Der Tannenhäher: das Superhirn unter den Vögeln

Der Tannenhäher hat ein phänomenales Gedächtnis: Im Sommerhalbjahr vergräbt er Hasel- und Arvennüsse in mehreren Tausend Nussvorratskammern. Die meisten dieser Verstecke findet er tatsächlich wieder – sogar dann, wenn sie unter dem Schnee begraben sind.

Ein Tannenhäher (Nahaufnahme), im Schnabel hat er zwei Nüsse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Hochleistungshirn hinter einem markanten Federkleid: der Tannenhäher, der vor allem in der Schweiz zu hören ist. Imago/blickwinkel

In keinem Land – ausser in Rumänien – ist der Tannenhäher so verbreitet wie in der Schweiz. Und doch bekommt man diesen kleineren Verwandten des Eichelhähers hierzulande eher selten zu Gesicht. Denn er lebt abseits der grossen Städte in den Gebirgswäldern der Alpen und des Juras.

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«Es zwitschert auf SRF Kultur»

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Vom 18. bis 23. April 2016 widmen sich Radio SRF 2 Kultur und Kultur Online ganz den Vögeln: Wir reisen ins Vogelparadies im Central Park, zu den Zugvögeln im Wattenmeer und stellen den wachsamen Tannenhäher oder den vorlauten Kleiber vor. Zudem gibt es ein Quiz rund um Vögel in Literatur, Kunst und Musik. Zum Webspecial.

Laut und durchdringend hört man ihn dort krächzen, nicht schöner als andere Rabenvögel. Und doch: Wer den Tannenhäher einmal gesehen hat, vergisst ihn nicht mehr. Mit seinem dunklen Käppchen auf dem Kopf und dem braunen weissgetüpfelten Gefieder erinnert er irgendwie an einen Tannenzapfen. In diesen – oder genauer gesagt: Arvenzapfen – steckt denn auch die Leibspeise dieses Waldbewohners: Arvennüsschen, die ähnlich aussehen wie Pinienkerne.

Mehr als 6000 Nussverstecke legt ein Häher an

Mit spitzem Schnabel meisselt der Tannenhäher die Nüsschen aus den Arvenzapfen und verstaut sie in seinem Kropf. Um immer genug davon zu haben, versteckt er sie in grosser Zahl. Mehr als 6000 Nussverstecke kann ein einziger Häher pro Jahr anlegen. Unter Wurzeln, in Moospolstern und sonst an unauffälligen Stellen im Boden vergräbt er die Wintervorräte.

Bemerkenswert dabei: Von seinen mehreren Tausend Vorratskammern findet der Tannenhäher die meisten wieder. Gut 80 Prozent beträgt seine Erfolgsquote im Schnitt. Und das, obwohl er sich im Winter zum Teil durch eine Schneeschicht zu den Nussdepots durchgraben muss. Wie ihm dieses Kunststück gelingt, ist bis heute ein Rätsel.

«Nobody is perfect» – zum Glück für die Arven

Sicher ist aber: Der Tannenhäher hat ein phänomenales Gedächtnis. Und sicher ist auch: «Nobody is perfect». Ein paar seiner Nüsschen-Nester findet eben auch der Tannenhäher nicht mehr. Zum Glück für die Arven. Die Nüsse dieses Nadelbaums sind nämlich zu schwer, um vom Wind über grössere Strecken verbreitet zu werden. Dass die Arvenwälder in unseren Bergen sich dennoch jeden Frühling wieder verjüngen, haben sie direkt dem Tannenhäher zu verdanken – und seinen paar Gedächtnislücken.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 18.4.2016, 8:20 Uhr