Vereidigung des US-Präsidenten Schlechte Wahl für Trump? Dieses Gemälde sorgt für Zwist

Bei Donald Trumps Inauguration soll das Gemälde «The Verdict of the People» hängen. Eine Wahl, die Künstlern missfällt.

Das Gemälde von Bingham. Es zeigt eine Szene nach der Wahl. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Sklave, glückliche Menschen und auch solche, die am Boden zerstört sind: Das Bild lässt Interpretationsspielraum. Wikimedia / Saint Louis Art Museum

Erst wollten keine Popstars an Trumps Einweihung teilnehmen – jetzt bleibt ihm auch die bildende Kunst verwehrt: Als Dekoration soll beim traditionellen Luncheon nach der Inauguration das Gemälde «The Verdict of the People» im Capitol hängen.

Das passte der Künstlerin Ilene Berman und der Kunsthistorikerin Ivy Cooper nicht ins Bild: Das Gemälde suggeriere, dass die Wahl Trumps auch die Wahl des Volkes gewesen sei. Sie lancierten deshalb eine Online-Petition auf change.org – mit dem Ziel: Das Gemälde muss der Feier fern bleiben.

Die Geschichte des Bildes

Das Gemälde ist Teil einer Trilogie mit dem Titel «Elections». Es ist das Werk des US-amerikanischen Künstlers G.C. Bingham, der den demokratischen Prozess durchauch kritisch abbildete.

Ein Porträt von George Caleb Bingham. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hatte einen kritischen Blick auf die Demokratie: George Caleb Bingham (1811-79). Wikimedia / Saint Louis Art Museum

Das Gemälde beschreibt folgende Szene: 1854, der Kansas-Nebraska-Act ist beschlossen. Ein Punkt sorgt für rote Köpfe: Die weissen Einwohner sollten über die Sklavenfrage selbst entscheiden.

Bingham war gegen Sklaverei – und zweifelte: Darf man eine solche Entscheidung dem Volk überlassen? Das Gemälde zeigt Menschen, die sich über das Ergebnis freuen, andere, die es bereuen. Es zeigt einen Moment der Reflektion, wie «Daily Beast» schreibt.

Eine Tradition zwischen Kulinarik und Kunst

Kunst bei der Inauguration begann mit Reagan: Bei seiner ersten Einführung hatte er das Buffet im Rücken. Die Augen der Gäste galten dann eher dem Schmaus und den Serviceangestellten als dem neuem Präsidenten.

Eine Trennwand musste her. Damit diese nicht so spartanisch ausfiel, wurde sie mit einem Gemälde bestückt: «Autumn of the Hudson River» wurde zum ersten Gemälde, das das Dinner zierte.

Bilder mit historischer Bedeutung

Seither schmückt alle vier Jahre ein neues Gemälde das Festmahl des eingeweihten Präsidenten. Bei Barack Obamas zweiter Einführungsfeier hing Thomas Hills «View of the Yosemite Valley» (siehe unten), bei G.W. Bushs erster war es Colin Campbell Coopers «West Front, Steps of the Capitol».

Es sind Bilder, die für die Geschichte der USA eine Bedeutung haben. Der Gusto der Präsidenten spielt dabei keine Rolle: Die Wahl auf das Gemälde fällt vor der Wahl des Präsidenten.

Obama beim Luncheon. Es hängt ein Bild von Thomas Hill. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schöne Aussicht: Ein Werk von Thomas Hill, das das Yosemite Valley zeigt, hing bei Obamas zweitem Luncheon. Keystone

«Mit seinem Gemälde kritisiert der Künstler das demokratische Wahlverfahren», sagen die Initianten der Online-Petition. Doch sollte nicht gerade deshalb das Bild beim Luncheon hängen?

Das Volk hat gewählt – «The Verdict of the People» steht bildhaft dafür. Auch wenn Trump vielen nicht passt: Genau dafür könnte das Bild stehen. Dass jetzt die Zeit ist, über diese Wahl kritisch nachzudenken – und zu reflektieren, warum die US-Amerikaner diese Wahl getroffen haben.

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