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Fotostiftung Schweiz Andri Pol: Seine Bilder haben eine Pointe

Andri Pols Fotos prägen das Bild der Schweiz. Jetzt hängen die Werke des berühmten Schweizer Fotografen im Museum. Wie und warum sie entstanden sind, erzählt Pol. Man muss ihn nur fragen.

Andri Pol fotografiert mit Leidenschaft. Für Bücher, für die Presse, für sich. Das merkt, wer ihm begegnet, sofort. Und manche seiner Bilder sagen mehr als tausend Worte. Sie erwischen etwas, das mit Worten nicht ausgedrückt werden kann. Genau darum sind sie so erfolgreich.

Pols Fotos erschienen in den vergangenen 40 Jahren im «Magazin» des «Tagesanzeigers», im «Du», im «Facts» in der «Weltwoche», im «Geo». Er gehört zu den prägenden Bildermachern des Schweizer Fotojournalismus.

Zum Presstermin trägt der Fotograf ein dezentes Poloshirt und eine feine Brille. Andri Pol ist kein schräger Vogel. Aber seine Bilder fallen auf. Sie überraschen, sind voller Gegensätze, ziehen einen rein. Und immer haben sie eine Pointe.

Warum eigentlich? Das sei, wie wenn einer gut Basketball spiele, sagt Andri Pol grinsend «dann spielt der ja auch nicht plötzlich Fussball». Will heissen: Pointen liegen ihm. Er sieht die Welt so.

Ausstellungshinweis

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«Poliversum» heisst die Ausstellung von Andri Pols Fotos in der Fotostiftung Schweiz in Winterthur. Sie ist zu sehen bis zum 6. Dezember.

Prägend war für Andri Pol ab 1998 seine Fotokolumne im Magazin «Facts». Ein Jahr lang schoss er jede Woche das «Bild der Schweiz». Jede Woche produzierte er ein Foto, das in einem Bild auf einer Doppelseite eine Geschichte erzählt.

Kultige Kolumnen

In dem Jahr habe er gelernt zu recherchieren, Bilder zu erahnen und dann auch zu finden. Das sei seine Grundlage. «Ich war der Käse im Sandwich», sagt Pol und meint: die Wurst auf der Stulle, das Sahnehäubchen auf der Torte. Seine Bildkolumnen waren Kult.

Andri Pol spricht von Sport, Spannung und Herausforderung. Wie viel Druck mit so einer wöchentlichen Kolumne verbunden ist, merkt erst, wer genau zuhört. Etwa wenn der Fotograf erzählt, wie viele Tage er auf dem Eidgenössischen Schützenfest herumirrte, bis er endlich das richtige Bild fand. Es waren drei (Tage) und das Bild zeigte einen Container voller Patronenhülsen.

Wunderbare Portraits

Intuition spiele eine wichtige Rolle, sagt Andri Pol. Aber genauso wichtig sei die Recherche. «Wenn ich nichts weiss, sehe ich die Bilder nicht.» Das passt. Da weiss einer ganz genau, was er will. Und wenn das nicht geht, kann er auf Grundlage der Vorarbeit improvisieren.

So entstehen die wunderbaren Portraits, die Andri Pol von berühmten und nicht berühmten Menschen schoss. Etwa von den Forschenden am CERN. Oder von Melanie Winiger ohne Nase. Oder von Büetzer Gölä in der Baustelle im eigenen Keller.

Manchmal fangen seine Bilder auf unheimliche Weise ein, wie sinnlos das menschliche Dasein ist. Etwa wenn ein Mann einen Rasenmäher den Hang hochstemmt. Mensch gegen Natur.

Er mag den Rasen jetzt trimmen, aber der Rasen wächst weiter, wenn der Mensch längst nicht mehr ist. Vielleicht ist das Foto auch einfach ein sehr gutes Bild der Schweiz.

Person mäht Rasen auf abschüssigem Grundstück neben einem Haus.
Legende: Sisyphos am Eigenheim: Andri Pols «Rasenmäher in Neuendorf» sagt so viel über uns Menschen aus. Andri Pol / Fotostiftung Schweiz

Andri Pol hat auffallend viel in der Schweiz fotografiert. Das habe ihn immer wieder gereizt, so der Fotograf: «Wenn ich richtig gut fotografieren kann, kann ich das auch am banalsten Ort der Welt. Bei mir zuhause.»

Der Wettkampf könnte eigentlich zu Ende sein: Andri Pol wird dieses Jahr 65 Jahre alt, sein Archiv hat er der Fotostiftung übergeben. Aber ans Aufhören mag Pol nicht denken. Es gebe noch so viele weisse Flecke. Und Buchprojekte mindestens bis 2030.

Radio SRF 1, Regionaljournal Zürich, 28.6.2026, 16:30 Uhr.

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