Zum Inhalt springen

Header

Audio
Radiobeitrag zu Swiss Graphic Design Histories
Aus Kultur-Aktualität vom 05.07.2021.
abspielen. Laufzeit 03:37 Minuten.
Inhalt

Swiss Graphic Design Histories Die Schweiz, eine Grafikdesign-Nation

«Swiss Graphic Design Histories» ist ein ambitioniertes Forschungsprojekt. Es bietet einen umfassenden und vor allem neuen Überblick über die Grafikdesignlandschaft der Schweiz.

Schweizer Grafik-Design ist international bekannt für den «Swiss Style» aus den 1950er- und 60er-Jahren: Schriften ohne Serifen, keine Illustrationen, wenig Farben, dafür grafische Symbole oder Fotos – und alles möglichst asymmetrisch angeordnet.

Legende: Das Poster für die Ausstellung «Olivetti innovates» in Hongkong, 1966, von Walter Ballmer und Anna Monika. Estate of Walter Ballmer / Museum für Gestaltung Zürich

Laut Robert Lzicar, Professor für Designgeschichte an der Hochschule der Künste Bern, ist dieser Stil auch heute noch, 60 Jahre später, ein Begriff in der Design-Welt: «Tatsächlich hört man in Grafikagenturen immer wieder den Spruch ‹Make it look Swiss›, womit genau diese formal-ästhetischen Kriterien gemeint sind. Aber Schweizer Grafikdesign und auch die Geschichte des Schweizer Grafikdesign sind natürlich viel breiter.»

Neue Erkenntnisse

Robert Lzicar und sein Team wollten mit dem Forschungsprojekt «Swiss Graphic Design Histories» neue Erzählweisen zur Schweizer Grafikgeschichte suchen. Zwölf Forscherinnen und Forscher durchwühlten Archive von Museen, Schulen und Privatpersonen, und führten mit Grafikerin und Grafikern Gespräche. Aus all diesen Erkenntnissen haben sie drei Bücher gemacht, mit Interviews, Essays und viel Bildmaterial – grafisch konzis gestaltet, natürlich.

Legende: Der Basler Zeichenlehrer und Grafiker Paul Hulliger schuf die «Hulliger-Schrift». 1936 wurde sie zur Schweizer Schulschrift erklärt und in zehn Kantonen angewendet Paul Hulliger

Eine neue Erkenntnis ist, dass Schweizer Grafik schon lange vor den 1960er-Jahren, nämlich bereits in den 20er-Jahren, im Ausland ein Begriff war.

«Wir sind auf eine Frankfurter Ausstellung im Jahr 1925 gestossen, die schon mit dem Begriff ‹Schweizer Grafik› operiert. Da wurden hauptsächlich Tourismusplakate gezeigt, aber auch Plakate für kulturelle Veranstaltungen», erzählt Forschungsleiter Lzicar.

Ein Beweis dafür, dass die Schweiz schon sehr früh damit angefangen hat, ein Bild von Schweizer Grafikdesign ins Ausland zu exportieren und sich selbst als eine Grafikdesign-Nation darzustellen.

Legende: Buchstaben mit Fantasie: Schriften für die Firma F. Gygi & Co. Haab & Hättenschweiler

Hodler war auch ein Grafiker

Die Frankfurter Ausstellung macht noch etwas anderes klar: Auch Künstler wurden als Grafiker gesehen. «Da gab's Plakate von Ferdinand Hodler, der jetzt in unserem heutigen Verständnis nicht mehr als Grafiker gelten würde. Damals war er aber auch als Plakatmaler aktiv, vor allem für seine eigenen Ausstellungen», erklärt Robert Lzicar.

Künstler als Grafiker? Kein Wunder, wurde doch der Beruf des Grafikers und der Grafikerin erst spät geboren. Grundlegend dafür waren die gestalterischen Vorkurse der Kunstschulen. Und da machte das Forschungsteam eine Entdeckung. «Das Prinzip des Vorkurses wird heute gerne als eine Erfindung des Bauhaus betrachtet», sagt Lzicar. «Wir haben aber festgestellt: Das gab es schon viel früher – auch in der Schweiz. Es war ein gängiges Prinzip, was dann am Bauhaus übernommen wurde.»

Legende: Schweizer Grafikdesign ist nicht nur männlich, wie dieses Foto der Angestellten des Studio Hollenstein beweist, Paris, ca. 1960. Estate of Albert Hollenstein and Paris / Bibliothèque Forney

Nicht nur Männer

Doch warum der Plural im Titel «Swiss Graphic Design Histories»? Weil man zum gängigen Narrativ auch weitere hinzufügen wollte, betont der Forschungsprojektleiter. Besonders gefällt das neue Narrativ in Bezug auf die Geschlechterrollen.

Buchhinweis

Box aufklappen Box zuklappen

«Die Schweizer Grafikdesign Geschichte in der damaligen Geschichtsschreibung ist männlich. Aber wir haben herausgefunden Grafikdesign Praxis war schon sehr früh ein Beruf, der von Frauen ausgeübt worden ist, die aber eben im bisherigen Diskurs zu wenig zu Wort kommen.»

Aussagen wie diese machen die Lektüre lesenswert.

SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 1.7.2021, 8:06 Uhr;

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christine Valentin  (Valentinmus)
    Was mich am Forschungsprojekt und Buch irritiert: Es ist nur in englischer Sprache verfügbar (der Download des PDF ist, da vom Nationalfonds gefördert, kostenlos). Selbst die Buchvernissage ist in englisch. Das heisst: Die Steuerzahler:innen bezahlen die Forschung und die Publikation, aber viele von ihnen werden sich die Ergebnisse wegen mangelnder Sprachkenntnisse nicht aneignen können. Mir scheint das in einem Land mit vier Landessprachen, zu denen Englisch nicht zählt, ein Fauxpas zu sein.