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Bild 1 von 4. Der grosse Schnabel des Tukans dient nicht beim Fressen und behindert beim Fliegen. Auch können die Männchen den Weibchen damit nicht imponieren: Diese haben selber einen grossen Schnabel. Eine mögliche Erklärung aber ist, dass sich die Tukane am grossen Schnabel im unübersichtlichen Dickicht des Dschungels gegenseitig besser erkennen. Bildquelle: NZZ Libro Verlag.
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Bild 2 von 4. Der Japan-Roa-Falterfisch tummelt sich oft an reich besiedelten Korallenriffen. An seiner hinteren Rückenflosse befindet sich ein schwarzer Punkt. Feinden soll dieser suggerieren, dass hier das Auge sei – während das richtige Auge kaum sichtbar unter einem Farbstreifen versteckt liegt. Feinde, die gerne auf das Auge losgehen, werden so getäuscht. Bildquelle: NZZ Libro Verlag.
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Bild 3 von 4. Der Augenfleck-Mirakelbarsch braucht keine Striche, um seine richtigen Augen zu verbergen. Diese sind im Punktemuster bereits schon sehr gut getarnt. Zudem ist der hauptsächlich im Pazifik vorkommende Fisch Dämmerungs- und Nachtaktiv. Bildquelle: NZZ Libro Verlag.
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Bild 4 von 4. Warum das Zebra gestreift ist, konnte die Wissenschaft bis heute nicht klären. Ob es sich um eine Tarnung vor Fressfeinden handelt ist ein Erklärungsversuch. Die Zeichnung dient möglicherweise aber auch der Wärmeregulierung oder dem Schutz vor der Tse-Tse-Fliege. Bildquelle: Colourbox.
Die vielen bunten Fische an einem Korallenriff faszinieren jeden Taucher. So auch den Zürcher Grafiker und Autoren Otmar Bucher, der sie auf vielen Reisen gesehen hat. Die Faszination für Tiere hat er schon von Kindsbeinen an – und jetzt, im reifen Alter von 78 Jahren, veröffentlicht er ein Buch, das die eigentlich ganz simplen Fragen nach dem «Warum» beantworten will.
Erkennung für den Kampf zwischen Artgenossen
An einem Korallenriff leben viele Fische auf engem Raum zusammen. Ihre Muster und die teilweise sehr knalligen Farben dienen der Unterscheidung der Art, vermutet die Wissenschaft. Experimente zeigen: Männliche Falterfische zum Beispiel greifen nur Attrappen an, die aussehen wie ihre Artgenossen. Alle anderen Fische, beziehungsweise Attrappen, lassen sie in Ruhe. Denn es lohnt sich nicht, bei artfremden Männchen Energie in einen Kampf zu investieren. Durch das einfache Erkennen der eigenen Art können so offenbar verlustreiche Kämpfe vermieden werden.
Viele dieser Riffbewohner haben am hinteren Teil ihres Körpers einen grossen dunklen Punkt. Feinden soll das suggerieren, dass hier das Auge sei – während das richtige Auge kaum sichtbar unter einem Farbstreifen versteckt liegt. Da es Feinde gibt, die gezielt auf die Augen ihrer Beute losgehen, um dort ein Stück herauszubeissen, macht diese Tarnung wohl durchaus Sinn.
Eine fast kindliche Neugier
Die einfache Fragestellung ist die eigentliche Stärke des Buches. Es ist die simple, fast kindliche Neugier, die den Autoren treibt. Zahlreiche Illustrationen unterstützen dabei die kurzen Texte. In vielen Fällen ist die Frage nach dem «Warum» aber nicht klar zu beantworten. Und so existieren zahlreiche Erklärungsversuche: Beispielsweise, warum ein Zebra schwarz-weiss gestreift ist: Ob es sich um eine Tarnung vor Fressfeinden handelt, wenn es in der flimmernden Hitze der afrikanischen Steppe steht, oder ob es ein Schutz vor Tse-Tse Fliegen ist, welche die Schlafkrankheit übertragen, ist bis heute nicht geklärt. Möglicherweise dient die Zeichnung aber auch der Wärmeregulierung oder der Erkennung der eigenen Art.
Das sind die schwachen Momente des Buches: Die Aufzählung von möglichen Erklärungen lässt den Leser eher ratlos zurück. Dass Bucher dann auch noch mutmasst, macht die Sache nicht besser. Die Stärke des Werkes aber ist, dass der Autor sich an die einfachen Fragen traut und seine Antworten mit schönen Illustrationen zu vermitteln vermag.