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Print in der Krise Das Comicmagazin «Strapazin» kämpft ums Überleben

Wegen sinkender Inserate und steigender Produktionskosten droht dem Kult-Magazin das Aus. Ein Crowdfunding soll nun retten, was für viele Zeichnerinnen und Zeichner weit mehr ist als nur ein Printprodukt.

Wegen Geldnöten hat «Strapazin» hat ein Crowdfunding gestartet. 66'666 Franken sollen bis am 13. April zusammenkommen. Dann wird sich entscheiden, ob das Magazin weitermachen kann. Seit 1984 ist es ein Experimentierfeld für Künstlerinnen und Künstler, für Comics und Graphic Novels, für visuelle Narration. Zwar sind die Zahl der Abonnementen – rund 2000 – und der Auflage – knapp 2500 Exemplare – stabil. Doch die Printkrise wirkt sich auch auf dieses im deutschsprachigen Raum führende Magazin aus.

Printkrise trifft «Strapazin»-Kleber

Noah Liechti, 28-jährig, selbst als Zeichner als Noé Lumière aktiv, ist Co-Verlagsleiter von «Strapazin». Er sagt: «Die Nachfrage nach Anzeigen in Printmedien ist schon lange rückläufig, das spüren auch wir. Und das ist natürlich immer unser Goldesel gewesen: die legendären ‹Strapazin›-Kleber.»

Also die quadratischen Inserate im Heft, von Zeichnerinnen und Zeichnern gestaltet. Inserenten erhalten sie auch als Sticker und bringen sie unter die Leute. Das Interesse daran sei zurückgegangen, sagt Liechti. Gleichzeitig sei die Produktion teurer geworden: das Papier, der Druck und auch der Versand.

Das «Strapazin» sei zwar schuldenfrei, aber trotz kürzlich leicht erhöhter Abo-Preise reichen die Einnahmen nicht, zumal die Arbeit des Hefts – wie so viel Kulturarbeit – auch auf Selbstausbeutung beruht.

Gruppe lachender Menschen in farbenfroher Kleidung posiert in einem Zimmer mit Kunstwerken an der Wand.
Legende: Ein paar der «Strapazin»-Zombies … pardon … -Verlegerinnen und -Verleger. Von links nach rechts: Lawrence Grimm, Nachwuchs, Noémie Fatio, Peter Bäder, Claudio Barandun, Noah Liechti, Kati Rickenbach, David Basler, Christoph Schuler. Anne Morgenstern

«Viele Redakteurinnen und Redakteure verzichten auf ein Honorar. Ebenso viele Zeichnerinnen und Zeichner, gerade die, die uns speziell verbunden sind.» Das sei zwar schön, so Liechti, «aber es ist natürlich nicht das Ziel, dass diese Arbeit nicht entlohnt wird. Wir möchten natürlich auch in Zukunft ein faires Honorar zahlen können.»

Zombie-Zeichnungen

Mit dem Erlös aus dem Crowdfunding will «Strapazin» 350 zusätzliche Abos einwerben, Datenbanken aktualisieren, das Fundraising verstärken und die Präsenz an Messen und Festivals ausbauen.

Auf die Geldnöte hätten viele Zeichnerinnen und Zeichner mit grosser Solidarität reagiert, sagt der Co-Verlagsleiter. Die Gefahr, dass sie ihre Plattform verlieren könnten, habe sie erschreckt. 120 von ihnen haben darum fürs Crowdfunding ein kleines Werk geschaffen. Wer 225 Franken spendet, erhält eine Originalzeichnung. Diese zeigt Zombies.

Weshalb ausgerechnet Untote? «Weil ‹Strapazin› auf eine Art selber wie ein Zombie ist. Ein Printmedium ist nicht mehr unbedingt zeitgemäss. Aber doch gibt es unser Magazin immer noch, und es ist weiterhin wichtig. Insofern sind wir vielleicht selbst ein bisschen Zombies und nicht totzukriegen.»

Wahrgenommen wird das Heft im ganzen deutschsprachigen Raum und bis Südafrika, China und in die USA, wie Wortmeldungen auf der Website zeigen. In all den Jahren sind Netzwerke entstanden. Liechti weist auf eine weitere Leistung von «Strapazin» hin: Das Magazin habe die Comicszene selbst und das Bewusstsein für diese Kunstform im deutschsprachigen Raum und insbesondere in der Schweiz stark geprägt.

Falls die 66'666 Franken nicht zusammenkämen, könnte die 162. Ausgabe mit dem unfreiwillig passenden Thema «Apokalypse» die letzte sein, sagt Liechti: «Es sieht sehr ernst aus. Wenn wir das Geld nicht zusammenbekommen, wird das wahrscheinlich das Ende sein. Vielleicht können wir uns auch noch ein paar Ausgaben weiter irgendwie durchboxen, aber es wäre schon unangenehm.»

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 19.3.2026, 17:20 Uhr

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