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Gesellschaft & Religion Wohl bekommt's: Das Naturmuseum Solothurn tischt alte Menus auf

Noch nie in der Geschichte der Menschheit war das Angebot an Lebensmitteln so gross wie heute. Wie aber ass man früher im Schweizer Mittelland? Eine Ausstellung im Naturmuseum Solothurn zeigt es – auf bekömmliche Art und Weise.

Illustration: Ein steinzeitlicher Jäger nähert sich einem Zelt.
Legende: Onava, der Jäger: Er und fünf weitere fiktive Personen führen in Solothurn exemplarisch durch die Ausstellung. Naturmuseum SOlothurn / Benoit Clarys

Empfangen wird der Besucher im Foyer des Naturmuseums Solothurn von einer grossen, runden Tafel – festlich gedeckt für sechs Personen, alle mit einer Menukarte auf dem Teller.

An der Tafel platziert sind zum Beispiel Elspeth, die Fischverkäuferin aus dem Mittelalter oder Onava, ein Jäger aus der Steinzeit.

Sie und fünf weitere fiktive Personen führen uns durch ihre Epochen: von der Stein-, über die Bronzezeit, zu den Römern und ins Mittelalter bis ins hier und jetzt.

Brathähnchen à la Eisenzeit

In sechs Stationen zeigt die Ausstellung anschaulich, welche Bedeutung das Essen damals hatte, und wie der Speiseplan der jeweiligen Zeit aussah: von den dicken Emmerschrotsuppen der Jungsteinzeit, über die ersten Brathähnchen der Eisenzeit zum Olivenöl und den exotischen Gewürzen bei den Römern.

Allerdings: Essbares sucht man in der Ausstellung vergeblich. «Es gibt die Bilder in den Vitrinen, auf denen man die Zutaten für die einzelnen Menus sieht», sagt Jörg Stauffer, der für die Gestaltung verantwortlich war. «Und da sind einzelne Gewürze, an denen man riechen kann. Aber eine Ausstellung ist eine Ausstellung.»

Knochen kochen

Fantasie ist also gefragt, bei der Vorstellung wie zum Beispiel «pulmentarium» geschmeckt hätte. Ein Weisskohl-Eintopf mit Wiesenkümmel und Brennesseln – wie er in der Römer Zeit gegessen wurde.

Grundlage der Ausstellung sind archäologische Funde, die Einblick geben in die Ess- und Trinkgeschichte des Kantons Solothurn – und exemplarisch für das Gebiet des Mittellands und des Juras sind: Knochen, Mühlesteine, Kochtöpfe und Speisereste.

Der Mix macht's

Doch was sind verbürgte Fakten, was ist Interpretation? Was wissen wir tatsächlich über den Speisezettel und das Essverhalten der Menschen von vor 80'000 Jahren – und was fügt die Ausstellung aus heutiger Sicht dazu?

Kuratorin Karin Zuberbühler spricht von einem Mix aus beidem: «Vieles ist natürlich Interpretation: die ganze geistige Welt, die dahinter steht – gerade in der Steinzeit oder später bei den Kelten. Hier versuchen wir, ein Gedankengerüst aufzustellen oder Hintergründe zu interpretieren, die man nie ganz bestimmen kann.»

Illustration: Eine Frau mit Kopftuch kauft auf dem Markt ein.
Legende: Schwein gehabt, es gibt schon Pastinaken: Marktszene im Jahr 1328. Naturmuseum Solothurn / Benoit Clarys

Dieses Gedankengerüst, dieser Versuch, sich den Menschen aus der Vergangenheit über ihren Speiseplan zu nähern, ist eine Stärke der sorgfältig gestalteten Ausstellung.

«Könnten Sie töten?»

Immer wieder wird auch ein Bogen ins Hier und Jetzt gespannt. Nur ein Beispiel: Bei der Station von Onava, dem Jäger und Sammler aus der Steinzeit werden dessen Pfeil und Bogen gezeigt, gleichzeitig sieht sich der Besucher mit der Frage konfrontiert: «Könnten Sie töten?»

Diese Verbindung in die Neuzeit sei bei der Konzipierung der Ausstellung wichtig gewesen, sagt Kuratorin Karin Zuberbühler: «Wir wollten ganz bewusst den Zusammenhang zu heute herstellen.»

Daraus ergeben sich auch viele Gedankenanstösse zu unserem heutigen Umgang mit Lebensmitteln und dem schier unfassbar grossen Angebot, dem Überfluss, in dem wir leben.

Diese Aspekte werden im Naturmuseum Solothurn nur gestreift. Bewusst, sagt Kuratorin Karin Zuberbühler. Denn das Thema wäre eine eigene Ausstellung wert.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 14.11.2016, 17:15 Uhr

Ausstellungshinweis

Die Ausstellung «Wer is(s)t denn da – 80'000 Jahre Essen und Trinken» ist bis Ende April 2017 im Naturmuseum Solothurn zu sehen. Danach wandert die Ausstellung unter anderem nach Zürich weiter.

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