Zeitgenössische Hochkaräter aus Burda-Sammlung in Burgdorf

Die Werke von Franz Gertsch sind vorübergehend nach Baden-Baden gereist. Im Burgdorfer Museum gastieren währenddessen Bilder aus der renommierten Sammlung Frieder Burda in Baden-Baden. Für Kunstfreunde ist dieser Bildertausch ein Genuss.

Im Roman «Die Wahlverwandtschaften» beschreibt Goethe zwei Paare, die sich über Kreuz verlieben. Die Geschichte endet unglücklich.

Ganz anders verhält es sich mit den «Wahlverwandtschaften», die das Museum Franz Gertsch in Burgdorf präsentiert. Das kleine Museum im Emmental hat mit dem Museum Frieder Burda in Baden-Baden einen Bildertausch arrangiert. Die Gertsch-Werke aus Burgdorf sind für einige Monate nach Baden Württemberg gereist. Im Gegenzug durfte das Museum Franz Gertsch eine Ausstellung aus der Sammlung Frieder Burda zusammenstellen. Für Schweizer Museumsgänger ist das ein guter Deal. Viele der Werke sind erstmals in der Schweiz zu sehen.

Prominente Sammlung

Frieder Burda ist Teilinhaber des Verlags- und Druckimperiums Burda und sammelt seit über 40 Jahren – mit Leidenschaft und mit Erfolg. Seine Sammlung geniesst einen hervorragenden Ruf. Sie umfasst Werke von Picasso, zahlreiche Expressionisten und das deutsche Dreigestirn Richter, Baselitz, Polke.

Seit zehn Jahren sammelt Burda vermehrt auch junge Malerei, vor allem aus Deutschland, aber auch aus Europa und den USA. Aus diesem zeitgenössischen Teil der Sammlung hat Anna Wesle, Kuratorin im Museum Franz Gertsch, 67 Arbeiten von 23 Künstlern ausgewählt.

In Burgdorf sind vor allem gegenständliche Arbeiten zu sehen, nach Themen wie «Landschaft» oder «Menschenbild» geordnet. So lässt sich ablesen, wie junge Kunstschaffende klassische Motive der Malerei neu interpretieren. Die Hängung macht zudem thematische und gestalterische Verbindungen zwischen den Werken der Schau sichtbar. Das sind die «Wahlverwandtschaften» auf die der Titel anspielt.

Wirbelsturm aus Farbfragmenten

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Ausstellungshinweis

«Wahlverwandtschaften. Aktuelle Malerei und Zeichnung aus dem Museum Frieder Burdaim», Museum Franz Gertsch Burgdorf, bis 16. Februar 2014.

Der schlammgrüne Farbton, der zwei Bilder aus dem Frühwerk von Neo Rauch prägt, taucht in einem Werk von Steve diBenedetto wieder auf. Die Landschaften, die David Schnell in einen Wirbelsturm aus Fragmenten aufsplittert, korrespondiert mit Corinne Wasmuths Bild des Flughafens von Buenos Aires, das den funktionalen Raum in Linien und Farbspuren auflöst.

Heribert C. Ottersbach setzt den antiken Helden Jason auf ein Motorrad mit Beiwagen, auf der Leinwand daneben hat Markus Oehlen Figuren und ein umgedrehtes Velo arrangiert. Dieses Velo ist nicht nur ein guter Nachbar für Ottersbachs Motorrad, es lässt sich auch als Verweis auf Marcel Duchamps berühmtes Readymade «Fahrrad-Rad» lesen.

Andere Beziehungen der Werke und Künstler zueinander eröffnen sich bei der Lektüre des Katalogs. Einige der deutschen Kunstschaffenden zählen zur Leipziger Schule, andere haben bei Gerhard Richter in Düsseldorf studiert. Die Schau skizziert so auch ein Generationenbild der jungen Malerei.