Die Kunsthochschulen erbauen sich neu

Auf den Semesterbeginn stellen sich die Hochschulen der Künste in Basel und Zürich neu auf: Beide konzentrieren ihre diversen Institute an einem Ort. Obwohl Basel und Zürich das Campusmodell in Anspruch nehmen, unterschieden sich die beiden Lösungen vor Ort beträchtlich.

Ob der Begriff «Kunst» von «können» kommt, ist eine nach wie vor ungeklärte Frage. Und unklar ist auch, ob man «Kunstkönnen» überhaupt lernen kann. Dessen ungeachtet investieren die beiden Kunsthochschulen in Zürich und Basel (und die jeweiligen Trägerkantone) massiv in die Zukunft der Kunstausbildung.

Grosse und kleine Brötchen

In Zürich wurde ein Koloss gebaut. Die ehemalige Yoghurtfabrik in Zürich-West verwandelte sich in den Hochschulcampus Toni-Areal. Eine ganze Parzelle fasst das Riesengebäude. Die metallische Fassade umspannt über 90‘000 Quadratmeter, die hauptsächlich für die Lehre und Forschung reserviert sind (75‘300 Quadratmeter). Den Löwenanteil davon nutzt die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), Juniorpartner ist die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW).

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Möglichkeiten zur Besichtigung

Campus Dreispitz Basel: Preview Campus und Diplomausstellung FHNW, 12.-19. September 2014.

Toni-Areal Zürich: Tage der offenen Tür, 27. und 28. September 2014.

In Basel werden kleinere Brötchen gebacken. Die Nutzfläche der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) von 17‘000 Quadratmeter passt locker vier Mal in den kolossalen Hochschulcampus Toni-Areal. Der Grössenunterschied ist kein Wunder: Auf dem Basler Campus lehren, lernen und forschen rund 1000 Menschen, zehn Institute aus dem Bereich Kunst und Gestaltung ziehen an einen Ort. Auf dem Toni-Areal aber finden 5000 Menschen zusammen; mit Ausnahme der Schauspielschule ziehen alle Kunsthochschul-Institute zusammen, die bisher auf 35 Standorte in Zürich und Winterthur verteilt waren.

Ansehnliche Summen in beiden Fällen

Bezüglich Grösse und Architektur lässt sich sagen: Zürich baut in unmittelbarer Nachbarschaft zu Grossfirmen eine Art Firmensitz für die Künste, der dem Einzelnen bereits beim Eintritt ins Gebäude klar macht, wie ameisenhaft klein er ist. Eine geballte Ladung für viele also. In Basel wirkt alles luftiger: Ein neugebautes Hochhaus, daneben Werkstätten und der alte Industriebau des denkmalgeschützten Zollfreilagers ordnen sich um einen zentralen Platz. Ein lockeres Arrangement für etwas weniger viele.

Beide Bauprojekte kosten ansehnliche Summen. Rund 770 Millionen Franken sind es in Zürich. Den Grossteil (knapp 550 Mio.) investierte die Alleinunternehmerin Allreal, der Rest kommt vom Kanton Zürich, für Ausbau und Ausstattung. Wieder sind die Basler Brötchen kleiner. Mit der Summe, die in Zürich investiert wurde, hätte man in Basel fast fünf Kunsthochschulen bauen können. Die abschliessenden Zahlen sind in Basel noch nicht bekanntgegeben; sicher ist aber, dass der Kanton Basel-Stadt 121 Millionen Franken in den Campus Dreispitz investierte.

Es gibt auch Gemeinsamkeiten

Die Dimensionsunterschiede zwischen den beiden Kunsthochschulen Basel und Zürich sind also beträchtlich. Dennoch gibt es auch Parallelen. Beide Standorte rekurrieren auf das angelsächsische Campusmodell, erfüllen diese Behauptung aber nicht. Denn weder in Basel noch in Zürich wohnen Studierende oder Lehrende auf dem Campus. Wohl finden sich Wohnungen in den neuen Anlagen. Die sind aber im Hochpreis-Segment angesiedelt.

Und eine weitere Parallele schliesst hier an. Beide Trägerkantone wollen von den Kunsthochschulen mehr als bloss gute Kunstausbildungen. Die Hochschulen sollen kreative Motoren der Stadtentwicklung sein, für das Dreispitz-Areal und für Zürich-West. So sollen also nicht zuletzt die neuen Kunsthochschulen mit ihrem Treiben für ein attraktiv-kreatives Klima sorgen, das finanzkräftige Mieter anzieht.

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