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Legende: Audio Geschichte voller Ungereimtheiten – Gottfried Keller-Stiftung abspielen. Laufzeit 12:32 Minuten.
12:32 min, aus Kontext vom 10.04.2019.
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Gottfried Keller-Stiftung Und sie bauten ihm ein Denkmal

Die Gottfried Keller-Stiftung ist die wichtigste Kunstsammlung des Bundes. Dennoch: ein Wunder, dass es sie noch gibt.

Die Gottfried Keller-Stiftung hat einiges zu bieten. Ihre Sammlung vereint zahlreiche berühmte Namen von Angelika Kauffmann bis Ferdinand Hodler, von Albert Anker bis Alberto Giacometti.

Trotz ihrer hochkarätigen Sammlung ist die Gottfried Keller-Stiftung relativ unbekannt. Vielleicht liegt es daran, dass sie kein eigenes Museum hat.

Die über 6000 Werke der Sammlung hängen als Dauerleihgaben in den grossen Museen der Schweiz und werden oft als deren Eigentum wahrgenommen.

Vitrine mit Kunst: Ein Blick in die Ausstellung des Schweizerischen Nationalmuseums.
Legende: «Glanzlichter der Gottfried Keller-Stiftung»: Ein Blick in die Ausstellung des Schweizerischen Nationalmuseums. Schweizerisches Nationalmuseum

Doch die Geschichten, die sich um die Gottfried Keller-Stiftung ranken, sind erzählenswert. Das fängt mit der Gründung der Stiftung 1890 durch Lydia Welti-Escher an.

Eine unglückliche Liebe

Eine unglückliche Ehe in den höchsten Kreisen geht schief: Lydia Welti Escher, die Tochter des reichen Wirtschaftspioniers Alfred Escher, versucht auszubrechen. Sie geht mit dem aufstrebenden Künstler Karl Stauffer nach Rom, sucht da ein neues Leben.

Doch das misslingt. Ihre Familie steckt sie in die Psychiatrie. Später nimmt sie sich das Leben. Zuvor aber sichert sie ihr Vermögen der Kunst. Sie gründet eine Stiftung, die sie mit 5 Millionen Franken ausstattet. Eine Menge Geld. Heute wären das vom Wert her 50 Millionen Franken.

Eigentlich würde Lydia Welti Escher der Stiftung gern ihren Namen geben, aber die Familie ist dagegen. Man rät ihr, Gottfried Keller – den berühmten Dichter und Freund der Familie – als Namenspatron zu wählen.

Praktisch pleite

Die Verwaltung ihrer Stiftung legt Lydia Welti Escher in die Hände des Bundes. Das Finanzdepartement soll sich um das Stiftungskapital kümmern. Vermutlich wähnt die Stifterin ihr Vermögen dort in sicheren Händen.

Doch die Bundesbeamten kümmern sich schlecht um das Geld. 2009 geht durch die Medien, die Stiftung sei praktisch pleite. Wie konnte das Finanzdepartement ein so stattliches Vermögen in Luft auflösen? Ein grosser Teil des Vermögens war in Aktien angelegt. Und die galten um 1890 als unsicher.

Blick in eine Ausstellung: auf der Wand hängen Bilder und Gemälde.
Legende: Zu den «Glanzlichtern» der Gottfried Keller-Stiftung gehört auch Karl Stauffers Bildnis von Lydia Welti-Escher (1886). Schweizerisches Nationalmuseum

Die Bundesbeamten verkauften also die Aktien und kauften stattdessen Bundesanleihen, wie Thomas Sprecher, Anwalt und Stiftungsexperte erklärt. Dabei gingen die Bundesbeamten nicht immer klug vor.

Blick aufs Konto vergessen

Bereits in den 1960er-Jahren war klar, dass das Kapital der Stiftung bald verbraucht sein würde.

Dennoch zog niemand die Reissleine. Andreas Münch, Leiter der Bundeskunstsammlungen, erläutert, die Gottfried Keller-Stiftung habe sich bemüht, Schweizer Kunst, die in den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor ins Ausland verkauft worden war, zurückzukaufen. Dabei hat man dann schon mal den Blick aufs Konto vergessen.

Gottfried Keller-Stiftung ausgestellt

Viele weitere Unsauberkeiten lassen sich in der Vermögensverwaltung der Gottfried Keller-Stiftung nachzeichnen. Möglich waren sie auch, weil es noch kein klar geregeltes Stiftungsrecht gab und keine Aufsichtsgremien, erklärt Beate Eckhardt, Geschäftsführerin von Swiss Foundations, dem Verband der Schweizer Stiftungen.

Heute wäre es kaum noch möglich, dass eine Stiftung ein so grosses Vermögen praktisch in Luft auflöst.

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