Ein begnadeter Zeichner – die vergessene Seite von David Weiss

Was David Weiss elf Jahre lang als Zeichner geschaffen hat, ist jetzt im Bündner Kunstmuseum zu entdecken. Dabei stellt man fest, dass der hintergründige Humor, der das Werk des Künstlerduos Fischli/Weiss kennzeichnete, bereits in David Weiss' Werk funkelt.

Als Teil des renommierten Künstlerduos Fischli/Weiss – so hat Museumsdirektor Stephan Kunz David Weiss wahrgenommen. Und so nehmen ihn wohl auch die meisten anderen Menschen war. Fischli/Weiss ist das Duo, das aus Wurst und Aufschnitt Teppichläden und Auto-Karambolagen gestaltete und die Nonsens-Maschine «Der Lauf der Dinge» in Gang setzte. Das Duo, das mit 100 Fragen an der Kunst-Biennale 1995 für Furore sorgte und aus Alltagsgeständen Kunst machte.

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Ausstellung

Ausstellung «David Weiss Werke 1968 bis 1979» im Bündner Kunstmuseum in Chur, bis 18. Mai 2014.

Stephan Kunz stiess aber immer wieder auf Zeichnungen von David Weiss, phantastische, erzählerische, witzige Zeichnungen. Er wurde neugierig und sprach David Weiss kurz vor seinem Tod darauf an. «David Weiss war sich nicht sicher, ob es seine Bilder wert sind, ausgestellt zu werden. Also haben wir sie zusammen angeschaut: Und es lohnt sich, diesen Bildern eine grosse Ausstellung zu widmen.»

Grosse Freude am Comic

Für seine Ausstellung über David Weiss als Zeichner von 1968 bis 1979 im Bündner Kunstmuseum konnte der Museumsdirektor ganz offensichtlich aus einem vergessenen Fundus schöpfen. Auffällig ist in den frühen Arbeiten, wie gross David Weiss' Freude am Comic war. Was nicht erstaunt: 1968 war die Zeit der Revolte, der Zürcher Globuskrawalle, in der die Hohe Kunst von der der Niederen Kunst des Comics attackiert wurde.

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In diesen Bildern sind beispielsweise Drogenerfahrungen zu sehen, das Werk «Ich habe die Nase voll von Drogen» ist eine grosse bekannte Arbeit zum Thema. David Weiss hat auch bei Paranoia City mitgearbeitet, ein Verlag, der anarchistische Literatur vertrieben hat, unter anderem auch U-Comix. Dazu Kunz: «Das Engagement lag in der Zeit, und David Weiss war mittendrin. Ein Engagement, das über die Kunst hinausging und Kunst in einen grösseren Kontext gestellt hat.»

Disteln, die andere Disteln erwürgen

David Weiss, der in einem Pfarrhaushalt aufwuchs, verband als Zeichner gekonnt Humor und Melancholie miteinander. Zum Beispiel in seinen Blumenbildern: Blumen mit menschlichem Antlitz treten auf, eine gaunerähnliche Blume mit Pistole luchst der andern Geld ab, eine Distel erwürgt die andere. Animiert dazu haben ihn Bildergeschichten, die er bei Wilhelm Busch oder Disney fand. «David Weiss war ein wunderbarer Fabulierer und ein wunderbarer Zeichner. Er hat die Menschen geliebt, die in seinen Bildern auftauchen. Egal ob sie Mörder, Dandy, Buhler oder Nebenbuhler waren. Es ist eine wunderbar menschlich berührende Arbeit», sagt Stephan Kunz.

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Die Ausstellung zeigt in ihrer Fülle auch, dass David Weiss unglaublich fleissig war. Im Regenbüchlein hat er Stadtszenen skizziert: Fussgänger-Ansammlungen vor Ampeln, Menschen in Cafés. Und überall regnet es in Strömen – Kugelschreiber-Strich um Kugelschreiber-Strich hat David Weiss ihn über sämtliche Szenen gesetzt.

Es gibt auch grosse Arbeiten von David Weiss, in denen er fast wie ein Zen-Meister Tusche aufgetragen und ganz präzise Flächen ausgemalt hat. Stephan Kunz' Fazit: «David Weiss war ein wunderbarer Zeichner und ein Meister in ganz unterschiedlichen Techniken.»