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Interessensgruppe reicht Online-Petition wegen Bührle-Sammlung ein
Aus Kultur-Aktualität vom 27.01.2021.
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Petition zu Bührle-Bildern Schon wieder Ärger mit der Bührle-Sammlung

Experten sollen kritischen Umgang mit Bührle-Bildern gewährleisten. Doch das Kunsthaus Zürich weigert sich.

Die Bilder der Bührle-Stiftung sind Meisterwerke der Impressionisten. Doch die Sammlung ist auch ein heisses Eisen. Denn Waffenfabrikant Emil Bührle sorgt erneut für Kontroversen, seit bekannt wurde, dass seine Bilder als Leihgaben im neu erweiterten Kunsthaus Zürich zu sehen sein werden.

Bührle kaufte Meisterwerke mit dem Gewinn aus Geschäften mit Nazideutschland, profitierte von Zwangsarbeit im NS-Regime, musste einige Bilder seiner Sammlung als NS-Raubkunst zurückgeben und förderte als Mäzen das Kunsthaus Zürich entscheidend.

Die kürzlich publizierte Studie , Link öffnet in einem neuen Fensterder Universität Zürich, die Stadt und Kanton in Auftrag gaben, belegt das.

Verantwortungsvoller Umgang versprochen

Als diese Studie im November 2020 vorgestellt wurde, versicherte die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch in Bezug auf die Präsentation der Bilder im Kunsthaus: «Die umstrittene Person Emil Bührle soll in ihren unterschiedlichen Kontexten eingeordnet werden. Die Museumsbesuchenden sollen spüren, dass Zürich verantwortungsvoll mit der Sammlung Bührle umgeht.»

Die Botschaft der Stadtpräsidentin: Hier gehts um Transparenz und Verantwortung. Nicht darum, eine heikle Geschichte unter den Teppich zu kehren, um mit tollen Impressionisten rücksichtslos Standortmarketing zu betreiben.

Online-Petition setzt sich für kritischen Umgang ein

Doch daran zweifelt die Interessensgemeinschaft «Transparenz für die Aufarbeitung und Vermittlung des Kunsthaus-Bührle-Komplexes» – und lancierte eine Online-Petition, die heute dem Stadtrat übergeben wurde.

Rund 2'000 Unterzeichnende fordern darin einen Dokumentationsraum im Kunsthaus, der die Geschäfte Emil Bührles angemessen kritisch darstellt.

Im Kunsthaus reibt man sich erstaunt die Augen: «Es ist überraschend, dass Pläne, die längst beschlossenen Sache sind, von einer Interessensgemeinschaft aufgenommen und als ihre Forderungen vorgebracht werden», so Kunsthaus-Sprecher Björn Quellenberg.

Offene Türen am Kunsthaus Zürich

Natürlich werde es einen vorgelagerten Dokumentationsraum geben und natürlich würde da die Geschichte von Bührle und seiner Sammlung kritisch dargestellt.

Die Petition fordert allerdings auch, dass der Kontext zu den schönen Bührle-Bildern nicht vom Kunsthaus allein erarbeitet werde. Unabhängige Expertinnen und Experten sollen mitarbeiten – eben weil das Kunsthaus jahrelang vom Mäzen Emil Bührle profitiert habe.

Schwarz-weiss Portrait eines Mannes, der einen Anzug trägt und mit zusammengekniffenen Augen zur Seite schaut.
Legende: Dank seiner Geschäfte mit Nazi-Deutschland wurde Bührle zum reichsten Mann der Schweiz und investierte massiv in Kunst. KEYSTONE / PHOTOPRESS-ARCHIV

Unabhängige Experten gefordert

«Das Kunsthaus hat von Emil Bührles Mitteln und Möglichkeiten unglaublich profitiert. Von daher ist es fast verständlich, dass das Kunsthaus befangen ist», so der Historiker Thomas Buomberger, einer der Initianten der Online-Petition.

