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Schweizerin entwickelt neue Schriftart für Microsoft
Aus 10 vor 10 vom 19.08.2021.
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Schrift von Nina Stössinger Schreiben wir bald mit «Seaford»?

Microsoft sucht eine neue Standardschrift. Mit im Rennen ist eine Typografie, die eine Schweizerin mitgestaltet hat.

Ab 2022 soll im Microsoft-Universum die bisherige Standardschrift «Calibri» abgelöst werden. Fünf Schriften stehen im Rennen, die jetzt gerade getestet werden. Darunter ist auch eine Schrift mit Schweizer Beteiligung: Die in New York lebende Baslerin Nina Stössinger ist Schriftgestalterin. Sie hat «Seaford» im kleinen New Yorker Büro «Frere Jones Type», in dem sie arbeitet, mitentwickelt.

Wird sie jetzt berühmt? Nina Stössinger gibt sich bescheiden und wiegelt ab: «Als Schriftgestalterin wird man nicht so leicht berühmt. Ich bin schon froh, wenn die Leute wissen, dass es den Beruf überhaupt gibt. Schriftgestalterinnen und -gestalter sind gerne im Hintergrund: Leseschrift funktioniert am besten, wenn sie sich nicht in den Vordergrund drängt.»

Legende: So sah es aus, als die «Seaford»-Schrift entwickelt wurde. Frere-Jones Type

Ihre «Seaford» will eine klassische Leseschrift sein: schnörkellos und trotzdem auftrittsstark ist und auch bei längerem Lesen nicht irritierend. Nina Stössinger hat die letzten Monate detailversessen gezeichnet, das meiste auf Milimeterpapier am PC.

«Es ist nicht die Gleichförmigkeit wie bei einer Helvetica, bei der die gleichen Kurven immer wieder kommen. Sie ist differenzierter, animierter, hat durchaus eine Meinung – mit dem Ziel, das Lesen einladend zu machen.»

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Microsoft-Standardschrift mit Schweizer Beteiligung
03:32 min, aus Kultur-Aktualität vom 17.06.2021.
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Lesen und Verstehen seien etwas sehr Fragiles, erklärt sie. Wer sich ablenken lasse, verpasse den Inhalt.

Während bei Überschriften Leserinnen und Leser toleranter seien und auch mal etwas Ungewohntes akzeptierten, komme es hingegen bei Text und Leseschriftarten darauf an, dass die Form den Zweck erfülle.

Legende: Schnörkellos und auftrittsstark: Die «Seaford». Frere-Jones Type

Das führt allerdings dazu, dass man sich im Schriftdesign oft auf die eine Lösung verlässt, berichtet Nina Stössinger. Wer Neues wagt, habe es daher manchmal schwer.

Die Schweiz hat in Sachen Schrift Design Mitte des 20. Jahrhunderts Designgeschichte geschrieben: Etwa Adrian Frutiger, der «Universe» und «Frutiger» entwarf, oder Max Miedinger mit seiner Schrift «Helvetica». In den USA sei der Schweizer Einfluss noch heute sehr stark zu spüren, erzählt Nina Stössinger: «Oft wird die Schweizer Typografie allgemeine Anleitung zur guten Gestaltung gesehen»

Legende: Nina Stössinger bekommt viel Aufmerksamkeit wegen «Seaford» – obwohl die Schriftgestalterin eigentlich lieber im Hintergrund steht. Andrew Lichtenstein

Diese Tradition findet Stössinger problematisch, das sie die europäische Designgeschichte über alles andere stellt. Sie wünscht sich, dass noch mehr lokale Besonderheiten in die Schrift Gestaltung einfliessen.

Ihr ist das offenbar gelungen. Namhafte Typografen nennen die neue Schrift «Seaford» fortschrittlich und lebendig. Hat das quirlige Leben mitten in New York bei der Gestaltung von «Seaford» Pate gestanden? Nina Stössinger sagt: «Es ist schon so: Ich fühle mich hier lebendiger und es würde mich nicht wundern, wenn sich das auch in der Gestaltung niederschlägt.»

SRF 1, 10 vor 10, 19.09.2021, 21:50 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Hüttner  (RobertH.)
    Eine Schrift unter vielen. Wenn sie damit aber Geld verdient ist das bewundernswert.
  • Kommentar von Eduard Mauss  (fledermauss)
    Von den 5 Schriftarten, die im Rennen sind, gefällt mir "Skeena" am besten.
    Die sieht für mich am harmonischsten aus. "Seaford" gefällt mir da weniger.
  • Kommentar von Benito Boari  (Antoine)
    Für 95% der Inhalte zu geleckt. Nehmt Univers, die drückt das Potential des entstehenden Gedankens angemessen aus.