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Ausstellung in Zürich: Hongkonger Fotografen unter Druck
Aus Kultur-Aktualität vom 19.09.2019.
abspielen. Laufzeit 03:49 Minuten.
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Fotoausstellung in Zürich Diese Fotos sind der chinesischen Regierung ein Dorn im Auge

Ein Ausstellung in der Photobastei zeigt Fotos der Proteste in Hongkong. Aussergewöhnliche Bilder, die auch die Aufmerksamkeit der chinesischen Regierung wecken: Noch bevor das erste Foto hing, bekam der Direktor des Museums Besuch vom chinesischen Konsulat.

Ein Kleinkind im Kinderwagen, friedlich mit Schnuller im Mund, auf dem Kopf ein gelber Schutzhelm mit Schutzbrille.

Spielende Kinder, im Hintergrund eine Wand beklebt mit bunten Post-its. Darauf stehen Botschaften und Wünsche der Bevölkerung. Auf dem Boden sind Porträts von chinanahen Politikern. Passanten können sie mit Füssen treten, die Kinder nutzen sie für ihr Himmel- und Hölle-Spiel.

Zwei chinesische Kinder hüpfen. Sie spielen Himmel und Hölle.
Legende: Ein politisches Kinderspiel: Die Hongkonger Jugend hüpft auf Porträts von Politikern rum. Photobastei / Paul Yeung

Geschichten am Rande der Bewegung

«Ich habe bewusst auf Gewaltbilder verzichtet», sagt einer der neun Pressefotografen, die in der Photobastei ausstellen. Die Protestbewegung sei so riesig und so vielseitig, dass er lieber die Geschichten am Rande der Bewegung erzählen wolle.

Er zeigt auf ein Bild, das einfängt, was nach den Ausschreitungen auf dem Boden bleibt: herumliegende Ziegelsteine, leere Hülsen von Tränengasgeschossen – und Früchte. Demonstranten werfen offenbar nicht nur mit Steinen, sondern auch mit Früchten auf die Polizei.

Ein Mann meditiert.
Legende: Die Ruhe während dem Sturm: Ein Mann meditiert mitten in den Unruhen. Photobastei / Paul Yeung

Ein anderes Bild zeigt einen Mann, der mitten in der Konfliktzone sitzt und meditiert. Um ihn herum rennen Leute weg, Strassenabschrankungen und eingestürzte Barrikaden liegen herum. Der meditierende Mann aber ist die Ruhe selbst.

Die Wahrheit liegt beim Betrachter

Die Ausstellung zeigt nicht die Bilder, über welche tagtäglich im Fernsehen oder in den sozialen Medien berichtet wird. «Die Ausstellung soll keine Position im Konflikt einnehmen», betont der Kurator.

Die Journalisten hätten eine neutrale Haltung, zeigten in ihrer Arbeit, was während der Protestbewegung geschehe. Es sei an den Betrachtern, daraus die Wahrheit – ihre Wahrheit – zu finden.

Ein Protestant schützt sich mit einer Matratze.
Legende: Widerstand mit allen Mitteln: ein Protestierender in Hongkong. Photobastei / Lam Chun Tung

Unter Beobachtung von chinesischen Behörden

Es gehe in der Ausstellung auch um die Anerkennung der harten professionelle Arbeit der Journalisten, die in Hongkong ihr Leben riskieren, sagt der Kurator.

Er selbst riskiert viel mit der Ausstellung, weshalb er seinen Namen nicht öffentlich nennen will. Die chinesischen Behörden verfolgen ihn – sogar hier in der Schweiz.

Dies bestätigt Romano Zebini, Direktor der Photobastei. Auch er steht unter Beobachtung und bekam Besuch von Mitarbeitern des chinesischen Konsulats, noch bevor das erste Bild hing.

Sie wollten Auskunft und Kontakte zu den Fotografen und dem Kurator. Als sich Romano Zebini weigerte, wurde er zu einem Gespräch aufs chinesische Konsulat geladen.

Ein grosses Auge an einer Wand. Vor der Wand sind viele Protestierende.
Legende: Big Brother is watching: Die Ausstellungsmacher und Fotografen werden von den chinesischen Behörden beobachtet. Photobastei / Lam Chun Tung

Die Zürcher Polizei ist informiert

Nun müsse er damit rechnen, dass die Ausstellung über die Ausschreitungen in Hongkong von chinesischer Seite aus gestört werde, meint Romano Zebini. Ähnliches sei schon bei anderen Aktionen in anderen Ländern passiert. Deshalb habe er auch die Zürcher Stadtpolizei informiert.

Massenhaft Protestierende. Im Vordergrund eine geballte Hand.
Legende: Ein Protestierender unter vielen: Seit Juni gehen massenhaft Menschen in Hongkong auf die Strasse. Photobastei / Vincent Yu

Ob auch der Fotograf, wenn er nach der Ausstellung wieder zurück nach Hongkong reist, Angst vor Repressionen hat? Er versuche sein Bestes zu geben, seine Arbeit so gut wie möglich machen. Und fügt an: «Ich will nicht ständig die Furcht in meinem Herzen tragen.»

Ausstellungshinweis

Die Ausstellung der Hongkonger Fotografen, Link öffnet in einem neuen Fenster in der Zürcher Photobastei findet bis zum 29. September 2019 statt.

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