganz viele andere teilhaben können», zitiert Kafi ihre Freundin Sara. Sie stülpen die Intimsphäre ihrer Freundschaft nach aussen. Mit Feingefühl und Sorgfalt.

Sie sind transparent, ehrlich und geben viel preis. Aber nicht alles. «Wir stehen nicht nackig hin und entscheiden bewusst, was draussen bleibt.» Ihr nächstes Umfeld schützen sie. «Über meinen Mann und meine Kinder red' ich bewusst nur wenig, da ziehe ich eine Grenze», sagt Sara. Und doch fliesst das Leben mit ihrem autistischen Sohn immer mal wieder mit in die Gespräche ein.

Eine Seelenmassage im Ohr

«Kafi am Freitag» hören, heisst: Partizipieren an Kafi und Saras innig vertrauter, jahrelanger, bedingungsloser und immer wieder sehr fidelen Freundschaft. Die eine bringt die andere zum Strahlen. Das hat Kraft. Wirkt wie eine Art Seelenmassage auf die Ohren. Und es hat Erfolg.

«Kafi am Freitag» ist bei Spotify seit Anfang regelmässig in den Top 10 zu finden und einer der meistgehörten Podcasts in der Sparte «Gesellschaft und Kultur». Die teilweise bis zu zwei Stunden dauernden Episoden werden von 80 Prozent der Hörerschaft bis zum Ende durchgehört, eine ungewöhnlich hohe Quote.

Eine Lektion in Selbstbestimmung

«Es gibt Leute, die schreiben, dass wir die wöchentliche Therapie oder den Kirchenbesuch ersetzen», sagt Kafi. «Andere, die sich im Alltag manchmal fragen, was würden Kafi und Sara da jetzt antworten.»

Ihre vorwiegend weibliche Hörerschaft diskutiert rege mit, mischt sich ein. Schriftlich via Instagram. So vertraut Sara und Kafi miteinander sind, so vertraut verhalten sich die Hörer und Hörerinnen in ihren Feedbacks. Und diese fliessen wiederum in den Podcast ein. Es ist ein «Sharen», ein Geben und Nehmen. «Wir befeuern uns gegenseitig.»

Die Stimme im Ohr

Mit diesem Format verpflichten sich die Macherinnen, Woche für Woche sehr persönlich zu werden. «In der Stimme kannst du nichts verstecken. Wenn jemand von uns traurig ist oder hässig, dann hört man das sofort.»

Zwei Frauen in bunter Kleidung vor einem blauen und einem grünen Aushang
Legende: «Wir machen das alles einfach aus dem Herzen raus. Sehr instinktiv und intuitiv.» Kafi Freitag

Es ist eine Gratwanderung zwischen etwas preisgeben und sich trotzdem nicht verschleudern. «Damit du das so machen kannst, musst du sehr bei dir sein, sonst kannst nicht ruhig schlafen in der Nacht, wenn du irgendetwas Persönliches erzählt hast.»

Macht Mut und inspiriert

Wenn die beiden sagen: «Wir machen das alles einfach aus dem Herzen raus. Sehr instinktiv und intuitiv. Wir brauchen nicht den Fame und unser Format muss nichts erreichen», dann glaubt man ihnen sogar.

Zwei Frauen, die sehr selbstbewusst und wohltuend unbescheiden durchs Leben gehen. Die ihre Hörerinnen ermutigen, sich zu zeigen, als Frau mit Ecken und Kanten. Als Frau, die sich wehrt und für sich einsteht.

Der Podcast «Kafi am Freitag» bringt einen zum Lachen, wühlt auf, nervt manchmal, inspiriert. Und ist immer dann am unterhaltsamsten, wenn sich die beiden Freundinnen selber nicht ganz Ernst nehmen.

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