Ein Erbstreit verzögert die Erforschung der Gurlitt-Bilder

Bis die Öffentlichkeit die Bilder aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt zu Gesicht bekommt, wird es noch lange dauern: Ein Erbschaftsstreit verzögert die Erforschung der Gemälde, die unter Raubkunst-Verdacht stehen, auf unbestimmte Zeit.

Zeichnung des Aussenfassade des Kunstmuseums in Bern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bis die Bilder aus der Sammlung Gurlitt im Kunstmuseum Bern zu sehen sind, wird es noch lange dauern. SRF/Cecilia Bozolli

Der Stiftungsrat des Kunstmuseums Bern hat beschlossen, eine Forschungsstelle einzurichten. Sie soll möglichst bald die Erforschung der Sammlung Gurlitt vornehmen. Ziel sei es, die Bilder baldmöglichst an die Öffentlichkeit zu bringen, sagt Matthias Frehner, Direktor des Kunstmuseums Bern: «Die Erwartungen der Öffentlichkeit sind sehr hoch, man möchte Werke sehen. Es ist deshalb unser Ziel, möglichst rasch eine Ausstellung mit ersten Arbeiten vorbereiten und zeigen zu können».

Kein Zugriff auf die entscheidenden Dokumente

Ein Erbstreit führt nun zu einer Verzögerung, bis die Forschungsstelle ihre Arbeit aufnehmen kann. Uta Werner, die Cousine von Cornelius Gurlitt, ficht das Testament an. Dieses vermacht die Kunstsammlung an das Kunstmuseum Bern. Bis das in München hängige Verfahren abgeschlossen ist, kann die Forschungsstelle nicht auf die Dokumente aus dem Nachlass zugreifen, die benötigt werden, um die Herkunft der Bilder zu klären.

«Die Forschungsstelle beschäftigt sich mit den schriftlichen Materialien, die Cornelius Gurlitt hinterlassen hat», sagt Frehner. In den Akten und Korrespondenzen von Cornelius Gurlitt und dessen Vater will man Hinweise auf die Provenienz der Bilder finden und so eruieren, ob es sich bei einzelnen Werken um Raubkunst handelt.

Rückgabe von Raubkunst verzögert sich

Die Feststellung der Provenienzen ist nicht nur in Hinblick auf eine Ausstellung wichtig, die Forschungsstelle soll auch dabei helfen, Raubkunst an die rechtmässigen Besitzer zurückzugeben. «Ärgerlich ist das Ganze auch deshalb, weil die laufenden Restitutionsfälle, das sind drei Fälle, jetzt blockiert sind», sagt Frehner – die Rückgabe der drei als Raubkunst identifizierten Bilder werde sich nun beträchtlich verzögern.

Es ist vorgesehen, dass die Forschungsstelle für eine Dauer von bis zu 6 Jahren eingerichtet wird. Bis jetzt ist das erste Jahr finanziert. Der Schweizer Kunsthistoriker Oskar Bätschmann soll die Forschungsstelle leiten. Bärtschmann war über mehrere Jahre Mitglied des Stiftungsrats des Kunstmuseums Bern. Bei der Forschungsstelle sollen ihm drei weitere Forscher zur Seite gestellt werden. Die Stelle wird selbst keine Entscheidungsbefugnis haben, sondern ihre Befunde der Taskforce der deutschen Regierung und des Freistaats Bayern unterbreiten.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 17.2.2015, 17:20 Uhr