Kunsthaus-Sprecher Björn Quellenberg weist den Vorwurf der Befangenheit zurück: «Wir werden uns objektiv mit der Forschung befassen und sämtliche uns verfügbaren Quellen nutzen. Wir sehen nicht ein, wieso wir uns in dieser Sache externe Experten ins Haus holen sollen.»

Eröffnungstermin gesetzt

Der Streit um die Einbettung der Bührle-Bilder geht also weiter. Der Zürcher Stadtrat berät die Online-Petition. Die Zeit drängt. Im Herbst wird die Ausstellung der Bührle-Bilder im erweiterten Kunsthaus eröffnet – mit oder ohne externe Expertise.

Die Sammlung Emil Bührle

2012 haben die Stimmberechtigten der Stadt Zürich einen Kredit von 88 Millionen Franken bewilligt, der als städtischer Beitrag den Bau eines Erweiterungsgebäudes für das Kunsthaus am Heimplatz möglich macht.

Der Erweiterungsbau wird nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield erstellt. Es ergänzt den von Emil Bührle gestifteten Ausstellungssaal von 1958. Der Bau wird 2021 in Etappen in Betrieb genommen.

Mehr Infos gibt's hier., Link öffnet in einem neuen Fenster

SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 27.01.2021, 17:10 Uhr.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    Die Peditionäre haben zu viel Freizeu um sich mit dem längst abgearbeiteten Fall Bührle zu beschäftigen, zusätzlich haben die gleichen Kreise gegenwärtig keine andere Gründe um Alles was mit Rüstung zu tun hatte, auf zu wärmen.
    Die Sammlung Bührle ist trotz Allem
    einzig.
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  • Kommentar von Paul Jaggy  (Jaggy)
    Wir haben aktuell wirklich andere Sorgen als die Geschichte nochmals aufzuwärmen! Auf welchen Zeitpunkt wollen wir denn den „Schnitt“ legen bei dieser Betrachtung? 1915... 1920.... 1925... Und haben wir alle den Mut alle danach überproportional gewachsenen Vermögen zu analysieren und zu zerschlagen? Dies auch Weltweit?
    Aufhören und für die aktuell lebenden Sorgen wäre angebrachter.
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    1. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Nun ja. Das Geld aus den damaligen Geschäften mit dem Unrechtsregime ist ja auch immer noch am Ort wo es nicht hingehört. Wenn heute 'Schwamm drüber' gilt, dann wäre das vorher noch zurückzuführen.
    2. Antwort von Andreas Diethelm  (Okapi)
      Sie nennen zwar Ihre andern konkreten Sorgen nicht. die es "uns" angeblich nicht erlauben, dafür zu sorgen, dass die Besucherinformation zur Provenienz der Bührle-Sammlung, durch unabhängige (auch vom Stadtmarketing unabhängige) Fachleute vorgenommen wird. Ihrem Wir-Kollektiv trete ich nicht bei, nicht weil ich keine andern Sorgen hätte, sondern einfach beim "Schnitt" nicht mittun möchte. Wenn Sie mit "für die aktuell lebenden Sorgen" "für die aktuell Lebenden sorgen" meinen, bin ich bei Ihnen.
  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    An der Raubkunst Napoleons, der den Berner Staatsschatz raubte, der Habsburger, der Medici, der britischen Kolonialmacht oder der Päpste zu Rom stören sich nur die wenigsten. Oder woher das Geld für deren Kauf stammte. Wenn aber jemand Waffen an Alliierte und Deutsche im zweiten Weltkrieg verkauft hat, dann ist der Teufel los. Sogar wenn das Kunsthaus Transparenz zugesichert hat. Schon interessant, wie selektiv gewisse politisch korrekte Kreise uns ihre Moral angedeihen lassen, und wo nicht.
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    1. Antwort von Andreas Diethelm  (Okapi)
      Abgesehen vom Rätsel, was ein politisch korrekter Kreis sein soll und unter Würdigung Ihrer Namenkenntnisse aus der Europäischen Geschichte, möchte ich Sie auf Ihre selektive Faktentreue, wenn nicht gar Geschichtsklitterung, hinweisen. Suchen Sie selber, das Detail liegt beim Teufel.