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Legende: Die Farbe, die Barbara Kiener für ihre Aktion benutzt hat, besteht aus Kreidepulver und Lebensmittelfarbe und wird spätestens beim nächsten Regenfall weggewischt sein. Foto: © Sarah Michel
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Kunstaktion von Barbara Kiener In Wimmis glühen Beton und Alpen um die Wette

Seit dem Zweiten Weltkrieg blieben die Panzersperren in der Nähe von Thun unberührt. Nun hat sie eine Berner Künstlerin in der Nacht auf Dienstag Pink eingefärbt – und will damit die Schweizer Kriegsgeschäfte kritisieren.

Normalerweise sind sie mit Efeu und Moos überzogen. Seit der Nacht auf Dienstag leuchtet die «Toblerone», wie die Betonspitzen im Volksmund genannt werden, pink aus der grünen Wiese hervor. Wie ein rosa Band ziehen sich die 375 Panzersperren in Wimmis bei Thun durch die Landschaft.

Hinter dem Werk «blutrotes weiss» steckt die Aktionskünstlerin Barbara Kiener aus Interlaken. Mit der Bemalung der Betonblöcke möchte die Künstlerin die Kriegsgeschäfte der Schweiz kritisieren.

Audio
Die Toblerone aus Beton
04:54 min, aus Mailbox vom 24.01.2012.
abspielen. Laufzeit 04:54 Minuten.

Kiener will anregen, über Denkmäler, Kriege und deren Geschäfte nachzudenken. Die Panzersperren dienten während des zweiten Weltkrieges dazu, feindliche Truppen abzuhalten. Jetzt hat die Künstlerin die Betonelemente in ein vergängliches Mahnmal verwandelt.

Rosa: Zwischen Unschuld und Blut

Die Farbe Rosa hat die Künstlerin bewusst als Mischfarbe von Rot und Weiss gewählt: «Wie unser Schweizer Wappen, oder eben Rot wie Blut und Weiss wie Unschuld», erklärt Kiener. Insgesamt 60 Liter habe sie, gemeinsam mit ihren Helferinnen und Helfern, für das Bemalen verarbeitet.

Aus Respekt vor den denkmalgeschützten Weltkriegsrelikt und der Natur sei besonders die Abbaubarkeit der Farbe zentral gewesen, so Kiener. Deshalb benutzte sie Farbe aus Kalkkreide und Lebensmittelfarbe. Schon beim nächsten Regenfall dürfte diese wieder verschwunden sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kiener mit ihren Werken die Aufmerksamkeit erregt. Vor zwei Jahren färbte sie beispielsweise einen ehemaligen Kiosk beim Grindelwaldgletscher ebenfalls pink ein. Eine gefährliche Angelegenheit, denn der Aufstieg über eine über 150 Meter lange Holztreppe wurde bereits im Jahr 2014 geschlossen.

Legende: Schon in vergangenen Kunstaktionen griff Barbara Kiener zur Farbe Pink. Unter anderem, als sie bei «Der Pinke Gletscherkiosk» einen Kiosk über Nacht in Farbe tauchte. ZVG

Und ebenfalls im Jahr 2019 dürften einige Bernerinnen und Berner wegen ihrer Kunst die Nase gerümpft haben: Kiener lud zehn Tonnen Kuhmist auf den Bahnhofsplatz in Bern und schichtete feinsäuberlich in weissem Beinkleid und mit Mistgabel den Misthaufen aufeinander.

Auch bei der Kunstaktion in Wimmis ist nicht ausgeschlossen, dass einige die Nase rümpfen – auch wenn es vielleicht nur die Kühe auf der Wiese nebenan sind.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 16.6.2021, 16:30 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Katharina Studer  (gino)
    Es war damals ringsherum Krieg. Wie denn sollte sich da die Schweiz schützen, wenn nicht einfach mal mit Panzersperren? Sie zu entfernen, sei sehr teuer, hatte ich in einem Bericht gelesen. Also verbleiben sie. Und die Künstlerin kann sich nun daran austoben. Und das Volk zum Denken anregen. Dazu brauche ich allerdings keine Pinkbetonwürfel. Ich denke auch so oft über das Kriegsgeschehen nach in den betroffenen Länder.
  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Durch welches öffentliche „Kunst“ oder gar „Kultur“ Budget werden solche Aktionen wohl finanziert? Das wär doch noch eine Zeile wert.
    1. Antwort von Jakob Meier  (Astronautovic77)
      Wenn meine Steuern für dies und nicht für irgendwelche sinnlosen Militärausgaben oder Projekte wie "Insieme" verwendet werden, habe ich nichts dagegen.

      Zudem regt es zum denken an und keine Ahnung was der abgetragene Beton und freigelegte oxidierende Armierungen sonst für Naturschäden verursacht.
    2. Antwort von David López Garcia  (David López)
      Also ich finanziere viel lieber sowas als Kriegsgeschäfte der SNB, das Cafe Complet vom Putin in Genf oder atomare Brennstäbe der Generation Ok Boomer.
    3. Antwort von Jakob Meier  (Astronautovic77)
      @Mir selber
      Mit Insieme meine ich natürlich das Steuerprojekt und nicht die Behindertenorganisation. Das kam beinahe falsch rüber...