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Ur-Vater der Fake News Baron Münchhausen: Lügen, die einem um die Ohren fliegen

Lügen, dass sich die Balken biegen – das Zürcher Museum Strauhof widmet seine aktuelle Ausstellung dem notorischen Lügenbaron. Seine Stories bieten gute Unterhaltung – und sind von überraschender gesellschaftskritischer Tiefe.

Nein, Donald Trump ist in der aktuellen Ausstellung im Strauhof nicht vertreten. Dennoch muss man beim Besuch immer wieder an ihn denken, an die moderne Verkörperung eines Lügners, der «alternative Fakten» als Wahrheit ausgibt, Tatsachen als «Fake» abkanzelt und die Realität ganz nach Gutdünken in Märchen verkehrt.

Diese Ingredienzien gehören auch zur Erzählkunst des Barons Münchhausen. Und die ist überaus unterhaltsam – wenn er etwa behauptet, er habe sich samt seinem Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen. Oder er sei auf einer Kanonenkugel sitzend über eine belagerte Stadt geflogen. Oder er wäre über eine Bohnenranke bis zum Mond geklettert.

Für Münchhausen gehört das Erzählen von Blödsinn zum Lifestyle. Doch die Lügengebilde, dies zeigt die Ausstellung im Strauhof, verfügen über erstaunlich viel Tiefe. Zumindest bei genauerer Betrachtung.

Verschiedene Perspektiven

Die Ausstellung nähert sich dem Phänomen Münchhausen von verschiedenen Seiten. Da sind etwa in Schaukästen die ersten Münchhausen-Bücher ausgestellt: wertvolle Einzelstücke, verfasst von zwei Deutschen aus dem 18. Jahrhundert, dem Universalgelehrten Rudolf Erich Raspe und dem Dichter Gottfried August Bürger. Beide sind heute weitgehend vergessen.

Altes Buch mit Illustration eines fliegenden Riesenadlers, Baron Münchhausen reitend.
Legende: Zu schön, um wahr zu sein: Baron Münchhausen klammert sich an einen riesigen Adler, der ihn hoch in den Himmel trägt. The Vice of Lying Properly Exposed. London 1789

Sie gaben dem literarischen Lügenbaron den Namen eines historischen Vorbilds, einem gewissen Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Er lebte von 1720 bis 1797, kam weit herum und galt als begnadeter Geschichtenerzähler.

Dem Freiherrn machte es zwar nicht wirklich Freude, dass er als Vorbild für den literarischen Schwindler und Hochstapler herhalten musste. Doch er vermochte die Verbreitung der Geschichten nicht zu stoppen. Zu beliebt waren sie beim Publikum.

Immer und immer wieder erschienen über die Jahrzehnte neue Münchhausengeschichten. Längst auch von anderen Autoren als Raspe und Bürger. Die Lügen des Barons mauserten sich auch zu Bestsellern der Kinderliteratur.

Im 20. Jahrhundert eroberte Münchhausen das Kino. In rund einem Dutzend Verfilmungen jagt Münchhausen achtbeinige Hasen, pflanzt Hirschen Kirschbäume auf den Kopf, springt hoch zu Ross durch fahrende Kutschen.

Mann in historischer Kleidung fliegt auf Kanonenkugel im Himmel.
Legende: Schauspieler Hans Albers in seiner wohl grössten Rolle in «Münchhausen» (1943). Das Drehbuch für diesen Klassiker lieferte Erich Kästner. IMAGO / United Archives

Die Ausstellung zeigt, dass die von Münchhausen verbreiteten Fakes keineswegs alle seine Erfindungen waren. Sondern dass sie kulturgeschichtliche Wurzeln hatten, die sich bis in die Antike zurückverfolgen lassen. Schon damals wurde in der Literatur gelogen.

Ambivalente Figur

Münchhausen ist unterhaltsam, bis heute. Doch in vielen Geschichten verbirgt sich auch eine ungeahnte Tiefe. Etwa dann, wenn der Lügenbaron von einem Sklavenschiff berichtet, auf dem die Sklaven Weisse und die Aufseher Schwarze waren. Durch diese farbliche Verkehrung streicht Münchhausen die Unmenschlichkeit der Sklaverei grell heraus, die bis ins 19. Jahrhundert verbreitet war.

Ausstellungshinweis

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Die Ausstellung «Phänomen Münchhausen» ist noch bis 6. April im Museum Strauhof in Zürich zu sehen.

Wenn Münchhausen vom Krieg erzählt, fällt auf, dass immer «die Guten» gewinnen. Aber halt! Der Erzähler ist ja ein ausgewiesener Lügner. Ergo: Die Realität muss eine andere sein.

Münchhausens Lügengeschichten sind voller Ambivalenzen. Da gibt es satirische Stachel, gelegentlich Aufklärerisches, bisweilen gar Utopisches, das weit über das blosse Unterhalten hinausgeht. Dies erfahrbar zu machen, ist eine der grössten Leistungen dieser gelungenen Ausstellung.

Radio SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 20.2.2026, 17:07 Uhr

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