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Thalia macht Platz für China-Propaganda
Aus Kultur kompakt vom 18.09.2020.
abspielen. Laufzeit 04:33 Minuten.
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China-Propaganda bei Thalia China-Experte: «Man kann von einem Propaganda-Regal sprechen»

Die Buchhandelskette Thalia lässt sich auf eine äusserst heikle Zusammenarbeit mit einem chinesischen Vertrieb ein. Warum?

Der Blick in das Bücherregal einer Thalia-Filiale in Berlin irritiert: Hier findet sich nur wohlwollende Literatur über China – über die Tradition des Landes, Lyrik oder Kinderbücher. Nicht fehlen darf auch «China regieren» – die Übersetzung von Staatspräsident Xi Jinpings gesammelten Reden.

Die grossen Abwesenden hingegen sind Titel, die sich kritisch mit Chinas Politik auseinandersetzen. Mit der Situation der Uiguren etwa, jener Taiwans oder Tibets. Stellt sich die Frage: Wie kommt so ein China-Sortiment zu Stande?

Gemietete Regale

Von Thalia gibt es nur eine schriftlich Stellungnahme. Vor allem als Service für die wachsende chinesische – bzw. China-Interessierte – Community teste man in Deutschland eine Zusammenarbeit mit China Book Trading ein chinesisches Buchsortiment, heisst es auf Nachfrage von SRF. «Unsere chinesischen Partner schlagen Bücher vor, die vom Thalia Sortimentsmanagement geprüft und freigegeben werden.»

Gemietete Regale also. Nur: Wer ist der Mieter? Wer steckt hinter «China Book Trading»? China Book Trading gehöre zur China International Publishing Group, weiss Ralph Weber, Professor am Europainstitut der Universität Basel mit Spezialgebiet China-Politik, und sei letztlich an das Zentralkomitee der kommunistischen Partei Chinas gebunden.

Verdacht: Propaganda

Kein Zufall also, dass auf den entsprechenden Bücherregalen ein geschöntes China-Bild präsentiert wird. Stehen in deutschen Thalia-Filialen chinesische Propagandaregale?

Er kenne die genaue Vereinbarung zwischen «China Book Trading» und Thalia nicht, sagt Ralph Weber. «Aber wenn in einer Buchhandlung ein ganzes Regal mit ausschliesslich positiver Literatur über ein Land steht und kritische Titel fehlen, kann man zu Recht von einem ‹Propagandaregal› sprechen.»

Wie diese Vereinbarung aussehe und ob man wisse, mit wem man es zu tun haben, dazu wollte sich Thalia nicht äussern.

Offene Nachfragen

Ob wissentlich oder nicht: Macht Thalia sich zum Komplizen des chinesischen Staates? «Man könne auch ein Komplize sein, ohne zu wissen, was man tue», meint Ralph Weber. «Wieviel Thalia wirklich weiss oder hätte wissen müssen, diese Frage muss Thalia beantworten.»

Thalia hüllt sich zu diesen konkreten Nachfragen in Schweigen. Klar ist: Die Buchhandlungskette bietet Hand in Form von Regalfläche für eine Charme-Offensive des chinesischen Staates. Allerdings nur in drei deutschen Filialen und zeitlich begrenzt, wie Thalia schreibt.

Kritischen Stimmen den Platz wegnehmen

Wie gross kann die Wirkung einer solchen vermuteten Image-Kampagne denn überhaupt sein? «Solche chinesischen Einflussnahmen fokussieren oft nur auf kleine, unscheinbare Angelegenheiten. Dabei handelt es sich aber nicht einfach um Einzelfälle, sondern um ein Muster», erklärt Ralph Weber.

Video
Aus dem Archiv: Wie China sein Image in der Schweiz aufpoliert
Aus 10vor10 vom 23.12.2019.
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Die Wirkung sei nicht zu unterschätzen. Weber spricht von einer «punktuellen Unterwanderung» mit dem Ziel, das Image Chinas im Westen aufzupolieren: Es gehe darum, eine positive Geschichte Chinas zu erzählen und kritischen Stimmen den Platz wegzunehmen. «Oder sie eben in einer Buchhandlung, auf die unteren Ränge zu verweisen.»

Thalia schreibt in ihrer Stellungnahme: «Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema China findet in unseren Buchhandlungen über kuratierte Thementische statt und wird durch den Test nicht beeinflusst.»

Sendung: Radio SRF2 Kultur, Kultur kompakt, 18.09.2020, 12:03 Uhr

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53 Kommentare

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  • Kommentar von Peter M Haller  (Peter M Haller)
    Dieser Artikel ist opportunistisch und naiv: Jedes Sachbuch ist Propaganda auf die eine oder andere Art. Der «China-Experte» Prof. Ralph Weber hat nie über längere Zeit in China gelebt. Ich zweifle daran, ob er je in «China angekommen ist» und die Kultur – auch die politische – versteht. Sein Kommentar entspricht der gängigen Meinung zu China und ist eine Art «Propaganda gegen die freie Meinungsäusserung».
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  • Kommentar von Peter M Haller  (Peter M Haller)
    Zur freien Meinungsbildung, gehört auch, dass man sich über die Sichtweisen der Gegenseite informiert. Wer jedoch nur die westliche Sicht haben möchte, dem sei Konrad Seitz, «China eine Weltmacht kehrt zurück» zur Lektüre empfohlen. Das wird vielleicht dazu führen, dass man sich für die Biografie von Xi Jinping interessiert und dabei einige Deckungsgleichheiten entdeckt und ein differenzierteres Bild zu China entwickeln kann.
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  • Kommentar von Armin Meile  (MrMele)
    China unterwandert unsere Gesellschaft definitiv, was jeder selbst denkende, urteilsfähige Mensch sehen kann. Das totalitäre System Chinas ist letzten Endes das erste Vorbild für die aktuellen Corona-Massnahmen. Mit Restriktionen, Kontrolle und Zwang will man ein Virus in Schach halten. Die richtige Strategie einer freiheitlichen Gesellschaft wäre Stärkung der Bevölkerung (Ernährung, Umweltschutz, soziale Sicherheit, Frieden, Selbstverantwortung), was zu Immunität ohne Chemie führen würde.
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    1. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Nichts hat uns so unterwandert wie die amerikanische Kultur die immer noch Todesstrafe, Rassismus, Folter und (Drohnen-)Angriffe auf souveräne Nationen wider Völkerrecht und jegliche zivilrechtliches Grundverständnis zulässt. Die USA betreiben und besetzen all in all an die 2000 Stützpunkte - mit dem Status von US amerikanischem Hoheitsgebiet und bringen mit ihre Kriegsfilmen einseitige Propaganda in unsere Kinos.
      Die US-Propaganda ist bei und schon drin. Die chinesische hingegen noch nicht!
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    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Westeuropa hatte es unter den Fitichen der USA ungleich besser als Osteuropa unter dem Joch der Sowjetunion. Dies lässt sich nicht so leicht wegdiskutieren.
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