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Kunst Hier schaut die Kunst dem Tod in die Augen

«MuArte» heisst eine Ausstellung im Genfer Skateboard-Museum – in Anlehnung an die mexikanische Tradition, den «Día de los Muertos» zu feiern. Die Organisatoren sehen die Schau als lebendigen Kontrapunkt zu Halloween. Trotz der vielen Totenköpfe.

Graffiti: EIn Mädchen strecke einem Totenkopf eine brennende Kerze entgegen.
Legende: Auch ein Kinderfest – aber nicht auf den ersten Blick: die Ausstellung im Genfer Skateboardmuseum. SRF

Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich – Kinder rennen herum im Skateboardmuseum. In diesem Barackenbau zeigen rund 50 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke – alle zum Thema des mexikanischen Totenfests. Es sind Bilder, Skulpturen, Plastiken.

Für die Kinder sind es aber keine Kunstwerke, sondern bunte Dekorationen. Sie bewundern die fröhlichen Farben und Blumen, Angst vor all den Totenköpfen und Skeletten hätten sie nicht, sagen die Kinder. Für sie seien es Tote, die schon lange tot seien. Und diese Gespenster gebe es sowieso nicht mehr.

Gemälde: Ein Mädchen umarmt einen Hund – beiden wurde eine Maske aufgemalt.
Legende: Anders als Halloween: MuArte soll Spass machen – nicht Angst. Pulp 68/Jim Zbinden

Farbig und fröhlich

Freude und nicht Angst zu verbreiten ist ein zentraler Punkt für Organisator Jim Zbinden.

Er habe in gewissem Sinn einen Kontrapunkt setzen wollen zu Halloween: ein Fest, das immer populärer werde, aber in erster Linie Schrecken verbreite.

Er wolle nicht sagen, dass all die Hexen, Spinnen, Spinnennetze und Kürbisfratzen negativ seien, aber sie verbreiteten visuell Schrecken. Das mexikanische Totenfest hingegen sei farbig und fröhlich.

Es sei auch ganz im Sinn der mexikanischen Totenfeier, den ersten Tag den Kindern zu widmen. Diese Tradition wollte er am ersten Austellungstag respektieren

Grosse Bandbreite

Diese mexikanische Tradition der Totenfeier war auch die Vorgabe und Inspiration für die Künstler. Jim Zbinden erklärt, dass deshalb in vielen Kunstwerken in irgendeiner Form Totenköpfe vorkommen: mit Blumen geschmückt, in grellen Farben, die Männer oft mit Schnauz, die Frauen im Hochzeitskleid, so wie es die mexikanische Tradition wolle.

So vielfältig wie die Werke ist die Bandbreite der ausstellenden Künstler: Von international renommierten – wie beispielsweise Sylvie Fleury – bis zu unbekannten, die erst durch diese Ausstellung den Mut fanden, ihr Werk zu zeigen.

Bunte Plastik: Zwei grinsende Totenköpfe auf einem karierten Tischtusch.
Legende: Kunst mit Biss: 50 Künstler stellen im Genfer Skateboardmuseum aus – auch unbekannte. Pulp 68/Jim Zbinden

Ein ungewöhnlicher Ort

Und dies an einem ungewöhnlichen Ort: im Skateboardmuseum. Für Jim Zbinden sind Skateboards und Kunst eine selbstverständliche Kombination. Er beobachtet, dass geschätzt jedes dritte Skateboard, das er verkauft, nicht benutzt wird. Sondern in der Wohnung als Kunstobjekt aufgehängt wird.

Oft seien es ehemalige Skater, die nun etwas älter seien und sich finanziell erlauben könnten, ein Skateboard unversehrt aufzuhängen.

Preise vorerst Tabu

Auch die Kunstwerke der Ausstellung MuArte könnten dereinst in Wohnungen aufgehängt werden. Von den Verkaufspreisen der Kunstwerke wird dann aber erst heute bei der offiziellen Vernissage gesprochen, gestern gehörte die Ausstellung ganz den Kindern. Und wie es sich für eine mexikanische Totenfeier gehört, durften auch Schleckstengel und Bonbons nicht fehlen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 1.11.2016, 17:15 Uhr