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Literatur 50 Schattierungen von Grau an den Solothurner Literaturtagen

Wo man in Solothurn auch hinkommt: Man blickt auf graumeliertes bis weisses Haar. Sollte man deswegen das Solothurner Literaturtagepublikum und damit die Zukunft der Literaturtage voreilig abschreiben? Nein. Aber die Frage nach dem Nachwuchs im Publikum drängt sich auf.

Blick vom Saal auf die Bühne, im Vordergrund Köpfe des Publikums, auf der Bühne zwei Frauen.
Legende: Eine Farbe dominiert im Publikum: Lesung von Hanna Johansen (r.) am Samstag 16. Mai 2015 in Solothurn. Keystone

«Wir werden älter», verkündete der Moderator am Eröffnungstag im randvollen Landhaus. Und erntete damit fröhliche Lacher. Er wollte den Titel von Ruth Schweikerts neuem Roman zitieren. Und lag um eine Nuance daneben. Dieser lautet korrekt: «Wie wir älter werden». Nun, der Teufel liegt auch in diesem Fall im Detail.

Wo ist der Nachwuchs?

«Wir werden älter» trifft aber anderweitig voll ins Schwarze: Im Landhaus, dem Herzen der Literaturtage, wälzen sich Heerscharen von graumelierten bis weissen Häuptern durch die schmalen Aufgänge. Wo der Blick hinschweift, nur Grau in Grau.

Das Publikum scheint mit den bald 40-jährigen Literaturtagen in die Jahre gekommen zu sein. Es drängt sich die Frage auf: Ist Literatur heute eine Kunst für das Dritte Alter? Und wo ist der Nachwuchs im Publikum, wo sind die 30- und 40-Jährigen? Sind sie völlig absorbiert mit Karriere und Kindern? Lesen sie deshalb weniger als frühere Generationen?

Grau ist nicht gleich grau

Legende: Video Literaturtage in Solothurn zeigen Newcomer-Werke abspielen. Laufzeit 02:16 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.05.2015.

Die Farbe Grau steht im Ruch langweilig zu sein. Grau symbolisiert aber auch Würde und Weisheit – wer hätte also grundsätzlich etwas gegen Grau an den Literaturtagen?

Voreilig abschreiben sollte man das Solothurner Literaturtagepublikum dann doch nicht. Grau als Farbe der Nachdenklichkeit müsste in den Lesungen schon einen Platz haben. Und Grau ist die «Farbe» des Schattens, den das Unbewusste hervorruft. Letzteres spielt auch in der Literatur keine unbedeutende Rolle. Insofern sind die grauen Solothurner Panther und Pantherinnen ein solides Rückgrat der Werkschau der Schweizer Literatur.

Von Asch- bis Zementgrau

Geht es aber so Grau in Grau weiter, stellt sich bald die bange Frage, ob dereinst – sagen wir in zehn Jahren – das heutige Bild noch aufrecht zu erhalten ist. Grau ist ja nicht grau. Man könnte sich in einem ersten Schritt mit mehr Zwischentönen wie Asch-, Maus-, Rauch-, Schiefer-, Silber-, Tauben- oder Zementgrau begnügen.

Eine kräftigere Farbauffrischung im Publikum wäre also vorausblickend und wünschenswert. Wie? – Darauf hat auch der graumelierte Schreibende in Solothurn leider keine Antwort.

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