Sophie Taeuber-Arp: Geschäftssinn und Sinn für das Schöne

Schneiderin, Architektin, Möbeldesignerin, Zeichnerin, Plastikerin, Tänzerin und Lehrerin: Sophie Taeuber-Arp war eine vielseitig begabte Frau. Wie kaum eine Zweite kombinierte sie Kunst mit Kunsthandwerk und Geschäftssinn mit Fantasie. Das Aargauer Kunsthaus widmet ihr eine umfassende Ausstellung.

«Heute ist Morgen» – so der simple Titel der Ausstellung über Sophie Taeuber-Arp im Aargauer Kunsthaus. Er passt wie die Faust aus Auge. Weil das, was wir im Aargauer Kunstmuseum zu sehen bekommen aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt und doch aktueller nicht sein könnte. Die Farben, die Muster, das Design. Und die Farbtöne auf den Zeichnungen: oft knallig, aber doch harmonisch ineinander verschränkt. Die ausgestellten Accessoires zeitgemäss oder eben zeitlos.

Wir begegnen hier einem schwarzen, schlichten Schreibtisch mit silbrig glänzenden Beinen und Knäufen (1930) ebenso wie farbenfrohen Kostümen (1922). Versetzt mit grafischen Mustern, könnten wir diese auch auf einem Laufsteg im Jahre 2014 zu sehen bekommen. Abstrakte Farbstiftzeichnungen neben perlenbestickten Handtäschchen? Bei Sophie Taeuber-Arp kein Kuddelmuddel, sondern faszinierende und doch stringente Vielfältigkeit.

Ein Gegengewicht zur Kunst des 19. Jahrhunderts

Eine Ausstellung für Sophie Taeuber-Arp

2:24 min, aus Tagesschau vom 21.8.2014

Die Ausstellung sowie der dazugehörige Katalog zeigen: Kreativität kennt für Sophie Taeuber-Arp weder Grenzen noch Gattungen. 1898 in Davos geboren, studierte die junge Sophie Taeuber in St. Gallen nach der Jahrhundertwende Textildesign und kam dort, in der Hochburg für textile Kunst, auf den Geschmack, mit Mustern, Farben und Formen aber auch mit Strukturen und den verschiedensten Materialien zu experimentieren.

Über Stationen in München und Hamburg kam sie 1914 nach Zürich, wo sie ihren zukünftigen Mann Hans Arp kennenlernte. Zusammen mit ihm und den Dadaisten suchte Sie Wege, um aus dem damaligen Verständnis von Kunst auszubrechen. «Zu dieser Zeit schwebte man immer noch im Dünkel des 19. Jahrhunderts und Sophie Taeuber-Arp verstand es, ein pfiffiges Gegengewicht zu der naturalistischen, überladenen und etwas triefigen Kunst zu entwerfen», sagt der Kurator der Ausstellung Thomas Schmutz.

Vom Puppenspiel zur Lehrtätigkeit

Zusatzinhalt überspringen

DVD zum Thema

Die Film-Reihe der Sternstunde Kunst «Cherchez la Femme: Sophie Taeuber Arp – Meret Oppenheim – S. Corinna Bille – Manon» ist im SRF-Shop erhältlich.

Das tat sie zum Beispiel, indem sie kurz nach dem ersten Weltkrieg die Puppen für ein Marionettentheater entwarf. Das auf so radikale Weise, dass man bis heute beim Betrachten der ausgestellten Marionetten unweigerlich schmunzeln muss. Die Glieder der Figuren bestehen aus geometrisch gedrechselten Holzelementen, Stoff wird nur sehr gezielt eingesetzt. Hier sollen die Figuren für das stehen, was sie im Stück verkörpern: Habgier, Macht, Schönheit. Sie sollen explizit nicht aussehen wie kleingeschrumpfte Menschen. Ein radikaler, surrealistischer Ansatz, der sich durch ihr ganzes, vielschichtiges Werk zieht.

Neben ihrem künstlerischen Engagement leitete Taeuber Arp von 1916 bis 1929 die Textilklasse an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Ihr Ziel war dabei immer die Auflösung der Gattungen und die sogenannt angewandte Kunst auf dieselbe Ebene mit der freien Kunst zu setzen.

Tragisches Ende im Hause Max Bill

Ende der 1920er-Jahre zog das Ehepaar Taeuber-Arp nach Paris, wo Sophie Taeuber-Arp bis zum Ausbruch des Krieges auf allen Kunstgebieten weiterarbeitete, unter anderem war sie nun auch vermehrt als Möbeldesignerin und Architektin tätig.1940 flohen die beiden vor den Nazis in die Schweiz, wo Sophie Taeuber-Arp 1943 in Max Bills Haus mit 54 Jahren an einer Kohlenmonoxidvergiftung starb. Ein Ofen in ihrem Zimmer war nicht richtig eingestellt.

Viel zu jung verstarb Sophie Taeuber-Arp, eine Wegbereiterin der Moderne, eine abstrakte Künstlerin, wundervolle Näher- und Stickerin, eine visionäre Designerin und Architektin. Zum Glück hat sich nun das Kunstmuseum Aarau die Mühe gemacht, dieses dichte Werk zusammenzutragen und in seiner ganze Fülle ausszustellen.