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Sachbuchtrio: Adrian Kohler über «Revolution für das Leben» von Eva von Redecker
Aus Kontext vom 10.11.2020.
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Buchbesprechung Brauchen Protestbewegungen eine gemeinsame Weltanschauung?

Die deutsche Philosophin Eva von Redecker entwirft in «Revolution für das Leben» die Vision einer neuen Gesellschaft. Nicht ganz unproblematisch.

«Ich fürchte die Danaer, auch wenn Sie Geschenke bringen!», ist ein geflügeltes Wort, das alle kennen, die schon mal einen Asterix-und-Obelix-Band gelesen haben.

Ein solches Geschenk ist das Buch der deutschen Philosophin Eva von Redecker «Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen», das gegenwärtig für Aufsehen sorgt. Es ist für die Protestbewegungen, die sie unterstützt, eher eine Hypothek.

Vom sterilen Hörsaal auf die Strasse

Eva von Redecker ist mit Jahrgang 1982 eine der jungen Philosophinnen in Deutschland, die ihre Disziplin glücklicherweise weg von der Sterilität der Hörsäle näher an die gesellschaftliche und lebensweltliche Wirklichkeit der Menschen bringen will.

Von Redecker bringt die Philosophie sogar zurück auf die Strasse. Sie will eine «Philosophie der neuen Protestformen» schreiben, wie sie Gruppierungen wie Black Lives Matter oder die Klimabewegung darstellen.

Wer ist Eva von Redecker?

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Wer ist Eva von Redecker?
Legende:Paula WInkler

Eva von Redecker hat in Tübingen, Kiel, Potsdam und Cambridge Philosophie studiert. Von 2009 bis 2019 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität in Berlin. Ende 2020 tritt sie ein Marie-Skłodowska-Curie-Fellowship an der Universität Verona in Italien an. Sie arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt zum autoritären Charakter und ist freischaffend publizistisch tätig.

Eine antikapitalistische Revolution?

Das Fundament dieser Philosophie ist eine radikale antikapitalistische Haltung. Mit Rückbezug auf den Marxismus, die Kritische Theorie sowie neuere feministische Theorien bezeichnet von Redecker den Kapitalismus als «viehische Wirtschaftsform», die in jedem Fall abgeschafft gehört.

Seine für Menschen und Umwelt zerstörerische Logik entfalte der Kapitalismus primär über die Institution des Eigentums.

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Schwerpunkt: Kapitalismus in der Kritik
Aus ECO vom 13.05.2019.
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Das private Nutzungsrecht ermögliche, ja, erzwinge profitorientierte Verwertung und sogar Missbrauch. Entfremdung und «Vermüllung» seien vorprogrammiert – ebenso die Zerstörung der Lebensgrundlagen.

«Retten, Regenerieren, Teilen und Pflegen»

In den Grundgedanken, den Formen und den Aktionen der neuen Protestbewegungen erkennt Eva von Redecker die Grundprinzipien einer neuen Art von Revolution gegen die kapitalistischen Verhältnisse. Diese Prinzipien sind laut von Redecker «Retten, Regenerieren, Teilen und Pflegen».

In der Aufnahme von Flüchtlingen, in der übergreifenden Solidarität beim Frauenstreik, in gemeinschaftlichem Besitz und in neuen Formen der Landwirtschaft würden diese Prinzipien zum Beispiel bereits heute Realität.

Revolution ist für Eva von Redecker also keine Machtergreifung in einem bestimmten historischen Moment der Zukunft, sondern ein Prozess, in dem sich sukzessive neue Verhältnisse durchsetzen. Diese Revolution sei bereits voll im Gang.

Philosophin auf Abwegen

Mit ihrer Revolutionsphilosophie gerät Eva von Redecker allerdings auch immer wieder auf Abwege. Etwa, wenn sie Plünderungen als «Vorgriff auf eine freie Welt» bezeichnet. Oder den Akt der Migration als «an sich immer schon eine Revolution für das Leben».

Buchhinweis

Eva von Redecker: «Revolution für das Leben. Philosophie der neuen Protestformen» S. Fischer Verlage, 2020.

Demokratischer Politik traut sie wenig zu – dies sei letztlich eine «Freiheit im engen Radius der Sachherrschaft», also des Kapitalismus. Und – die Frage nach dem Danaer-Geschenk sei erlaubt – brauchen die Protestierenden gegen Rassismus und den Klimawandel tatsächlich eine gemeinsame Weltanschauung oder nicht eher Unterstützung, damit ihre Anliegen gehört und verstanden werden?

SRF 2 Kultur, Kontext, 10.11.2020, 09:03 Uhr.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Ich frage mich, warum solche „philosophischen Aussagen“ einer Frau von Redecker hier unkommentiert veröffentlicht werden. Weshalb gibt es keine redaktionelle Bearbeitung im Sinne von: Kritische Betrachtung der Argumentation, Hinweise auf Gegenargumente, Nachweis von reiner Ideologie und damit NICHT-Philosophie. Es ist unglaublich, was sich da im Fahrwasser von FFF/Grosser Transformation/No Borders no Nations an sich philosophisch gebendem Firlefanz tummelt. Muss das hier verbreitet werden?
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    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Zumindest im Audio ist das überhaupt nicht der Fall. Da wird sie ziemlich kritisiert in Ihrer krassen Weltanschauung
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  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    "auch immer wieder auf Abwege. Etwa, wenn sie Plünderungen als «Vorgriff auf eine freie Welt» bezeichnet." - Tatsächlich, hier sollte sich die Philosophin kritisch hinterfragen. Meine bescheidene Meinung: hier nimmt sich ein Dieb die Freiheit, fremdes Eigentum zu seinem eigenen Eigentum zu machen. Nicht etwa mit der Absicht, diese Güter mit allen zu teilen.
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    1. Antwort von Enrique Zalotay  (Enrique Zalotay)
      Genauso wenig hat der Besitzende die Absicht "seine" Güter mit allen zu teilen. Und sowieso immer diese Anschuldigungen, dass der "Dieb" nur aus Gier stiehlt und in seinem Geld baden soll. Die Realität sieht wohl so aus, dass die meisten von der Angst nicht zu überleben getrieben werden oder die Angst die eigene Familie nicht ernähren zu können. Vielfach sind wir Menschen traumatisiert aus der Kindheit und die Machthaber des Kapitalismus nutzen dies zu ihren Gunsten aus. Bitte ein neues System.
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    2. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Da stimme ich zu, Enrique: der Dieb ist wohl nicht freiwillig ein Dieb, wäre lieber ein geachteter Mensch.
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    3. Antwort von Vinzenz Böttcher  (AfroKaiser)
      "Die Realität sieht wohl so aus, dass die meisten von der Angst nicht zu überleben getrieben werden oder die Angst die eigene Familie nicht ernähren zu können."

      Das ist dann wohl der grund, warum teure Fernseher, Tabak und und Smartphones geklaut werden. Na dann einen guten Appetit an den Dieb und seine Familie.
      Ist doch ein Witz. Die Personen, die plündernd und marodierend durch Städte, ziehen sind Kriminelle. Das ist genau der Pöbel, der Bushaltehäuschen zertrümmert. Einsperren angesagt.
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