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Zwei Sprachen, ein Studiengang Die Uni Freiburg will eine Brücke über den Röstigraben bauen

In Freiburg kann man seit einem Jahr die Fächer Deutsch und Französisch zusammen studieren. Wie gut kommt das an?

Das Städtchen Freiburg mit Kathedrale und der weissen Poya-Brücke im Hintergrund.
Legende: Zweisprachig studieren kann man in Freiburg schon länger – nun auch «Deutsch und Französisch». Keystone

Die Universität Freiburg ist zweisprachig. Die meisten Fächer können je auf Französisch und auf Deutsch studiert werden, oder es wird gleich in beiden Sprachen unterrichtet.

Aber einen Studiengang, der das Studium von Deutsch und Französisch verbindet, gab es bis vor einem Jahr nicht.

Andere Sprache, anderes Studium

Welten trennten lange Germanistik- und Französischstudium an der Uni Freiburg. Die Bewertungssysteme, Didaktiken und Arbeitsweisen unterschieden sich zu stark.

Das wollten Germanistik-Professor Ralph Müller und Französisch-Professor Thomas Hunkeler ändern. Sie schufen den neuen Studiengang «Deutsch und Französisch: Zweisprachigkeit und Kulturkontakt» – ohne zusätzliche finanzielle Mittel.

Brücken bauen und sich austauschen

Die Situation an der Universität ist sinnbildlich für das Verhältnis der beiden Sprachgruppen in der Stadt Freiburg – und ein wenig auch in der Schweiz. Man ist zwar nicht verfeindet, begegnet einander aber oft mit Desinteresse oder Argwohn. Die Zweisprachigkeit wird durchaus gelebt in Freiburg, aber längst nicht von allen.

Das wollen die beiden Initianten des Zweisprachigkeits-Studiengangs ändern. Hervorbringen sll der Studiengang Brückenbauerinnen und Kulturvermittler zwischen Deutsch und Welsch.

Darum besuchen die Studierenden neben Kursen zur französischen und deutschen Sprache und Kultur auch Seminare zum Kulturaustausch. Dort diskutieren sie etwa über die Übersetzung von Literatur oder über prägende Kinderlieder.

Lernen im Ausland

«In solchen Seminaren erfährt man viel über die andere Kultur», sagt Ralph Müller und fügt an: «Viele Romands kennen beispielsweise Mani Matter nicht.» Ausserdem werde man im Gespräch über Unterschiede auch mit der Aussensicht auf die eigene Sprache und Kultur konfrontiert.

Ein Student sitzt in einem modernen Hörsaal und spricht mit einem nicht sichtbaren Nachbarn.
Legende: Mehr Austausch zwischen Deutsch und Französisch – das will die Uni Freiburg fördern. Keystone

Fixer Bestandteil des Studiengangs «Deutsch und Französisch: Zweisprachigkeit und Kulturkontakt» ist auch ein Auslandsemester in der jeweils schwächeren Sprache. Das verbessere erstens die Sprachkenntnisse und gebe zweitens einen ein noch tieferen Einblick in die Partnerkultur.

Das Erlernte sollen die Teilnehmenden nach Studienabschluss in ganz verschiedenen Kontexten einbringen: zum Beispiel im Bildungswesen, in der Wirtschaft oder im Kulturbereich.

Viel Bedarf, wenig Interesse

«Die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs werden die besondere Fähigkeit haben, in zwei Sprachen und zwei Kulturen sehr vertraut zu sein», erklärt Ralph Müller das Ziel. «Wir – in Freiburg, in der Schweiz, in Europa – brauchen viele solche Menschen.»

Nach vielen Interessierten sieht es allerdings im ersten Jahr des neuen Studiengangs nicht gerade aus. Nur gerade vier Frauen studieren seit vergangenem Herbst Zweisprachigkeit und Kulturkontakt in Freiburg.

Das habe zwei Gründe, erklärt Ralph Müller: «Erstens ist der Studiengang noch neu und relativ unbekannt. Und zweitens kombiniert der Studiengang zwei Fächer – was die Zielgruppe auf die Schnittmenge dieser beiden Fächer schrumpfen lässt.»

Wirkung ungewiss

Die vier Zweisprachigkeits-Studentinnen sehen in der geringen Grösse der Klasse auch einen Vorteil. «Man kommt gar nicht drumherum, sich mit den Anderssprachigen zu unterhalten», sagt eine von ihnen.

Den gesellschaftlichen Nutzen muss der Studiengang erst noch unter Beweis stellen. Wohin sie das Zweisprachigkeits-Studium führen wird, wissen die Studentinnen noch nicht. Aber sie freuen sich darauf, das Erlernte weitergeben zu können.

Mehr Zweisprachigkeit, Kulturaustausch und gegenseitiges Verständnis an der Sprachgrenze: Das sind vorbildliche Ziele. Damit sie aber umgesetzt werden, braucht es mehr als nur einen neuen Bachelor-Studiengang.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 6.8.2018, 9 Uhr.

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