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«So near – So far» Zwei Lichtkunstwerke landen im Müll

Zwei Werke des Schweizer Lichtkunstpioniers Christian Herdeg verschwinden auf Nimmerwiedersehen, ohne den Künstler zu informieren.

Seit 1985 hing im damaligen Terminal A des Flughafens Zürich Christian Herdegs Werk «So near – So far» – eine Arbeit, welche der Flughafen beim renommierten Lichtkünstler in Auftrag gegeben hatte. Doch eines Tages hätten ihm Passagiere geschrieben und gefragt, wo denn seine Lichtinstallation geblieben sei, erzählt Herdeg. Es stellte sich heraus: Seine Arbeit wurde zwischen 2005 und 2008 abgehängt und entsorgt, ohne dass der Schaffer informiert worden wäre.

Christian Herdeg – Pionier der Lichtkunst

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Der 84-jährige Christian Herdeg gehört zu den renommiertesten Schweizer Kunstschaffenden und gilt als Pionier der Lichtkunst. Bereits Ende der 1960er-Jahre arbeitete er mit Neon- und Argonröhren – später kamen LED-Lampen dazu. Herdeg gehörte zu den ersten in Europa, die Licht als eigenständiges künstlerisches Medium erforschten.

Herdegs Arbeiten zeugen von einer Vorliebe für geometrische Klarheit und reduzierte Formen. Im Zentrum steht immer das Zusammenspiel von Licht, Farbe und Raum.

Für sein über fünf Jahrzehnte umfassendes Schaffen erhielt Christian Herdeg 2021 den Kulturpreis des Kantons Zürich.

Auf Anfrage von SRF schreibt die Pressestelle des Flughafens: «Die Gründe für die Demontage des Werks sind nicht dokumentiert. Es ist anzunehmen, dass neue Anforderungen und Bedürfnisse im Zusammenhang mit der Nutzung des Raumes dazu geführt haben.»

Das gleiche Schicksal ereilte auch ein anderes Kunstwerk von Christian Herdeg. Er habe einer seiner Mitarbeiterinnen «Lichtsegel» zeigen wollen, erzählt Herdeg. 1995 hatte er mit dieser Arbeit einen Wettbewerb der Elektrizitätswerke Zürich EWZ gewonnen. Von da an hing «Lichtsegel» im Hauptgebäude der EWZ der Stadt Zürich. Doch als Herdeg und seine Mitarbeiterin vorbeischauten, war da kein Lichtsegel mehr.

Langes Atrium mit Glasdach und leuchtenden Streifen in der Mitte.
Legende: Lichtsegel: Argonröhren an Stahlseilen aufgehängt im Hauptgebäude der EWZ. (1995) Christian Herdeg

Die Installation ist einer räumlichen Umgestaltung zum Opfer gefallen, wie die EWZ schreiben. Man habe aber vor dem Umbau die Fachstelle Kunst und Bau kontaktiert und nachgefragt, ob das betroffene Werk im Inventar aufgeführt sei und wie zu verfahren wäre. «Die Rückmeldung war, dass es sich nicht um ein Kunst- und Bau-Objekt handelt und EWZ keine weiteren Massnahmen vor dem Rückbau/der Entsorgung ergreifen müsse.»

«Ist das Kunst oder kann das weg?»

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Die ironische Redewendung hinterfragt die Erkennbarkeit und den Wert zeitgenössischer Kunst. Bekannt wurde sie im Zusammenhang mit Kunstwerken, die irrtümlich für Abfall gehalten und entfernt oder zerstört wurden. Besonders betroffen waren Arbeiten des deutschen Aktionskünstlers und Bildhauers Joseph Beuys.

Der genaue Ursprung der Redewendung ist nicht eindeutig belegt, wird jedoch häufig auf Kunstskandale der 1970er- und 1980er-Jahre zurückgeführt.

Die Krux bei der Sache: Als Christian Herdeg 1995 sein «Lichtsegel» montierte, gab es die Fachstelle Kunst und Bau noch gar nicht, diese wurde erst 2001 eröffnet. Das dürfte auch der Grund sein, weswegen Herdegs Werk in keiner Inventarliste auftauchte.

Das Gesetz sagt: Informieren ist ein Muss

Warum werden Kunstwerke aus Versehen entsorgt? Im Fall der beiden Lichtinstallationen dürfte der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle spielen. Entscheidungsträger, welche 1985 beziehungsweise 1995 Herdegs Kunstwerke in die Gebäude holten, arbeiten mittlerweile vielleicht nicht mehr dort und können somit auch nicht darauf aufmerksam machen, dass es sich hier um die Werke eines international renommierten Künstlers handelt.

Nötige Umbauten, bürokratische Löcher oder ein sich wandelndes Kunstverständnis dürften weitere Faktoren sein, die Kunstwerke an Gebäuden zum Verschwinden bringen. Wo die beiden Lichtinstallationen Herdegs gelandet sind, ist bis heute unklar. Einzig gewiss ist, dass man den Künstler von Gesetzes wegen hätte informieren müssen, dass seine Werke abgehängt werden, und dass man ihm diese Werke zur Rücknahme hätte anbieten müssen.

Sommerserie «Verschwundene Kunst»

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Es ist der Super-Gau für Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber: ein Kunstwerk, das plötzlich nicht mehr da ist – spurlos verschwunden. Verlegt, verloren oder gar gestohlen? In unserer Sommerserie widmen wir uns solchen mysteriösen Fällen aus der Schweiz und erzählen die Geschichte dahinter.

In anderen Fällen habe das einwandfrei funktioniert, erzählt Christian Herdeg. Erst kürzlich habe sich ein Kunde gemeldet: Aufgrund eines Umbaus könne man eine von Herdegs Lichtskulpturen nicht mehr integrieren, ob er an einer Rücknahme interessiert sei. «So muss es sein», sagt Herdeg.

Ob er ein retourniertes Werk verwerten könne, sei dann allerdings eine andere Frage. Im konkreten Fall handele es sich um eine elf Meter lange Lichtinstallation. «Die kann ich mir jetzt auch nicht einfach ins Wohnzimmer hängen», sagt Herdeg und lacht. Immerhin: Seinen trockenen Humor hat der 84-jährige Künstler nicht verloren, auch wenn ihm zwei seiner Werke abhanden gekommen sind.

Radio SRF2 Kultur, Kultur-Aktualität, 17.7.2026, 8:06 Uhr

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