Letztes Jahr konnte Richard Mudariki nicht anreisen, weil er kein Visum bekam. Die Ironie dabei: Richard Mudariki wollte in Basel genau dieses Problem thematisieren – mit seinem Projekt «Art World Passport». Eine fiktive Welt mit physischem Pass, in der keine Reisebeschränkungen existieren für Künstlerinnen und Künstler.
«Ich war natürlich sehr enttäuscht», blickt Mudariki zurück. «Gleichzeitig hat mich mein Projekt bestätigt. Ich konnte zeigen, wie schwer es für Künstler ist, zu reisen, anhand meiner realen Erfahrung».
Letztendlich wurde Mudariki per Video zugeschaltet und konnte so mit dem Publikum der Africa Basel interagieren. Ein angeblicher Konsulatsangestellter stellte dann vor Ort die sogenannten Art-World-Pässe aus.
Passbüro am Barfi
Dieses Jahr ist Mudariki in Basel und den Pass von ihm muss man in einer extra eingerichteten Botschaft beantragen – in der Art World Embassy am Barfüsserplatz.
Dort kann man sich um ein Visum bewerben, erklärt Benjamin Füglister, der Direktor der Africa Basel: «Damit wird ein bisschen der Visaprozess durchgespielt.» Man müsse auch diese unangenehmen Fragen beantworten: Sind Sie verheiratet? Wie viele Kinder haben Sie? Haben Sie über 10’000 Franken auf dem Konto? Und dann bekommt man vielleicht ein Visum.
Reisen kann man mit diesem Pass zwar nicht, aber man kann damit Unterschriften sammeln von Künstlerinnen und Künstlern – und notieren, welche Werke man wann und wo gesehen und welche Kunstschaffenden man getroffen hat: ein persönliches Tagebuch von Reisen in die Welt der Kunst.
Ungleiche Voraussetzungen
Mudariki möchte auf diesem Weg zeigen, wie ungleich der Zugang ist, etwa für Menschen aus dem globalen Süden. Das beschäftigt auch Füglister. Denn auch dieses Jahr haben einige Kunstschaffende kein Visum erhalten, um nach Basel zu reisen.
«Basel ist ein bisschen einzigartig in dem globalen Kunstgeschehen in dem Sinn, dass die Stadt ziemlich übersichtlich ist und man sich ständig begegnet und ins Gespräch kommt.» Das sei etwas, das natürlich fehle, wenn jemand nicht vor Ort sein könne.
Die Africa Basel soll ein Sprungbrett sein, sagt Füglister, eine Plattform für Aussteller und zeitgenössische Künstlerinnen aus Afrika und der Diaspora, die noch immer untervertreten sind. «Sollte es der Fall sein, dass alle afrikanischen Galerien in allen anderen Messen vertreten sind in zehn Jahren, dann haben wir unser Ziel erreicht», so Füglister.
Chance für ganz Afrika
Von Gemäldeskulpturen bis zu Upcycling-Kunst, bei der ausgediente Materialien zu einem Kunstwerk aufgewertet werden, sei an der Africa Basel alles vertreten, so Füglister. Ein klarer Trend lasse sich angesichts der Vielfältigkeit der Werke nicht erkennen.
Richard Mudariki sieht in Kunstmessen wie der Africa Basel eine Chance: «Afrika besteht aus 54 verschiedenen Ländern. Es wäre unmöglich, zum Beispiel in Basel, für jedes Land eine einzelne Kunstmesse zu veranstalten. Deshalb finde ich es wichtig, dass wir als ein geeinter Kontinent auftreten und sagen: Das ist Afrika.»
Wenn man die Künstlerinnen und Künstler erst einmal als geeinten Kontinent gesehen habe, etwa auf einer Plattform wie der Africa Basel, bestehe immer noch die Möglichkeit, die einzelnen Teile dieses Kontinents weiter zu erkunden.
Die Africa Basel vereint also viele Funktionen: Entdeckungsreise, Sprungbrett und Diskussionsraum.