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Kunst Beruf Künstler: «Es geht doch darum, Ideen zu teilen»

Claudia Comte ist mit Haut und Haaren Künstlerin. Sie widmet ihr Leben ganz ihren geometrischen Bildern, ihren glattpolierten Skulpturen aus Holz. Ein Gespräch über zu kurze Tage, grosse Erfolge und Professionalität anlässlich der Manifesta 2016 in Zürich.

Es gab diesen Moment in Claudia Comte’s Kindheit. Das Westschweizer Fernsehen veranstaltete einen Wettbewerb. Für eine Kindersendung, in der Stoffpuppen die Hauptrolle spielten, sollte man ein Haus für die Puppen basteln. Die kleine Claudia setzte sich sofort hin und zimmerte ein Haus zusammen, das sie an den Sender schickte. Claudia gewann den Wettbewerb und einen Adventskalender, der mit Schokolade gefüllt war.

«Ich fand es grossartig, dass ich etwas mit meinen Händen produzieren kann, das dann von Menschen bewertet wird. Und dass sie es für gut befinden, und ich dafür belohnt werde», sagt Claudia Comte.

Dieses Erlebnis war das erste in einer Reihe von Erfolgen, die sie als Künstlerin im Lauf der Jahre feiern durfte. Mittlerweile ist die kleine Claudia 33 Jahre alt, hat unzählige Kunstpreise gewonnen (u.a. 2014 den Swiss Art Award) und erhält für ihre kreative Arbeit mehr als ein bisschen Schokolade.

Ein Knochenjob

Der Erfolg kam allerdings nicht über Nacht, sondern war und ist ein hartes Stück Arbeit. «Ich habe aufgehört zwischen Privatleben und Arbeit zu unterscheiden. Ich arbeite jeden Tag, jeden Abend, jedes Wochenende. Ich schreibe mir Listen mit Dingen, die ich alle zu erledigen habe. Aber alles zu schaffen ist unmöglich. Die Tage sind zu kurz.»

Meistens hat Claudia Comte fünf oder sechs Projekte gleichzeitig am Laufen; ihr Jahr ist bis Sommer 2017 geplant und verbucht. Erstaunlich ist, wie Comte trotz ihrem enormen Arbeitspensum enthusiastisch wirkt, begeistert und kein bisschen müde. «Ich denke, das ist der springende Punkt. Du kannst nur so viel arbeiten, wenn du deine Arbeit liebst», sagt die Lausannerin.

Die Chefin in ihrem Studio

In ihrem grosszügigen, hohen und hellen Atelier im Norden von Berlin hängen geometrische Bilder an der Wand, zwei Holzskulpturen stehen im Raum. Es ist sehr aufgeräumt, auf einem grossen Holztisch liegen lediglich Zigaretten und ein paar Blatt Papier. «Platz ist für meine Arbeit sehr wichtig. Platz und die richtigen Leute um mich».

Die «richtigen Leute»: Das sind ihre 5 bis 6 Assistenten, die ihr mit der Organisation von Ausstellungen helfen oder nach genausten Anweisungen der Chefin an den Kunstwerken arbeiten.

Arbeiten fürs Publikum

Neben ihrem Team von Assistenten arbeitet Claudia Comte auch mit Galerien in New York und Zürich zusammen. Ausstellen und verkaufen, auch die Auseinandersetzung mit dem Kunstmarkt: Das sind für Comte Dinge, die unmittelbar zum Künstlersein dazugehören.

«Für mich macht es keinen Sinn, wenn man künstlerisch tätig ist, aber seine Werke niemandem zeigt. Es geht doch darum, Ideen zu teilen. Kunst ist meine Sprache, mein Kommunikationsmittel. Ich liebe es, meine Werke zu erklären, über sie zu sprechen und eine Reaktion zu erhalten».

«Aus dem machst du Kunst?»

Besonders spannend findet Claudia Comte die Reaktionen von Menschen, die sonst mit Kunst nicht viel am Hut haben. Sie lacht, wenn sie an die Begegnungen mit den Holzfällern denkt, von denen sie das Holz für ihre Skulpturen bezieht.

