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Zu viele Schulden, zu viel Streit: Das Kosmos ist Geschichte
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 05.12.2022.
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Zürcher Kulturhaus am Ende Kosmos-Schliessung: «Man hat ein Luftschloss gebaut»

Zu hohe Kosten, zu viele Schulden: Nach fünf Jahren macht das Zürcher Kulturhaus Kosmos dicht. Das müssen Sie zur Schliessung wissen.

Was sind die Gründe für die Schliessung? Das Kulturhaus scheiterte an den Finanzen: Zu hoch seien die Kosten und die Schuldenlast gewachsen, sagt Verwaltungsrat Roberto Feusi auf Anfrage von SRF. Vor allem die Schulden seien in den letzten Jahren immer grösser geworden. «Man hat ein Luftschloss gebaut.»

Der Versuch des neuen Verwaltungsrats, eine harte Sanierung durchzuführen, blieb illusorisch. Deshalb deponierte das Kosmos am Montag die Bilanz beim Konkursgericht Zürich. «Dies war nicht unsere Wahl, sagt Roberto Feusi. «Wir haben am Sonntag einen externen Revisionsbericht bekommen, der uns zwang, Montagmorgen zum Konkursrichter zu gehen.»

War die Schliessung absehbar? Nein. Allerdings war es im Kosmos selten ruhig: 2019 verliess Mitgründer Samir den Verwaltungsrat im Streit. Ein weiterer Schlag folgte im Frühling dieses Jahres: Alle fünf Verwaltungsrätinnen verkündeten, nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung zu stehen. Begründung: strategische und personelle Differenzen.

Im September wurde mit Valentin Diem und Roberto Feusi ein neuer Verwaltungsrat eingesetzt. «Wir haben einen nicht-funktionierenden, führungslosen Betrieb angetroffen», sagt Feusi mit Blick auf seinen Start. «Mit dem Tagesgeschäft hätte man den Betrieb sanieren können – was wir auch mit Vehemenz versuchten.» Aber die Schuldenlast sei zu erdrückend gewesen.

Was sind die unmittelbaren Folgen? Alle Veranstaltungen sind per sofort gestrichen. Die Mitarbeiter in den Betrieben des Kulturhauses haben seit Montagmorgen keinen Zugang mehr zum Haus.

Ein Blatt mit der Aufschrift «Der Kosmos ist geschlossen!» klebt an einem Fenster
Legende: Nach fünf Jahren: Seit Montagmorgen ist das Zürcher Kulturhaus Kosmos geschlossen. Keystone / ENNIO LEANZA

Hart trifft es das Human Rights Film Festival, das noch bis am 6. Dezember im Kosmos hätte stattfinden sollen. «Die Schliessung traf uns völlig überraschend», sagt Sascha Bleuler, Direktorin und künstlerische Leiterin des Filmfestivals. «Wir standen heute früh einfach vor verschlossenen Türen, ein Albtraum.» Alle Vorstellungen mussten abgesagt, Gäste wieder ausgeladen werden. «Ein alternativer Veranstaltungsort liess sich auf die Schnelle nicht finden.»

Wie geht es jetzt weiter? Das Kulturhaus wurde 2017 gegründet mit dem Ziel, zu einem Treffpunkt zu werden «für den engagierten Zeitgenossen oder für den gebildeten Laien», wie Mitbegründer Bruno Deckert sagte. Zentral nahe des Hauptbahnhofs gelegen, verstand sich das Haus als hybride Kulturinstitution, die sechs Kinosäle, eine Buchhandlung, Bistro, Bar und ein Forum für Veranstaltungen und Festivals vereinte.

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Das Kosmos bleibt geschlossen
Aus Schweiz aktuell vom 05.12.2022.
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Ob diese Vision gestorben ist, kann Verwaltungsrat Roberto Feusi nicht sagen: «Es ist nun Sache des Konkursamts zu schauen, ob es liquidiert oder zwischengenutzt wird. Und es ist an der SBB zu entscheiden, was sie in Zukunft mit dem Haus machen. Wir wissen es nicht – und wir können es auch nicht beeinflussen.»

Die Stadt Zürich, für die die Schliessung ebenfalls überraschend kam, würde es begrüssen, wenn der Standort weiterhin kulturell genutzt würde. «Selbstverständlich würden wir ein Unterstützungsgesuch für einen künftigen Betrieb sorgfältig prüfen», sagt Lukas Wigger von der Medienstelle der Stadt Zürich. Das Kosmos hätte als private Institution bisher keine wiederkehrenden Subventionen der Stadt erhalten. «Die Türen sind offen.»

Radio SRF, Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 05.12.2022, 12:03 Uhr;

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