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Buch über die Lebensmitte Mental Load ohne Ende: Warum Frauen oft am Limit sind

«Wie geht es Dir?» Auf diese Frage haben 27 Frauen per Sprachnachricht geantwortet. Ihre Worte sind nun in dem Buch «Frauenprobleme» gesammelt und zeigen vor allem eines: grosse Erschöpfung.

«Frauenprobleme»: Ein Buchtitel, bei dem man womöglich zuerst an Menstruationsbeschwerden oder Hitzewallungen denkt. Vielleicht auch ans Jonglieren zwischen Mutterschaft und Berufstätigkeit. Ein Titel auf jeden Fall, der abschrecken könnte.

Warum eigentlich? Warum könnte man dieses Wort als abschreckend oder gar abwertend empfinden? Sind «Frauenprobleme» keine echten Probleme? Es geht immerhin um Schwierigkeiten, die die Hälfte der Gesellschaft betreffen. Und wenn die Hälfte der Gesellschaft strauchelt, straucheln dann nicht letztlich alle?

Sprachnachrichten zum Lesen

Schon der Titel dieses von Lina Muzur herausgegebenen Buchs bringt also ins Grübeln. Muzur ist die Leiterin des Hanser-Berlin-Verlags. Sie hat 27 Freundinnen die simple Frage gestellt: «Wie geht es Dir?» Und sie hat die Frauen gebeten, ihr in Form einer Sprachnachricht zu antworten. Das Ergebnis ist nun das Buch «Frauenprobleme» – eine Bestandsaufnahme weiblicher Lebensrealitäten. Ein Chor vieler Stimmen.

Frau hält Smartphone und lacht.
Legende: 27 Frauen haben auf die Frage «Wie geht es Dir?» geantwortet – per Sprachnachricht. Diese sind nun gesammelt in einem Buch erschienen. Getty Images/Super Scout

Sprachnachrichten in Buchform zu bringen, ist natürlich auch ein formales Experiment. Aber es ist geglückt. Die Texte strotzen nicht vor «Ääs» und «Erms». Sie wurden in Schriftsprache gebracht, muten aber auf natürliche Weise mündlich an. Kurz: Sie lassen sich wunderbar lesen.

Frauen in ihrer Lebensmitte sind erschöpft

Die Frauen, die zu Wort kommen, sind alle zwischen 40 und 55. Ihnen ist gemeinsam: die Verbindung zur Herausgeberin Muzur. Ausserdem: Sie sind mit analogem Fernsehen und Festnetztelefonen aufgewachsen. Social Media konnten in ihrer Pubertät noch nicht für Zerstreuung sorgen. In den Vorgärten ihrer Kindheit standen Schaukeln statt grosser schwarzer Trampoline.

Person mit geschlossenen Augen hinter der Windschutzscheibe.
Legende: Kurz Durchatmen bei all der Verantwortung? Fehlanzeige! Getty Images/INVIZ

Wie geht es diesen Frauen mittleren Alters nun? Was bei allen herauszuhören ist, ist die grosse Erschöpfung. Die, die Kinder haben, reiben sich auf, Berufstätigkeit und Mutterschaft zu vereinbaren. Teilweise fragen sie sich, ob das Modell ihrer Hausfrauen-Mütter nicht doch das bessere war. Vereinbarkeit ist ein grosser Block im Buch – und vor allem etwas, das sich die Frauen als machbarer vorgestellt hatten, als es sich schliesslich entpuppt hat.

Care-Arbeit nach oben und unten

Zudem sind alle Frauen, die im Buch berichten, in einem Alter, in dem die eigenen Eltern oft geistig und körperlich abbauen. Einige der Frauen fühlen sich eingezwängt zwischen bedürftigen Kindern und bedürftiger werdenden Eltern. Ein enormer Druck.

Gleichzeitig werden sie selbst älter, spüren die Wechseljahre, emotionale Tiefs, zum Glück auch ab und an auch ein Hoch.

Ebenfalls bei vielen der erzählenden Frauen ein Thema: die politische Instabilität, die desolate Weltlage, das Erstarken der Rechten und die damit einhergehende Gefahr, lang erkämpfte Gleichstellungsrechte könnten bald verloren gehen.

Mental Load in Buchform

Wer sich unter «Mental Load» bislang nichts vorstellen konnte, kann ihn hier nachlesen. Durch die Vielstimmigkeit dürfte sich jede Frau an der einen oder anderen Stelle wiedererkennen. So zeigt das Buch, dass es sich bei «Frauenproblemen» nicht um individuelle kleine Sorgen handelt, sondern letztlich um grosse strukturelle Probleme.

Buchhinweis

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Lina Muzur (Hg.): «Frauenprobleme. 33 neue Nachrichten». Hanser Berlin, 2026.

Das zugehörige Hörbuch ist bei Argon erschienen.

Radio SRF 1, 21.4.2026, 15:15 Uhr

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