«Am Anfang fanden Sie es sehr merkwürdig, dass ich Holz mit einer Motorsäge bearbeite und dass daraus Kunst entsteht. Aber dann waren Sie beeindruckt, was man aus diesem für sie so alltäglichen Material alles herausholen kann.»

Auch als sie an der Kunsthochschule Ecole Cantonale d’art de Lausanne studierte, habe mancher erst gelacht, als sie mit Holz und Kettensäge zu hantieren begann. Ausgemacht habe ihr das nie was, sie sei ziemlich selbstbewusst.

Und weiter geht’s!

Dieses Selbstbewusstsein spürt man bei Comte. Man spürt, dass diese Frau weiss, was sie tut. Dass man es mit einer Frau zu tun hat, deren Energiespeicher unerschöpflich scheinen. Klar, sei sie manchmal müde, sagt sie, aber auch dann würden in ihrem Kopf kreative Prozesse ablaufen.

Als nächstes Projekt steht eine ihrer bisher grössten Ausstellung im Kunstmuseum Luzern an. «Ich habe dort so viel Platz und so viel vor. Zudem bin ich momentan daran, ein Buch herauszugeben, gestalte meine Webseite neu und habe bald Shows in New York, in Lausanne und in Toulouse.»

Während Claudia Comte all diese Dinge aufzählt, muss sie schmunzeln. «Ich weiss auch nicht wie ich das alles unter einen Hut bringe. Aber es klappt. Und ich liebe es!»

Zur Person

Claudia Comte (*1983) hat nach der Matura an der ECAL studiert und sich an der pädagogischen Hochschule in Lausanne zur Kunstdozentin weitergebildet. Zwei Jahre hat sie dann auch Schülern ihr Wissen weitergegeben. Nach mehreren Residencies und dem Erhalt des Swiss Art Award 2014 konzentriert sie sich voll und ganz auf Ihr Künstlerdasein.

Beruf Künstler

Im Zuge des Mottos «What People Do For Money» der Kunstbiennale Manifesta befragt SRF Kultur die Künstler Beni Bischof, Maja Hürst, Claudia Comte und Julian Charrière zu ihrem Verständnis von Beruf und Berufung.

Sie sind Teil des Projektes u40, das während mehreren Jahren Einblick gibt in das Werk und Leben von jungen Schweizer Künstlern.

Die Manifesta 11

«What people do for money» heisst das Motto der elften Ausgabe der Manifesta, die in Zürich stattfindet. An der vom Künstler Christian Jankowski kuratierten Kunstbiennale beleben Kooperationen zwischen Künstlern und Berufsleuten die ganze Stadt. Die Manifesta 11 dauert 100 Tage, vom 11. Juni bis zum 18. September 2016.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Severin Heck  (Selber denken und prüfen)
    Kunst ist (u.a.) das Abbilden des Subjektiven empfindens/Realität. Es ist erweiterung der Kommunikation. Angewandte Wissenschaften (Technik) ist das objektive abbilden der Realität und das erweitern der eigenen physikalischen Fähigkeiten. Beides sind schöpferische Prozesse des menschlichen Geistes. Bloss, wenn sie als Künstler konventionen dehnen jubeln gewisse Leute, aber dehnen sie als Techniker die Konventionen, kriminalisieren sie die gleichen Leute die andernfalls jubeln...
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  • Kommentar von Severin Heck  (Selber denken und prüfen)
    Stereotypen: 'männliche Kunst', 'Feministin'... Genau das ist das schlimme der letzten Jahre: Alles musste politisiert werden. Die ganze Kultur, von Naturwissenschaft, Technik, Musik... Jeder schöpferische Prozess braucht Freiheit und hat eine in sich wohnende Motivation. Genau diese Motiation wird von der Politik bekämpft. Denn sie ist individuell. Z.b. Ein Motorrad ist Technik aus Freude an der Technik. Genauso wie Kunst auch einfach Ästhetik sein darf. Beides ist heute politisch geächtet.
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