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Ein Hinterkopf mit Kippa.
Legende: Als Zeichen gegen Antisemitismus waren in Deutschland viele Menschen mit der Kippa auf die Strasse gegangen. Keystone
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Zunehmender Antisemitismus Ist das Tragen der Kippa in der Schweiz gefährlich?

Der Zentralrat der Juden in Deutschland empfiehlt allen gläubigen Juden, keine Kippa in der Öffentlichkeit zu tragen. Gibt es diese Empfehlung auch in der Schweiz?

Nach der judenfeindlichen Attacke auf einen Israeli in Berlin ist die Empfehlung des Zentralrats der Juden eindeutig: Gläubige Juden sollten die Kippa, die typisch jüdische Kopfbedeckung, nicht mehr sichtbar auf der Strasse tragen.

Nicht zum ersten Mal wird Juden in Europa geraten, ihre Kippa besser unter einem Hut oder einer Baseballkappe zu verstecken. Schon vor Jahren reagierte die französische Rabbinerkonferenz damit auf die gewalttätigen Übergriffe in Paris oder Marseille.

Der Antisemitismus wird aggressiver

Für Deutschland ist das auch nicht neu, aktuell aber ein Zeichen dafür, dass der Antisemitismus hier aggressiver geworden ist.

Es ist äusserst bedenklich, wenn der Zentralrat der Juden in Deutschland zu dieser Einschätzung kommt
Autor: Herbert Winter

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, warnte davor, den Judenhass in Deutschland kleinzureden. Viele Juden hätten davor Angst, sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen.

«Aus meiner Sicht ist das äusserst bedenklich und sehr traurig, wenn der Zentralrat der Juden in Deutschland zu dieser Einschätzung kommt», sagt Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds SIG. «Das muss doch einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft zu denken geben, muss sie wachrütteln und eine Gegenreaktion auslösen.»

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Wird das Tragen der Kippa in der Schweiz gefährlich?
03:58 min, aus Kultur-Aktualität vom 25.04.2018.
abspielen. Laufzeit 03:58 Minuten.

Viele Solidaritätsaktionen

Genau das geschah am Mittwoch in Deutschland mit der Aktion «Berlin trägt Kippa». Als Zeichen gegen Antisemitismus sind in deutschen Städten Menschen mit der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung Kippa auf die Strasse gegangen. Juden und Nicht-Juden versammelten sich etwa in Berlin, Köln, Erfurt, Magdeburg, Potsdam zu Solidaritätskundgebungen.

Andere Solidaritätsaktionen gingen dem bereits voraus. Und längst solidarisieren sich auch europäische Muslime mit jüdischen Anschlagsopfern - beispielsweise unter dem Hashtag #WirsindauchJuden, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Viele zeigen ihre Kippa nicht

In der Schweiz gibt es keine offizielle Empfehlung, die Kippa zu verbergen. Beim Israelitischen Gemeindebund sieht man im Moment keine Veranlassung, eine solche Empfehlung herauszugeben.

Allerdings zeigen schon jetzt viele praktizierende Juden in der Schweiz ihre Kippa nicht in der Öffentlichkeit. Das findet Präsident Herbert Winter zwar traurig, aber nachvollziehbar: «Insbesondere bei Eltern, die manchmal ihren Kindern sagen: Trage doch bitte auf der Strasse keine Kippa». Wenn man sich öffentlich als Jude zu erkennen gebe, so Winter, gehe man ein gewisses Risiko ein, antisemitisch beleidigt zu werden.

Mehr Unterstützung von der Politik

Jedoch betont der SIG-Präsident seine Forderung an die Politik, die jüdischen Gemeinden stärker beim Thema Sicherheit zu unterstützen. Die jüdischen Gemeinden der Schweiz haben einen erhöhten Sicherheitsbedarf. Beide Kammern des Parlaments attestierten dies bereits und gaben entsprechende Empfehlungen an die Kantone.

Die Schweizer Bevölkerung zeigt sich solidarischer als die Politik.
Autor: Herbert Winter

Aber hier harzt es. Jüdische Gemeinden müssen immer noch hohe Summen – bis zu 30 Prozent ihres Budgets – selbst in die Sicherheit ihrer Schulen, Synagogen und Gemeindezentren investieren. «Der Staat leistet vieles und wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu den Polizeikräften. Aber dennoch reicht es nicht», so Winter. «Wir hoffen hier auf eine baldige Lösung, die die Gemeinden entlastet».

Porträt von Herbert Winter im Anzug.
Legende: Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund. Keystone

Kirchen spenden für die jüdischen Gemeinden

Die hohen Sicherheitskosten haben etwa die jüdische Gemeinde Basel in eine veritable Haushaltskrise geführt. Das hat schliesslich auch die Kirchen mobilisiert. Das Kloster Mariastein spendete 5000 Franken an die jüdische Gemeinde.

Die reformierte Kirche Baselland versprach eine ebenso hohe Solidaritätsspende. Und die baselstädtischen Reformierten kündigten eine Sonderkollekte an.

Verbandspräsident Herbert Winter ist dankbar um solche Zeichen. «Die Schweizer Bevölkerung zeigt sich wirklich solidarischer als die Politik. Und dass die Kirchen sich engagieren, hat auch eine grosse symbolische Wirkung. Das freut mich ausserordentlich.»

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Danny Kinda  (Kinda)
    Die ganze Diskussion fusst ja letztlich auf einem Clip der ein nicht-Jude mit einer gezielten Aktion in Deutschland verbreitet hat. Die Aufmerksamkeit war ihm dabei sicher aber um eine sachliche Diskussion ging es ihm nicht sondern bestenfalls um seinen Geltungsdrang. Der Muslimische Mann der den Angreifer weg gezogen und schlimmeres verhindert hat, wird mit keiner Silbe erwähnt. Ich fürchte die Juden machen es sich zu leicht aber Kritik dürfen heutzutage nicht einmal Israelis selber üben.
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  • Kommentar von Ramon Frey  (Ramon Frey)
    Jegliche Angriffe auf Juden sind strikt zu verurteilen. Man sollte antisemitisches gedankengut so gut wie möglich auslöschen. Allerdings sehe ich keine Pflicht z.b. jüdische Schulen für Sicherheitsvorkehrungen finanzielk zu unterstützen...die kinder könnten einfach in die normale volksschule und das problem wäre gelöst...religionsfreiheit ja, abgrenzung von der gesellschaft muss aber nicht unterstützt werden
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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Die Gräueltaten der Nationalsozialisten ist aufs Äusserste zu verurteilen. Nur wir leben heute in einer anderen Welt und nun die jetzige Realität nicht anerkennen zu wollen ist wirklichkeitsfremd !
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    1. Antwort von Susanne Saam  (Biennoise)
      Joseph- die jetzige Realität: antisemitische und/oder antimuslimische Einstellung vieler Menschen. Das ist gefährlich und schade, denn es geht nämlich nur miteinander, nicht gegeneinander. Auch wenn es manchmal schwierig ist.