Schön und sozial: Pritzker-Architekturpreis für Alejandro Aravena

Alejandro Aravena, Direktor der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig, erhält die höchste Auszeichnung für Architektur. Der 48-Jährige vertiefe unser Verständnis von wahrhaft grossartigem Design, begründete die Jury ihren Entscheid.

Die bekanntesten Bauten des 48-jährigen Alejandro Aravena liegen auf dem Campus der Katholischen Universität von Chile in Santiago, an der er selbst studierte. Dazu gehört das UC Innovation Center, ein 14 Stockwerke hoher, würfelhaft wirkender Zementmonolith mit grossen Öffnungen in der Fassade. Durch den natürlichen Luftstrom wurden die Energiekosten um zwei Drittel verringert.

Ein Mann steht vor einer Wand mit Zeichnungen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Architekt und Preisträger Alejandro Aravena. Cristobal Palma

Bürogebäude für Novartis im Bau

Auch seine Siamesischen Türme und Gebäude der Fakuläten für Medizin, Architektur und Mathematik sind energieeffizient gebaut. Derzeit entsteht im chinesischen Shanghai Aravenas Bürogebäude für den Pharmakonzern Novartis. Sein Architekturbüro, das vor allem in Chile arbeitet, hat zudem mehr als 2500 Sozialwohnungen gebaut.

Alejandro Aravenas Arbeit verschaffe den Armen wirtschaftliche Chancen, lindere die Folgen von Naturkatastrophen und verringere den Energieverbrauch, kommentierte Stiftungspräsident Tom Pritzker die Entscheidung der Jury.

«Offen für Unerwartetes»

«Architektur ist eine Gemeinschaftsarbeit», würdigte der Preisträger in einer ersten Reaktion den Beitrag seiner Mitarbeiter: «Nach solch einem Höhepunkt ist die Zukunft offen. Unser Plan ist deshalb, keinen Plan zu haben, sich dem Ungewissen zu stellen, offen für das Unerwartete zu sein.»

Der Preis soll am 4. April im UN-Hauptquartier in New York verliehen werden. Aravena ist der erste Chilene, der damit ausgezeichnet wird. Der Deutsche Frei Otto, der mit dem Bau des Münchner Olympiadaches berühmt wurde, war im vergangenen Mai posthum mit dem Preis geehrt worden.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 13.01.2016, 16.30 Uhr