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Zivilcourage Selbstlos: Wie Urs Hulliger unter Lebensgefahr eine Frau rettete

Urs Hulliger wurde Zeuge, wie eine Frau auf offener Strasse von ihrem Ex-Freund angeschossen wurde. Ohne zu zögern begab sich Hulliger selbst in Lebensgefahr, um die Unbekannte zu retten. Für seine selbstlose Tat wurde er für den Prix Courage 2013 nominiert.

Die Illustration zeigt ein Fahrrad, das am Boden liegt, daneben fünf Patronenhülsen.
Legende: Andy Fischli

«Wenn es Schutzengel gibt, dann war Urs Hulliger meiner», sagt Stefania ­Bonfadelli*. Gut möglich, dass sie ihm ihr Leben verdankt. Denn Urs Hulliger war nicht nur zur rechten Zeit am rechten Ort, sondern hat auch ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben das Richtige getan.

Es war am 18. Juni 2012, kurz nach 13 Uhr. Der 57-jährige Maschineningenieur aus ­Deitingen, Solothurn, kommt gerade vom Mittag­essen zurück an seine Arbeitsstelle in Zuchwil. Er sieht in der Nähe des Eingangs eine Frau. Ausserhalb der Umzäunung steht ein Mann. Hulliger denkt sich nichts dabei und betritt den Windfang des Gebäudes.

Plötzlich fallen Schüsse

Urs Hulliger.
Legende: Kandidat für den Prix Courage 2013: Urs Hulliger. Christian Schnur/Beobachter

Plötzlich hört er einen Schuss. «Ich dachte erst, dass ein Pneu an meinem Velo geplatzt ist.» Beim zweiten Knall ist klar: Das sind Schüsse. Der Mann hinter dem Zaun hat 
das Feuer auf Stefania Bonfadelli (Name geändert) eröffnet. Das Opfer ruft um Hilfe, schreit vor Schmerzen.

«Ich liess mein Velo zum Schützen hin rollen und rannte hinaus, um die Frau zu ­holen», erzählt Urs Hulliger. Die 21-Jährige liegt schwer verletzt auf dem Boden. «Ich packte sie an den Händen und zog sie 
ins Gebäude», erinnert sich ihr Retter. ­Mindestens fünfmal hatte der Schütze 
auf die beiden ­gefeuert.

Wie ein Wunder unverletzt

«Der Defekt am Hemd von Urs Hulliger stammt von einem Projektil oder einem ­Projektilteil» – der Auszug aus dem Protokoll zum Tathergang zeigt: Urs Hulliger hatte ­unwahrscheinliches Glück. Er selbst hat bei seiner mutigen Tat im Gegensatz zu seinem Hemd nicht einmal einen Kratzer abbekommen.

«Ich bin einfach höllenfroh, dass ich so reagiert habe und mir nicht den Vorwurf machen muss, möglicherweise den Tod der jungen Frau nicht verhindert zu haben», sagt der Familienvater heute.

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