Klare Kante – der US-Künstler Ellsworth Kelly ist tot

Der Maler und Bildhauer Ellsworth Kelly ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Der US-Amerikaner gilt als einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Seine abstrakten Bilder mit klaren Linien und kräftigen Farben machten ihn berühmt.

Der Sohn eines Versicherungskaufmanns ist einer der wichtigsten Vertreter des sogenannten «Hard Edge». Seine Handschrift: Abstrakte Darstellungen mit klaren Linien und wenigen, aber starken Farben.

Mit «Red, Yellow, Blue II» sorgte Ellsworth Kelly Anfang der 1960er–Jahre für Aufsehen: drei einfarbige Leinwände in einer Zeit, die von Jackson Pollock beherrscht wurde. Damals hingen grosse Bilder mit wirren Kurven in den Galerien – gemalt, getropft, gespachtelt. Kelly antwortete mit klaren Formen, wie mit Schablone und Lineal gezogen. Keine Farbe ging in die andere über. Das war neu, das war anders – und keiner wollte es sehen.

Die New Yorker Kunstszene sei «sehr rau», urteilte Kelly damals. Die New Yorker Kunstszene verhalf ihm aber auch zum Durchbruch: Mit der Ausstellung «Sixteen Americans» des renommierten Museum of Modern Art (MoMA) wurde Kelly 1959 bekannt.

Weisse, geometrische Skulptur in einem herbstlichen Garten. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Steht im Garten der Fondation Beyeler: «White Curves», ein Werk des Bildhauers Ellsworth Kelly. Wikimedia/Warburg

Spuren in der Schweiz

Im Jahr 1958 schuf Ellsworth Kelly seine erste Skulptur – eine Art Totempfahl. Im Innenhof der US-Botschaft in Berlin wurde 2008 ein Totem von ihm aufgestellt: zwölf Meter hoch und 15 Tonnen schwer. Auch im Garten der Basler Fondation Beyeler steht eine Kelly-Skulptur: «White Curves».

Doch berühmt ist Kelly für seine Bilder – auch wenn ihn die ihm nach eigener Aussage selbst gar nicht wichtig waren: «Der Raum, der mich interessiert, ist nicht die Leinwand, sondern der Raum zwischen Dir und dem Bild.»

Kelly, den der Zweite Weltkrieg nach Paris gebacht hatte, wo er etwa Joan Miró, Alexander Calder, Hans Arp traf, nahm mehrmals an der Documenta in Kassel teil. 1973 widmete ihm das Museum of Modern Art in New York die erste Retrospektive. 2000 erhielt er den Praemium Imperiale, eine der wichtigsten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Kunst. 2013 überreichte ihm US-Präsident Barack Obama die National Medal of Arts, die höchste Auszeichnung der USA für Künstler.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kulturnachrichten, 28.12.2015, 6:02 Uhr