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Kunst Picabia – das stilistische Chamäleon unter den Modernen

Sein Name ist berühmt. Das Werk von Francis Picabia ist hingegen weniger bekannt. Man kann den französischen Maler nicht auf einen Stil festlegen. Lange galt er als künstlerischer Mitläufer ohne richtiges Profil. Das Kunsthaus Zürich zeigt nun, dass er vor allem eines war: ein grossartiger Maler.

Francis Picabia in seinem Atelier, Fotografie aufgenommen zwischen 1910 und 1915.
Legende: Francis Picabia in seinem Atelier, aufgenommen zwischen 1910 und 1915. Wikipedia

Picabia malte sonnendurchflutete Landschaften im impressionistischen Stil und kubistische Formarrangements voller Dynamik. Er gestaltete Pin-up-Schönheiten und dadaistische Zeichnungen. War er vielseitig oder unentschlossen? Besonders anpassungsfähig oder sehr unabhängig? Wahrscheinlich von allem ein bisschen. Er sonnte sich gern im Erfolg, war aber als Sohn wohlhabender Eltern nicht unbedingt darauf angewiesen, auf dem Kunstmarkt zu reüssieren. Er konnte es sich leisten, zu malen, was ihm gefiel. Und ihm gefiel vieles.

Erfinde dich neu!

Nicht nur im künstlerischen Ausdruck war Picabia unstet. Der in Frankreich geborene Künstler mit spanischen Wurzeln wechselte gern den Wohnort, lebte in Paris, New York, Barcelona und an der Côte d'Azur, und erneuerte immer wieder sein ganzes Umfeld: Frauen, Freunde, nichts und niemandem war er auf immer verbunden. Oft werden ihm deshalb Flatterhaftigkeit und mangelndes Rückgrat vorgeworfen. Man kann genauso gut sagen, dass er bereits in der Moderne die Maxime der Postmoderne gelebt hat: Erfinde dich immer wieder neu.

Farbverliebter Parodist

Picabia tat das mit Verve und grossem Können, wie die eindrucksvolle Ausstellung im Kunsthaus Zürich zeigt. Chronologisch geordnet verfolgt sie Picabias Entwicklung vom impressionistisch malenden Jüngling über die Hinwendung zum Kubismus und zu Dada hin zu einem plakativen Realismus und dem abstrakten Spätwerk. Der kurze Ausflug zu Dada nimmt im Leben Picabias wie auch in der Ausstellung eine Sonderstellung ein. In Barcelona gab Picabia eine dadaistische Zeitschrift heraus, aus der das Kunsthaus eine Reihe von Drucken in einem Seitenraum mit gedimmtem Licht zeigt.

In der Rezeption sind die Dada-Phase und die Freundschaft mit Tristan Tzara besonders eng mit dem Namen Picabia verknüpft. Eigentlich erstaunlich, denn in dieser Periode hat Picabia weitgehend auf das verzichtet, was in seinem Werk sonst dominiert: Farbe. An Dada reizten den eigensinnigen Künstler der Witz und das Rebellische. Picabia hatte einen Hang zum Satirischen, der auch vor der Kunst nicht halt machte. Schönheitsideale, Stilvorstellungen und Zeitgeistströmungen in der Kunst: Picabia hat das alles gern parodiert. Vielleicht konnte er sich deshalb keiner Gruppe, keinem Stil wirklich anschliessen, weil er nichts ernst genommen hat. Das würde auch erklären, warum seine späten Abstraktionen, in denen er nach kosmischen Harmonien sucht, etwas fad wirken: Ironiker, die plötzlich metaphysisch werden, sind immer etwas peinlich.

Der Mann der vielen Pinsel

In der Ausstellung im Kunsthaus Zürich lässt sich Picabia, das stilistische Chamäleon, als vorzüglicher Maler entdecken. Vor allem seine kubistischen Grossformate, die bisher kaum ausserhalb der USA zu sehen waren, zeigen, mit wie viel Leidenschaft und Raffinesse Picabia gemalt hat. Diese handwerkliche Qualität hat auch Kuratorin Cathérine Hug begeistert: «Man spricht immer von seinen vielen Autos. Dabei sollte man auch einmal von seinen vielen Pinseln sprechen.»

Ausstellungshinweis

Das Kunsthaus Zürich zeigt eine grosse Retrospektive mit Werken von Francis Picabia. Die Ausstellung dauert bis zum 25. September 2016.

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