Der Neuntöter: Ein Meister des Tötens

Der brutale Name des Neuntöters will nicht recht zu diesem hübschen Singvogel passen. Und doch kommt er nicht von ungefähr. Mit Maikäfern und anderen Grossinsekten jedenfalls geht der kleine Neuntöter unzimperlich um.

Ein Vogel auf einem Ast, in seinem Schnabel ein Insekt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Neuntöter spiesst Beutetiere oft an Dornen auf, um sie zu zerteilen. Imago/Nature in Stock

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«Es zwitschert auf SRF Kultur»

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Vom 18. bis 23. April 2016 widmen sich Radio SRF 2 Kultur und Kultur Online ganz den Vögeln: Wir reisen ins Vogelparadies im Central Park, zu den Zugvögeln im Wattenmeer und stellen den wachsamen Tannenhäher oder den vorlauten Kleiber vor. Zudem gibt es ein Quiz rund um Vögel in Literatur, Kunst und Musik. Zum Webspecial.

Er ist nur wenig grösser als ein Spatz, und doch scheint dieser Singvogel ein ziemlich brutaler Kerl zu sein. Das Männchen zumindest sieht aus wie ein kleiner Ganove: Sein Rücken ist rostrot, der Bauch hell und er trägt eine kohlschwarze Augenbinde.

Ausserdem hat der Neuntöter einen sogenannten Falkenzahn. Dieser seitliche Zacken im Oberschnabel hilft ihm beim Töten seiner Beute – und darin ist er ein Meister. Ein alter Volksglaube besagt, der hübsche Singvogel, der zur Familie der Würger zählt, töte zuerst neun Tiere, bevor er eins fresse, daher sein Name.

Nun, diese Mär ist falsch. Ausserdem würgt der Neuntöter auch niemanden – ausser sich selbst. Dann, wenn er unverdauliche Speisereste wieder hochwürgt und ausspuckt.

Aufgespiesste Käfer in der Vorratskammer

Dennoch möchte man dem Neuntöter nicht begegnen, zumindest nicht als Maikäfer, Libelle, Hummel oder Heuschrecke. Mit solchen Grossinsekten geht der kleine Neuntöter nämlich wenig zimperlich um. Er überwältigt die Insekten im Flug und verschwindet mit seiner Beute in einer stachligen Hecke.

Dort, in seinem Zuhause, spiesst er sie auf Dornen und kleinen Ästen auf. Das ist seine Art, für Schlechtwetterperioden vorzusorgen. Mehr als zwei Dutzend Maikäfer kann eine solche Vorratskammer umfassen. Auch junge Mäuse findet man zuweilen aufgespiesst im dornigen Zuhause des Neuntöters und sogar Blindschleichen, die grösser sind als der Neuntöter selbst.

Wo der Neuntöter lebt, herrscht grosse Artenvielfalt

Von ungefähr kommt sein Name also nicht. Der Neuntöter ist ein angriffiger Kerl – auch gegenüber Menschen, etwa wenn sie ihn beringen wollen. Dann pickt er seine Widersacher manchmal gezielt am Kopf. Dennoch sind Naturschützer angetan von ihm. Denn dort, wo er vorkommt, gibt es immer eine reiche Artenvielfalt – nicht nur aufgespiesst in Hecken, sondern auch lebendig in der grünen Natur.

Sendung: Radio SRF2 Kultur, Kultur-Aktualität, 20.04.2016, 08:20 Uhr.