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Legende: Audio Alice Henkes über Schweizer Kunst, die an der Biennale zu reden gibt abspielen. Laufzeit 04:29 Minuten.
04:29 min, aus Kultur-Aktualität vom 09.05.2019.
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Biennale Venedig Vorhang auf für Schweizer Kunst: Poetisch oder plakativ?

Schon bevor die Biennale Venedig öffnet, gibt die Schweizer Präsenz zu reden – im Positiven wie Negativen.

Es gibt viele Kunstmessen und internationale Ausstellungen – aber die Biennale in Venedig ist immer noch eines der grössten Kunstereignisse weltweit. Im Vorfeld der Eröffnung sind die Meinungen über die Schweizer Präsenz geteilt.

Für Begeisterung sorgt der Schweizer Pavillon. Dieses Jahr hat ihn Charlotte Laubard kuratiert, die an der Genfer Hochschule für Kunst und Design lehrt.

Legende: Video «Moving Backwards»: Videoinstallation von Pauline Boudry und Renate Lorenz im Schweizer Pavillon abspielen. Laufzeit 01:16 Minuten.
Aus Kultur vom 09.05.2019.

Zu sehen ist das Werk der Künstlerinnen Pauline Boudry und Renate Lorenz. Die beiden zeigen eine eindrucksvolle, vielschichtige Video-Installation mit dem Titel «Moving Backwards».

Pauline Boudry und Renate Lorenz leben in Berlin und arbeiten seit 2007 zusammen. Die beiden Künstlerinnen arbeiten mit Tänzern, Choreografinnen, Musikern, Künstlern zusammen. Ihre Videos wirken wie gefilmte Performances.

Rückwärts gehen, um vorwärts zu schauen

Der Titel «Moving Backwards» beschreibt etwas, was im Video immer wieder eine wichtige Rolle spielt: die fünf Tänzerinnen und Tänzer versuchen rückwärts zu gehen.

Porträt von Pauline Boudry und Renate Lorenz vor gestreift schwarz-weissem Aushang
Legende: Pauline Boudry und Renate Lorenz zeigen ihre Installation «Moving Backwards» im Schweizer Pavillon an der Biennale. Keystone / Gaetan Bally

Das klingt banal, ist aber raffiniert choreographiert und entfaltet eine grosse symbolische Aussagekraft. Besonders schön wirkt dieses Rückwärtsgehen in einer Szene, in der eine Tänzerin in türkisblau leuchtenden Cowboystiefeln über die Bühne geht.

Die Schuhe haben beidseitig lange Spitzen – und keine Fersen. Der Körper der Tänzerin ist von einem langen, weiten Gewand verhüllt, ihr Gesicht von langen Haaren verdeckt.

Stiefel, die nur Spitzen und keine Ferse haben
Legende: Bei diesen Stiefeln ist klar, dass keiner mehr weiss, wo hinten und vorne ist. Keystone / Gaetan Bally

Einen Moment lang ist unklar, wo hier eigentlich vorne und hinten ist, ob es vorwärts oder rückwärts geht. Dieses Uneindeutige ist typisch für «Moving Backwards».

Choreografien von grosser symbolischer Kraft

Dieses Uneindeutige ist typisch für «Moving Backwards». Das ganze Video spielt mit Gesten und Anspielungen, mit Grenzüberschreitungen und verschiedenen Tanzstilen. Die Bewegungen, die Kostüme, die Gesten sind wie ein Mosaik aus Pop und Tanztheater und Alltagsgesten.

Es gibt Frauen, die wie Männer agieren und Männer in Frauenkostümen. Es geht auf vielen Ebenen um Grenzüberschreitungen.

Lange Schlangen vor dem Pavillon

Die Arbeit ist ein Plädoyer für eine offene Gesellschaft, gegen den rechts-konservativen Backlash – ohne dass diese Botschaft platt oder dogmatisch wirken würde.

Ausstellungshinweis

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Die Biennale di Venezia, Link öffnet in einem neuen Fenster beginnt am 11. Mai und geht bis zum 24. November 2019.

Die Mehrdeutigkeit der Video-Arbeit von Pauline Boudry und Renate Lorenz kommt gut an. Schon bei der Vorbesichtigung bilden sich immer wieder lange Schlangen vor dem Schweizer Pavillon.

Ein gekentertes Flüchtlingsboot als Kunstobjekt

Für Kontroversen sorgt ein anderer Schweizer Künstler: Christoph Büchel. Er zeigt das Wrack eines im April 2015 gekenterten Flüchtlingsbootes als Objekt an der Biennale.

Legende: Video Schweizer Künstler Christoph Büchel zeigt gekentertes Flüchtlingsboot abspielen. Laufzeit 00:54 Minuten.
Aus SRF Kultur vom 08.05.2019.

Beim Untergang des Schiffes sollen mindestens 700 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Präsentation sorgt für Proteste aus den Kreisen der rechten Regierungspartei Lega, die die Aktion als Provokation begreift.

Der Präsident der Biennale Venedig, Paolo Baratta, verteidigt Büchels Plan. Er denkt, das Wrack rege Menschen zum Nachdenken an. Und das sei eine der Hauptaufgaben der Kunst.

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