Am Anfang der Wiener «Albertina» war die Liebe

Prinzessin Marie Christine und ihr Gatte, Sachsenprinz Albert, begannen im 18. Jahrhundert Kunst zu sammeln. Heute hat das Wiener «Albertina»-Museum eine der glanzvollsten Kunstsammlungen in der europäischen Geschichte. Jetzt lädt die «Albertina» zu einer opulenten Schau ihrer eigenen Geschichte.

Keine Frage, es war Liebe: Als Maria Theresias Lieblingstochter, die kunstsinnige Prinzessin Marie Christine, im April 1766 auf einem der habsburgischen Lustschlösser östlich von Wien den feschen Sachsenprinzen Albert heiratete, war der Grundstein zu einer der glücklichsten Partnerschaften in der an deprimierenden Ehen reichen Geschichte der Habsburger gelegt: Die temperamentvolle Marie Christine und ihr Albert blieben einander 32 Jahre lang in inniger und – wenn man historischen Zeugnissen glauben darf – leidenschaftlicher Zuneigung verbunden. Darüber hinaus legten die beiden auch den Grundstein zu einer der glanzvollsten Kunstsammlungen der europäischen Geschichte.

Für Dürer bis Napoleon

Albert von Sachsen-Teschen, kaiserlicher Generalfeldmarschall und Habsburgs Statthalter in den Niederlanden, fühlte sich den Idealen der Aufklärung verpflichtet. Das Sammeln von Kunstwerken diente dem Ahnvater der nach ihm benannten «Albertina» nicht nur Zwecken herrschaftlicher Repräsentation, es entsprang echtem Interesse für die Meisterwerke der graphischen Kunst.

Zehntausende Zeichnungen und hunderttausende Druckgraphiken erwarben Albert und seine kunstbegeisterte Gattin im Lauf ihres Lebens, die hundert eindrucksvollsten Blätter dieser Sammlung sind jetzt in der spektakulären Schau «Zwischen Dürer und Napoleon. Die Gründung der Albertina» zu sehen: Dürers «Betende Hände» gehören ebenso dazu wie der berühmte «Feldhase» des Nürnberger Meisters, ein Jünglings-Akt Michelangelos genauso wie Raffaels anbetungswürdige «Madonna mit dem Granatapfel» sowie kostbare Blätter von Leonardo da Vinci, Tiepolo, Rembrandt, Rubens und Hieronymus Bosch.

Zusatzinhalt überspringen

Ausstellungshinweis

«Zwischen Dürer und Napoleon. Die Gründung der Albertina» ist bis zum 29. Juni in der Wiener «Albertina» zu sehen.

Ein reiches Epochen-Revival

Das ist aber noch nicht alles. Eingebettet sind die selten gezeigten «Greatest Hits» der Albertina in eine opulente Epochen-Schau, die das Zeitalter Herzog Alberts, des passionierten Kunstliebhabers und praktizierenden Freimaurers, noch einmal lebendig werden lässt: Mehrere Bände der Diderotschen «Enzyklopädie» werden ebenso ausgestellt wie verblüffend naturalistische Porträtbüsten Rousseaus und Voltaires sowie Angelika Kaufmanns berühmtes Bildnis Johann Joachim Winckelmanns, eine Leihgabe des Kunsthauses Zürich.

Ausserdem kann man das fürstliche Silberservice des Kunstsammler-Paars bestaunen, kostbare Kandelaber, fürstliche Roben, exquisite Porzellan-Figurinen und wertvolle Tapisserien, die Frankreichs Marie-Antoinette ihrer wenig geliebten Schwester Maria Christina anlässlich eines Paris-Besuchs geschenkt hat.

Die Albertina ergründet ihre Geschichte – eine der aufregendsten Ausstellungen der letzten Zeit.