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Mario Botta: Maestro der sakralen Architektur
Aus Kultur Webvideos vom 08.05.2021.
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Architekt Mario Botta Mario, der Baumeister – Vermittler zwischen Himmel und Erde

Es gibt kaum einen zeitgenössischen Architekten, der mehr sakrale Bauten erschuf als Mario Botta. Das neustes Projekt des Tessiners: Eine Moschee in der chinesischen Provinz Ningxia.

Mario Botta ist ein Getriebener. Einer, der immer arbeitet, auch morgens um drei. Und nicht selten entstehen dabei Sakralbauten. Seine Kirchen und Kapellen stehen in Frankreich, Italien, der Ukraine, Südkorea. Und natürlich im Tessin, wo Botta in den 1980er-Jahren die Kirche San Giovanni Battista konzipierte und den kleinen Ort Mogno schlagartig berühmt machte.

«Ich glaube an die Architektur», holt Mario Botta aus, wenn ihm die Gretchenfrage gestellt wird: «Die Architektur trägt bereits das Heilige in sich, weil sie mit dem Setzen des ersten Ziegelsteins Natur in Kultur verwandelt.» Oder anders formuliert: «Der Architekt vermittelt zwischen Himmel und Erde.»

Gotteshäuser: Orte der Stille

«Man kann seine Spiritualität zwar auch an einem Flussufer oder auf einem Berggipfel leben. Wenn eine Gemeinschaft sich aber entschliesst, ein Gotteshaus zu bauen, dann tut sie das, weil es um Kollektivität geht.»

Es seien Orte der Stille, der Reflexion und des Gebets, führt Botta aus, aber man trete auch in einen Dialog mit Gott oder einer anderen höheren Macht.

Legende: Bottas Sakralbauten bieten viel Raum und Licht – wie hier die Kathedrale von Évry in Frankreich. Mario Botta Architetti

Auf die Frage, warum er so viele Gotteshäuser baue, hat er eine banale Antwort: «Weil man mich darum bittet.» Offenbar hätte sich herumgesprochen, dass seine säkularen Bauten beim Publikum ankommen. Und er nehme diese Aufträge gerne an, denn die westliche Kultur sei «sakral geprägt» und an deren Stil und Formen orientiere er sich auch in seinen eigenen Entwürfen.

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Mario Botta: «Bauen ist eine heilige Handlung»
Aus Sternstunde Religion vom 09.05.2021.
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Licht und Schatten

Einer der neusten Entwürfe nimmt zurzeit in der chinesischen Provinz Ningxia Form an. Mario Botta baut seine erste Moschee. Und machte dabei eine überraschende Entdeckung: «Aus der Sicht der Chinesen liegt Mekka im Westen, nicht im Osten wie bei uns in Europa. Die Moschee muss also gedreht werden, und dann fällt die Sonne nicht mehr auf dieselbe Weise ins Gebäude ein wie in Europa.»

Der Einfall des Sonnenlichts ist essentiell für viele von Bottas Bauten. Seine Gebäude enthalten oft Einschnitte oder transparente schräge elliptische Dächer, die das Sonnenlicht ins Innere der Gebäude dringen lassen. Im Falle der Moschee wird ein mit Löchern versehenenes Gebälk Licht und Schatten durch den Gebetsraum wandern lassen.

Dem Tessin verbunden

Botta ist im Mendrisiotto in der Nähe einer Ziegelei aufgewachsen. Als Kind hatte er deshalb oft den Geruch von gebranntem Lehm in der Nase, wie er erzählt:  «Vielleicht habe ich dort die wundersame Verwandlung eines Erdhaufens in einen Ziegelstein entdeckt, der dann zum Bauelement wird.»

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Aus dem Archiv: Mario Botta, der Kirchenbauer
25:33 min, aus Perspektiven vom 23.12.2018.
abspielen. Laufzeit 25:33 Minuten.

Jedenfalls wusste der junge Botta, was er wollte. Noch als Teenager entwarf er zusammen mit seinem Mentor Tita Carloni ein Kirchgemeindehaus. Und seither ist er dem Bleistift und dem Mendrisiotto treu geblieben.

SRF 1, Sternstunde Religion, 9.5.2021, 10:00 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Vale Nipo  (VNxpo)
    Schön wäre es, wenn solche Monumente nicht nur für religiöse Zwecke erbaut werden würden, sondern einfach allgemein als Orte der spirituellen Psychik.
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Die Antwort ist ganz einfach, weil er Tessiner ist. Damit kann man Sicht gut identifizieren.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Nein, beim bauen von Kirchen, Casinos, öffentlichen Bauten kann er seine Fähigkeiten besser zum Ausdruck bringen als beim Bau von Einfamilienhäuser.
    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Mit Kirchen / Sakralbauten kann er über Generationen hinweg ein Zeichen
      seiner Architektur setzen. Er bleibt auch für spätere Generationen in der
      Erinnerung, die er verdient.