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Polit-Forum Bern: Ausstellung «The swiss prison photo project»
Aus Kultur-Aktualität vom 21.11.2019.
abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
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Fotoausstellung in Bern Gelassenheit in der Zelle: der Blick in Schweizer Gefängnisse

Peter Schulthess blickt hinter verschlossene Türen in Schweizer Gefängnisse. Seine Bilder zeigen Ruhe und Gelassenheit jenseits aller Knast-Klischees.

Eine Gefängniszelle ist eine geschlossene Gesellschaft. Ein Raum unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Man kommt nicht einfach so hinein. Und raus sowieso nicht.

Das Exklusive, das diese Räume an sich haben, fasziniert Peter Schulthess. Der Fotograf hält Innenräume von Gefängnissen seit dreizehn Jahren fest.

Gefängniszellen sind als Räume eigentümliche Zwitter: Sie sind völlig anonym, bekommen aber trotzdem eine persönliche Prägung. Schliesslich werden sie längere Zeit bewohnt, wenn sie einmal bezogen wurden.

Eine Gefängniszelle: ein Bett, ein Schreibtisch, ein TV und ein Fenster.
Legende: Einfach, aber eigen: Eine Gefängniszelle in Lenzburg. Peter Schulthess

Gleich und individuell

Die Bilder von Schulthess zeigen eine Bandbreite verschiedener Gefangener. Zwei Zellen, gleiche Anstalt: «Die eine kann piekfein aufgeräumt sein, die andere ist eine Messie-Zelle», sagt er.

Schulthess hat mittlerweile so viele Zellen gesehen, dass er vom Innenraum auf die Person schliessen kann. Es sei ablesbar, wie lang der oder die schon drin ist, sagt er. «Man kann etwa herauslesen, wie stark die Zelle verraucht ist, oder aufgrund der Zellenordnung sehen, in welcher Lage die Person sein könnte.»

Eine Gefängniszelle hinter Glastüren.
Legende: Eingesperrt hinter Glastüren: Eine Spezialzelle in Solothurn. Peter Schluthess

Kein Knast-Klischee

Von aussen betrachtet sehen die Zellen aus wie Räume in Jugendherbergen. Jeder Insasse hat eine für sich, höchstens mal sind sie zu zweit. Alle Zellen haben ein Lavabo, ein WC und eine Kochnische. Da sind Bücher, ein Bildschirm, Hausschuhe, ein Stofftier oder Fotos an der Wand. Fast bürgerlich oder bünzlig. Anders als das Klischee, das Bilder aus dem Fernsehen vermitteln oder aus anderen Ländern mit völlig überfüllten Anstalten.

«Zellen mit 50 Gefangenen, das gibt’s bei uns nicht», sagt Schulthess. «Viele sind vielleicht enttäuscht, wenn sie die Ausstellung besuchen, weil sie ihre Stereotypen nicht wiederentdecken.»

Ein moderner Gefängnisbau.
Legende: Eines der modernsten Gefängnisse in der Schweiz: die Justizvollzugsanstalt Solothurn. Peter Schulthess

Gelassenheit im Gefängnis

Die Schweiz ist ein reiches Land. Den meisten Menschen geht es materiell gut. Dieser Wohlstand und das Anständige im Umgang miteinander merkt man auch unseren Gefängnissen an. Auch die latente Spannung, die angeblich herrsche, sei ein Klischee, sagt Schulthess: «Es ist häufig sehr ruhig, sehr gelassen.»

Ein Gefängnisinsasse im roten Mantel.
Legende: Ein Bild, das die ruhige Stimmung im Gefängnis einfängt: Der Insasse im Prison de la Croisée. Peter Schulthess

Sein Lieblingsbild ist darum auch eins, das diesen Geist ausstrahlt. Es zeigt einen Gefangenen im Prison de la Corisée von hinten. Er schaut aus dem Fenster. Ruhige Pose, dickes Buch daneben, fast all seine Habseligkeiten auf einen Blick. «Es strahlt diese Ruhe aus, die ich oft antreffe im Gefängnis», sagt Schulthess.

Ausstellungshinweis

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Die Ausstellung «the swiss prison photo project» wird im Polit-Forum Bern, Link öffnet in einem neuen Fenster vom 15. November 2019 bis am 4. April 2020 gezeigt.

So gesehen passen die Schweizer Gefängnisse zum Land. Die Idee von Schulthess ist es, einen repräsentativen Querschnitt von Gefängnissen in der Schweiz zu zeigen: die Räumlichkeiten jener Menschen, die sich nicht aussuchen können, wo sie im Moment gerade wohnen möchten.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Guido Casellini  (CAS)
    Durchaus "über den Strich".....bin aber lieber draussen.....
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  • Kommentar von urs bilger  (urs bilger)
    wenn ich meiner frau hier erzähle und die bilder zeige, kann sie es kaum fassen. das sei ja wie in einem 4*hotel. einigen gefangenen (wohlgemerkt nicht allen) würde es gut tun, mal im 'bangkok hilton' zu sitzen...
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    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Dieses ständige Gerede von 4-Stern-Hotel ist einfach nur noch nervig und entspricht schlicht nicht der Realität. Haben Sie eine Vorstellung wie viel Zeit man in diesen kleinen Zimmerchen mit den winzigen Bettchen verbringt? Was es bedeutet eingesperrt zu sein, isoliert von Freunden, Bekannten und Familien? Möglicherweise würde Ihnen und Ihrer Frau ein halbjähriger Aufenthalt in solch einer Zelle dabei helfen, solchen Unsinn zukünftig für sich zu behalten.
  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    Wie ich immer sage, CH-Gefängnisse sind Hotels mit Gittern und nach diesen Bildern sogar Luxus-Gefängnisse. Für mich, Gefängnisse sollten so miserabel sein dass jeder Verurteilte Täter lieber tot wäre als jemals wieder im Gefängniss zu sein. Dann hat jeder die Wahl, sich an die Gesellschaft anzupassen oder Kriminell zu sein. Ausnahme: U-Haft denn die Unschuld komt zuerst und während dieser Zeit sollte einer das Recht auf eine oben abgebildete Zelle haben.
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    1. Antwort von Diana Prince  (Diana Prince)
      Sie blenden aus, dass sich Straftäter nach Beendigung des Strafvollzugs wieder in die Gesellschaft zurückkehren. Dafür müssen neue soziale Kompetenzen entwickelt werden, die die Straffreiheit begünstigen. Die Haft darf sich daher nicht wesentlich von normalen Alltag unterscheiden. Es wäre kontraproduktiv, Täter in Haft durch schlechte Haftbedingungen psychisch krank werden zu lassen. Integration ins Arbeitsleben durch Werkstätten erleichter die Rückführung in die Gesellschaft.
    2. Antwort von Simon Johannes  (johannes.simon)
      Es gibt auch falsch Verurteilte, Justizfehler. Ich möchte an den Fall Quadroni, Graubünden erinnern. Jeder, auch der Verbrecher, hat zudem ein Menschenrecht im Gefängnis menschwürdig behandelt zu werden. Und zwar so, dass er weder krank an Leib und Seele wird.