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Kunst Ein Abstecher in die dunklen Sphären des Internets

Unter der Oberfläche des Internets erstreckt sich das Darknet. Es gilt als Tummelplatz für Kriminelle. Und als Ort, an dem man noch anonym bleiben kann. Eine Ausstellung der Kunsthalle St Gallen setzt sich mit dem dunklen Netz und der Frage der eigenen Identität im Internet-Zeitalter auseinander.

Mit dem Internet ist es wie mit dem Ozean: Die oberen Bereiche der Weltmeere sind erforscht und kartographiert. Vor der Tiefsee steht ein grosses Fragezeichen. Wenig ist bekannt und dieses wenige wirkt oft etwas bizarr. Im Internet ist das ähnlich. Da gibt es das leicht zugänglich Surface-Net, in dem man shoppen und chatten und alle möglichen Themen googeln kann. Und es gibt das Darknet, auch Deep Web genannt. Die Internet-Tiefsee also.

Das Darknet ist Titelgeber und eines der Hauptthemen einer Ausstellung in der Kunsthalle St. Gallen. Für Kurator Giovanni Carmine ist das dunkle Netz spannend, weil es noch wenig bekannt ist. Und weil es einer der wenigen Orte auf der Welt ist, an denen man noch problemlos anonym bleiben kann. Anonymität und Unsichtbarkeit – im Internet oder auch im ganz realen Hier und Jetzt – sind ein weiterer Schwerpunkt der Schau.

Fiktive Identität

Verschiedene Karten in einem Plastiksäckchen.
Legende: Heath Bunting: «Status Project», 2004-2014. Heath Bunting

Der englische Künstler Heath Bunting hat sich intensiv damit beschäftigt, wie man im Web eine Identität erschaffen oder auch löschen kann. Er untersucht, welche Daten Personen im Internet hinterlassen. Telefonnummern zum Beispiel, Angaben zur Nationalität, Kreditkartennummern. In Texten und Workshops probiert Bunting aus, ob man eine Person auflösen kann, indem man all diese Daten entfernt. Oder ob man eine fiktive Person erschaffen kann, indem man die passenden Daten erzeugt.

Andere Arbeiten zielen darauf ab, was passieren könnte, wenn vertrauliche Daten plötzlich für jedermann sichtbar werden. Vor zwei Jahren publizierte ein Hacker mehrere Millionen Passwörter von Nutzern des Karriere-Netzwerks LinkedIn. Der Berliner Künstler Aram Bartholl hat die Passwörter in einer mehrbändige Buchausgabe gedruckt.

Ein dunkler Ort?

Mehr Anonymität im Netz, mehr Kontrolle über die eigenen Daten, das wünschen sich – zumindest in Europa – nicht mehr nur engagierte Datenschützer. Diskussionen um Daten und Fotos, die sich plötzlich nicht mehr bei Facebook entfernen lassen, beschäftigen weite Teile der Öffentlichkeit.

Die Anonymität, die im Surface-Net immer mehr Transparenz weicht, ist im Darknet Standard. Das dunkle Netz wird in den Medien gern als gefährlicher Ort beschworen, wo sich Kriminelle, Terroristen und Perverse tummeln. Das erinnert an die Befürchtungen, die die Frühphase des Internets begleiteten.

Shoppen im Darknet

Die Kunstschaffenden der !Mediengruppe Bitnik inszenieren für die Ausstellung in St. Gallen einen Tauchgang in dieses mysteriöse Netz. Sie haben eine Software programmiert, die einmal in der Woche selbsttätig in einem Shop im Darknet einkauft. Ja, auch im dunklen, dunklen Deep Web gibt es Online-Shops. Fast wie im ganz normalen Internet. Nur werden im Darknet, dem Vernehmen nach, auch Dinge angeboten, die alles andere als frei verkäuflich sind: Drogen, Medikamente, Hehlerware. Die Software der !Mediengruppe Bitnik hat übrigens bislang Zigaretten aus der Ukraine gekauft und einen Generalschlüssel für Fahrstuhlsysteme in den USA.

Ist das Darknet wirklich der gesetzlose Ort, als der es gern dargestellt wird? Vielleicht auch, aber nicht nur. Carmen Weisskopf von der !Mediengruppe Bitnik relativiert: Es komme darauf an, was man im Darknet suche. Das Darknet kennt (noch) keine Suchmaschinen. Man muss sehr gezielt Seiten suchen. Sicher verbergen sich im dunklen Netz auch dunkle Machenschaften.

Wie dunkel es im Darknet wirklich ist, das können Ausstellungsbesucher auch auf eigene Faust erkunden: Die Schau bietet auch die Möglichkeit, selber im Darknet zu navigieren.

Zur Ausstellung

Die Ausstellung «The Darknet – From Memes to Onionland. An Exploration»
In Zusammenarbeit mit !Mediengruppe Bitnik und :digital brainstorming findet vom 18. Oktober 2014 bis 11. Januar 2015 in der Kunsthalle St. Gallen statt.

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