Zum Inhalt springen

Header

Inhalt

Kunst Basel als kunstvolles Pflaster – ein Reiseführer über Street-Art

Basel gilt seit den 1980ern als Mekka der Street-Art. Das Buch «StreetArt Basel & Region» gibt einen Einblick in die Szene, listet die Hotspots in der Region und stellt die wichtigsten Künstler vor. Es zeigt Street-Art als Kunstform, gegen die Basler mit einer «Sauberkeitshotline» vorgehen.

Wäre die Stadt Basel ein Körper, dann schlügen zwei Herzen in ihrer Brust. Denn einerseits ist die Stadt am Rhein schon seit den 1980er-Jahren ein Mekka für Street-Art-Künstler, für Sprayer und Graffiti-Artisten.

Attraktiv für Strassenkünstler ist, dass die beiden grossen Bahnhöfe SBB und Badischer Bahnhof in einem Trog liegen. Viele Schienen rund um die Bahnhöfe sind deswegen von hohen Betonmauern und Brückenpfeilern umgeben. Und Betonflächen schreien ja geradezu nach «Verschönerung».

«Basel - unverschmiert schön»

Andererseits gibt es seit einigen Jahren die Aktion «Basel – unverschmiert schön». Diese beinhaltet eine sogenannte «Sauberkeitshotline», bei der sich jeder melden kann, sollte er an einer Hauswand eine Sprayerei entdecken.

Innert 48 Stunden rückt dann ein Reinigungsteam an, das den Vandalenakt beseitigt. Das Ziel: ein schönes Stadtbild und Nachahmungstaten verhindern.

Vandalismus oder Kunst – ein schmaler Grat

Ob die Zeichnungen und Sprayereien auf Hauswänden und Betonpfeilern Vandalismus oder Kunst sind, da scheiden sich die Geister, sagt der Autor des neuerschienenen Buches «StreetArt Basel & Region», der in Lörrach lebende Kai Hendrik Schlusche.

Dass Sprayen im öffentlichem Raum illegal ist, ist das grosse Problem der Street-Art. In den letzten Jahren wurden aber immer mehr Flächen freigegeben, an denen Street-Art-Künstler auch ohne die Angst vor polizeilicher Verfolgung aktiv werden können. An gewissen Orten wird ihr Wirken schlicht geduldet.

Basels Street-Art in einem Buch vereint

Der neue Reisefüher «StreetArt Basel & Region» ist in sechs Kapitel unterteilt. Zu Beginn erhält die Leserin allgemeine Informationen über die Street-Art-Szene, lernt verschiedenen Stile und Möglichkeiten kennen, in der Stadt künstlerisch aktiv zu werden.

Im Mittelteil des Buches werden die Hotspots in und um Basel mit Karten und Bildern illustriert und beschrieben. Der letzte Teil porträtiert verschiedene nationale und internationale Künstler, die ihre Spuren in Basel hinterlassen haben. Bis auf wenige Ausnahmen werden sie nicht vermummt oder von hinten, sondern von vorne dargestellt und mit bürgerlichem Namen genannt.

Von der Strasse in die schicke Galerie

In den letzten Jahren zeigt sich die Tendenz, dass viele Künstler die Illegalität verlassen haben und beginnen, ihre Kunst in Galerien als sogenannte Urban Art auszustellen. Viele von ihnen arbeiten zudem heute auch für die Werbung oder im Auftrag einer Stadtverwaltung.

Betrachtet man die Ursprünge der Street-Art schmerzt diese Instrumentalisierung etwas, hatte echte Street-Art doch grundsätzlich subversiv zu sein, ein Gegengewicht zu den omnipräsenten Werbetafeln und der vielbeachteten Kunst der sogenannten Hochkultur in Museen und Galerien.

Vergänglichkeit der Strassenkunst

Kai Hendrik Schlusche möchte mit seinem Buch den Blick für eine Kunst öffnen, die lange übersehen oder lediglich als Vandalismus wahrgenommen wurde. Er fokussiert dabei auf Kunstwerke, denen er eine gewisse Qualität und damit Beständigkeit attestiert. Trotzdem bleibt Street-Art vergänglich, sein Kunstführer verliert mit jedem Neubau und jedem Anruf bei der Sauberkeitshotline an Aktualität.

Doch macht diese Flüchtigkeit ja durchaus auch die Attraktivität der Strassenkunst aus, das sei es wie mit Sonderangeboten, sagt Schlusche. Wenn es etwas nur für kurze Zeit gäbe, müsse man umso eher zuschlagen.

Dass Street-Art doch noch unvorhersehbar und spontan auftauchen und verschwinden kann, mag für manche Künstler und Fans der alten Schule ein Segen sein, bedeutet es ja doch, dass die Strasse eben doch nochmal ein anderes Pflaster ist als die schicke Galerie um die Ecke.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 01.06.2015, 17:20 Uhr.

Buchhinweis

Box aufklappen Box zuklappen

Kai Hendrik Schlusche: «StreetArt Basel & Region», Gudberg Nerger, 2015.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Bernd B. , Basel
    Die Moral in diesem Artikel stört mich total. Es wird suggeriert, dass die Graffiti-Entferner alles böse Spiesser sind, Graffitis uneingeschränkt als Kunst angesehen werden sollten und Sprayer alle offen gegenüber anderen Menschen sind. Aber der Unterschied zwischen Graffitis und Tags wird total übersehen. Tags und Schmierereien gehören definitiv entfernt; gelungene, unpolitische Graffitis und Stencils lässt die Stadt sogar stehen.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten