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Religion der Daten Yuval Harari: Der Mensch unterwirft sich den Daten

Der Glaube an die Daten wird zur neuen Religion. Diese These stellt der israelische Historiker Yuval Harari in seinem neuen Buch auf.

Legende: Video Yuval Harari: Ein Historiker erzählt die Geschichte von morgen abspielen. Laufzeit 56:35 Minuten.
Aus Sternstunde Philosophie vom 14.04.2017.

Ob Mark Zuckerberg, Bill Gates oder Barack Obama: Sie alle lobten Yuval Hararis letzten Bestseller «Eine kurze Geschichte der Menschheit» in den Himmel. Nun legt der 41-jährige Israeli nach und blickt in seinem neuen Buch «Homo Deus» in die Zukunft. Er sieht die Entstehung einer neuen Religion: des Dataismus, des Glaubens an Daten.

Im Laufe der Geschichte hat sich die Wahrnehmung der Menschen in Bezug auf die oberste Macht im Leben geändert. In antiken Zeiten betrachteten die Menschen Gott als Autorität, der willkürlich über die Menschen und ihr Leben verfügen konnte. Mit dem Humanismus begann der Mensch an sich selbst zu glauben. Nun stehen wir, so Harari, an der Schnittstelle zwischen Humanismus und dem neuen Zeitalter, dessen Religion der Dataismus sein wird.

Die Macht der Daten

Haben wir einen freien Willen? Sind wir unberechenbar in unserer Einzigartigkeit? Harari sagt dazu entschieden nein. Wir sind nicht mehr und nicht weniger als ein kalkulierbarer Algorithmus. Wenn man diesen Algorithmus entschlüsseln kann, dann weiss man, was das Beste für den Einzelnen ist.

Das Liebesleben, die Partnerwahl, die Gesundheit, das Essverhalten oder die Kunst: Die Daten wissen besser über uns Bescheid als wir und treffen die besseren Entscheidungen. Dadurch verschiebt sich die Wahrnehmung von der höchsten Autorität hin zu den Daten. Diese werden gemäss Harari die grösste Macht in unserem Leben verkörpern.

Wünschenswerte Zukunft?

Dass die Tendenzen, die Harari für die Zukunft sieht, gar nicht so weit hergeholt sind, zeigt der Think Tank W.I.R.E., Link öffnet in einem neuen Fenster Er hat Herrn und Frau Schweizer zu Zukunftsvisionen befragt. Es zeigt sich: Szenarien, in denen Technologien eine wichtige Rolle spielen, werden abgelehnt. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine sowie eine zu hohe Abhängigkeit von der Technologie beunruhigen die Leute.

Trotzdem wird das als realistische Entwicklung angesehen. Wie wir früher an Gott glaubten, glauben wir heute eben an die Daten – und legen unser Schicksal in deren Hände.

Sendung: SRF 1, Sternstunde Philosophie, 14.04.2017, 11:00 Uhr

Mensch und Maschine

Mensch und Maschine
Legende: Getty Images

Buchhinweis

Yuval Harari: «Homo Deus», C.H.Beck, 2017.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Ein Visionaer wie Orwell. Und nun gar noch nachtraeglich mit Kommentarmoeglichkeit. Der einzige, aber wichtige Unterschied zwischen dem Altfeudalismus, und dem immer mehr grassierenden Neofeudalismus ist, dass der Altfeudalismus wegen der Mangelwirtschaft kaum ohne Massenarmut und gar Sklaverei auskam, derweil die Grundlage des Neofeudalismus ist, trotz Ueberfluss mit systematischer Verarmung der Massen nicht mehr nur unentbehrliche Staatsdienste zu sichern, sondern auch private Sklaverei zu foe
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