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Schweizerkreuz vor Matterhorn
Legende: Wahrzeichen sind schön und gut, aber worauf kann man im Alltäglichen stolz sein? Keystone
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Der Archivar Worauf sind Sie stolz in Ihrem Land?

Am 22. Juli 1964 machte das Schweizer Fernsehen eine Umfrage quer durch sechs Länder. «Was gefällt Ihnen in Ihrem Land und was nicht? Worauf sind Sie stolz und worauf nicht?» lauteten die Fragen. Wie würde diese Umfrage wohl heute in der Schweiz ausfallen?

  • Die Interviewserie des Schweizer Fernsehens von 1964 fördert individuell unterschiedliche Antworten zutage und malt damit ein kaleidoskopartiges Zeitgeist-Bild Europas Mitte der 1960er-Jahre.
  • Nicht nur individuell unterschiedlich fallen die Antworten aus, auch national scheint es Unterschiede zu geben, worauf man stolz sein darf und worauf nicht.
  • Die Antworten implizieren ansatzweise auch das Selbstbild einer Nation.

Eine Umfrage quer durch sechs europäische Länder

Befragt wurden Bürger und Bürgerinnen in der Schweiz, in Italien, Belgien, Deutschland, Frankreich und England. Gefragt wurde: «Worauf sind Sie stolz in Ihrem Land und worauf nicht?» Die Antworten im Einzelnen:

  • 1. Schweizer antworten

    • Stolz könne man auf den technischen Fortschritt sein, darauf dass das Rote Kreuz von einem Schweizer gegründet wurde, aber auch auf die Koexistenz von Fortschritt und Geschichte. Auf die Armee und darauf, dass jeder ein politisches Amt bekleiden könnte unabhängig von seinem gesellschaftlichen Stand.
    • Am wenigsten stolz könne man sein auf die «Art, wie wir die Fremden aufnehmen.» Das Gegenteil wird auch benannt: Man könne nicht stolz darauf sein, wie «das Land überschwemmt» werde. Viele festgefahrene Ideen, werden benannt: «Schweizer sind engstirnig.» Ein Pater beklagt einen Verlust an Moral und dass es zuviele unglückliche Menschen gäbe.
  • 2. Italiener antworten

    • Man könne stolz sein auf «das italienische Herz», auf das demokratische Land und die «Erneuerung nach dem Faschismus». Eine Italienerin sagt, man könne stolz sein auf die Stellung der Frau, sie selbst sei aber sowieso «mit allem zufrieden».
    • Nicht sehr stolz sein könne man auf die Bürokratie, den mangelnden Ordnungssinn, auf «übertriebenen Individualismus» und auf einen Mangel an Industrie, der Viele zwinge, «Arbeit im Ausland zu suchen.»
  • 3. Belgier antworten

    • Belgien sei zwar klein, aber man habe deswegen keinen Komplex. Ein Grund, Stolz zu sein. Ausserdem seien die Belgier freundlich, es gäbe genug Freiheiten und genügend Arbeit, man sei nicht nationalistisch.
    • Wenig stolz sein könne man auf den Konflikt zwischen Flamen und Wallonen, es gäbe zuviele Meckerer, die Stellung im internationalen Wirtschaftsmarkt sei schwach und die Kolonialherrschaft sei «übel» gewesen.
  • 4. Deutsche antworten

    • Ein Deutscher würde den Begriff «Stolz» im politischen Kontext nicht verwenden, er findet, das Zeitalter des Nationalstolzes sei überholt. Stolz sein könne man auf den wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbau, man entspreche als Deutsche(r) nicht mehr dem Klischee von «blond und dick» und einer ist stolz, «nach der trüben Vergangenheit in das freie westliche System eingereiht worden zu sein.»
    • Wenig stolz sein könne man auf die Vergangenheit. Mehrere Interviewte schämen sich für die Nazizeit, als junge Generation seien sie noch nicht geboren gewesen, würden das Erbe aber mittragen: «Man kann nicht aus seiner Geschichte fliehen.» Einer schämt sich für die Berliner Mauer.
  • 5. Franzosen antworten

    • Auf Literatur und Kunst ist man stolz, auch auf den «verfeinerten Geist». Auf die Unabhängigkeit, den Ruf in der Welt, den technischen Standart und den Individualismus.
    • Wenig stolz sein könne man auf die schlechte Organisation des Landes, auf den schlechten Umgang mit wirtschaftlichen und geistigen Resourcen, auf den Chauvinismus, den Kolonialismus und auf die «Grausamkeiten während des Algerienkrieges».
  • 6. Engländer antworten

    • Stolz sein könne man auf das Rechtssystem – «das ist das Beste der Welt». Ebenso auf den Polizeiapparat. Auf die «englische Art, die Ruhe zu bewahren», auf den Humor und die Fähigkeit, in schweren Zeiten zusammenzuhalten.
    • Wenig stolz könne man auf die Klassenunterschiede sein, auf das schlechte Transportwesen, den langsamen Fortschritt und die mangelnde Sanierung der Slums. Die Küche sei kein Grund, um stolz zu sein. Ebenso die Heuchelei, die Rassendiskriminierung. Englands Rolle in der Welt nehme an Bedeutung ab.

Und heute?

Worauf sind Sie heute stolz im Bezug auf die Schweiz? Was sind Errungenschaften oder Alltägliches, worauf Sie in Ihrem Land persönlich stolz sind? Und worauf kann man weniger stolz sein in der Schweiz, wo sollte man sich sagen: «Da könnten wir noch einiges verbessern!»?

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Übrigens: Wahlkampf ist hier nicht erwünscht, wir wollen keine Namen von Parteien sondern Ihren ganz persönlichen Stolz auf Ihr Land.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Severin Heck  (Selber denken und prüfen)
    Mit dem Gegenteil von Stolz betrachte ich die verlogene und primitive Politik! Die extreme 'Schutz vor Rasern' Initiative wurde zurückgezogen, da keine Zustimmung 'zu extrem'. Die Linken führten sie dennoch verschärft ein. Hintenherum im Parlament. Vor allem haben sie Statistiken gefälsch für die Begründung. Und anstelle dass sie ein Gesetz auf basis von den heute in der Technik gesetzlich vorgeschriebenen Risikobetrachtungen machten, führten sie Pauschalurteile im Strafrecht ein. (Scharia,DSI
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  • Kommentar von Severin Heck  (Selber denken und prüfen)
    3. (was heute definitiv nicht mehr existiert), ist, dass die Behörden aus Fachleuten bestehen und viel Kompetenz haben. Nicht die Politik. Seit die Linken die Mehrheit hatten, zogen sie alle Kompetenz zu sich ins Parlament und pfuschten herum. Z.b. Klimapolitik?! Wir sind Kohlenstoff basiertes Leben uns Slogans wie "Kohlenstoffverschmutzung" gehen umher. Messwerte?! Keine. Modelle wurden publiziert. Energiepolitik? Ist Sache von Ingenieuren. Nicht Politikern. ViaSicura? Primitiv. Statistik?
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  • Kommentar von Severin Heck  (Selber denken und prüfen)
    2. Schusswaffe daheim und Milizsystem (auch Parlament). Da alle am 'Sicherheitsapparat' und Staat direkt beteiligt sind, entsteht eine Einheit. Anderswo wird der Staat als Fremdkörper wahrgenommen. Auch das liberale Waffengesetz steht für Vertrauen zwischen Bürger und Staat. Und es ist das Bekenntnis des Staates, dass er keine Gewaltherrschaft erstrebt. (mit Waffen kann sich eine Zivilgesellschaft wehren...)
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