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Der Krieg ist aus! Deutschland musste untergehen, um neu geboren zu werden

Am 8. Mai 1945 kapitulierte das Deutsche Reich bedingungslos, Hitler hatte sich bereits am 30. April duch Selbstmord der Verantwortung entzogen. Aus dem Herrenvolk wurde ein Bettelvolk: Deutschland war entmündigt, mausarm. Nur so konnte sich das Land neu erfinden, sagt Historiker Ian Kershaw.

Als am 8. Mai 1945 die Waffen endlich schwiegen, war aus dem «Dritten Reich» eine einzige Trümmerwüste geworden. 55 Millionen Menschen waren tot. Sie waren gefallen an den Fronten, wurden ermordet in den Konzentrationslagern, verbrannten in den Bombennächten und starben an Hunger, Kälte und Gewalt auf der Flucht.

In diesem Mai 1945 kam es niemandem in den Sinn, von «Befreiung» zu sprechen. Die gängige Chiffre damals hiess «Zusammenbruch». Die sogenannte «Stunde Null» wurde als Totalabsturz empfunden. Da war nichts mehr, weder materiell noch psychisch. Der Staat mit dem Namen «Deutsches Reich» war ausgelöscht, die vier Besatzungsmächte England, Amerika, Frankreich und Sowjetunion hatten die uneingeschränkte Befehlsgewalt über Territorium und Menschen.

Die «zweite Schuld»

Eben noch hatten sich die Deutschen wie das Herrenvolk aufgespielt, jetzt waren sie entmündigt, bettelarm und hungrig. Die Wirtschaft lief auf Steinzeitniveau, Tauschhandel war angesagt, die Zigarette die wichtigste Währung. Für einen Sack Kartoffeln ging der gesamte Familienschmuck drauf. Zudem lag eine tiefe politische Apathie über dem Land, nach zwölf Jahren Totalitarismus und sechs Jahren Krieg wollte niemand mehr etwas mit Politik am Hut haben. Auch wenn der Magen knurrte, man wollte seine Ruhe haben, sich bloss nicht auseinandersetzen mit der eigenen schrecklichen Vergangenheit.

Das Verdrängen wurde zu einem Baustein der neu entstehenden Bonner Republik, es wurde zur «zweiten Schuld», wie der Schriftsteller Ralph Giordano einmal sagte. Die Psychoanalytiker Margarete und Alexander Mitscherlich nannten diesen Defekt der ersten Nachkriegsgeneration auch «die Unfähigkeit zu trauern».

Die Bestrafung der Schuldigen

Lange vor dem endgültigen Kriegsende waren sich die Alliierten einig, dass sich die Verantwortlichen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft vor einem internationalen Gerichtshof würden rechtfertigen müssen. «Verbrechen gegen den Frieden», «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» und andere Tatbestände wurden geltend gemacht, um Morde, Misshandlungen, Deportationen sowie Verfolgung und Vernichtung von Menschenleben zur Anklage zu bringen.

Die Verhandlungen des Internationalen Gerichtshofes begannen am 20. November 1945. Angeklagt waren unter anderem der ehemalige Reichsfeldmarschall Herman Göring, Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess, Rüstungsminister Albert Speer aber auch Personen wie Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht. Speer erhielt 20 Jahre, Hess lebenslang, die anderen Angeklagten wurden zum Tode durch den Strang verurteilt. Göring konnte sich dem Strang durch Selbstmord entziehen.

Hoffnung auf die Wiederherstellung der Menschheit

Die Nürnberger Prozesse erlebten international eine übergrosse Aufmerksamkeit. Für den Schriftsteller Alfred Döblin waren sie die Hoffnung auf die Zukunft, die Hoffnung auf die Wiederherstellung der Menschheit.

Vor dem 8. Mai 1945 hatte Deutschland den dramatischsten Versuch in der gesamten Geschichte unternommen, eine unmenschliche Gesellschaft zu schaffen, bilanziert der britische Historiker Ian Kershaw, weltweit einer der profundesten Kenner der Geschichte des Dritten Reiches.

Nur durch den kompletten Untergang hätten die Deutschen endlich mit ihrer Geschichte brechen können, die lange vor Hitlers Ära zurückreicht. Nur so hätten Land und Gesellschaft mit Werten neu aufgebaut werden können, die sich von Hitlers Werten komplett unterscheiden, sagt Kershaw: «Solange Menschlichkeit die gesellschaftliche Grundlage Europas ist, wird sich die Sicht auf Hitler und den Zweiten Weltkrieg nicht ändern.»

Pearl Harbour

Der Krieg im Pazifik, der am 7. Dezember 1941 mit dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour begonnen hatte, ging auch nach dem 8. Mai 1945 weiter. Er erreichte im August 1945 mit den amerikanischen Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki seinen traurigen Höhepunkt. Am 2. September 1945 kapitulierte auch Japan.

20 Kommentare

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  • Kommentar von Joachim Schippers, Berlingen
    Man kann in keiner Weise rechtfertigen oder relativieren, was im 3. Reich passiert ist. Eine gesamte Generation einer Kulturnation hat versagt. Erst die vollständige Niederlage öffnet das Tor zu etwas Neuem. Ich finde es gut, wie ehrlich Deutschland mit der Vergangenheit umgeht. Da wird nichts beschönigt und Gewesenes dient als Mahnung oder Fingerzeig für zukünftiges Handeln.
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  • Kommentar von Sandra Herrman, Stuttgart
    Die Aussage "Am 8. Mai 1945 kapitulierte das Deutsche Reich bedingungslos" ist absolut falsch, weil nur die Wehrmacht kapituliert hat. Des Weiteren handelte es sich bei der Wehrmacht aufgrund der Vereidigung auf Hitler um eine reine Privatarmee von Hitler. Ferner war das Dritte Reich nur eine illegal per Notverordnung regierte Weimarer Republik (vgl. Urteil im Prozess Tillessen vom Tribunal Gènèral...Rastatt vom 06.01.1947) und somit genauso ein Besatzungskonstrukt wie Weimarer Republik,BRD,DDR.
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    1. Antwort von Erwin Jenni, Ottikon
      @Herrman: Nein, das ist nicht die ganze Wahrheit, denn das deutsche Volk war mit der Wehrmacht eng verbunden und der einfache Deutsche war beispielsweise an der Judenvernichtung mitbeteiligt. Viele sahen in Hitler einen Erlöser der Schuld des 1. WK. Andere wiederum hegten die Hoffnung auf Lebensraum im Osten. Und wieder andere bereicherten sich am zurückgebliebenen Gut der ermordeten Juden. So gesehen war das deutsche Volk nicht nur Opfer sondern vorallem auch Täter und Mitläufer der Nazis.
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    2. Antwort von Sandra Herrman, Stuttgart
      @Jenni:Altersbedingt konnte ich meiner Oma nur eingeschränkt Fragen zu dieser Zeit stellen, jedoch hat sie sich etwas anders geäussert und auch klar gesagt,dass das NS-Regime gar nicht so beliebt war wie es immer behauptet wird und viele Ungebildete nach oben gespült wurden.Eine kleine Minderheit wusste Bescheid und die sehr große Mehrheit lief wie heuer treudoof hinterher(gilt aber für alle Völker).Wer sich ergebnisoffen mit dieser Thematik beschäftigt erkennt die Ungereimtheiten sehr schnell.
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  • Kommentar von Fredy Studer, Bern
    Kriegsende!!! Wo bliebt der Friedensvertrag?
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