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Ulrich Knellwolf sitzt auf einem Sofa vor einem Bücherregal.
Legende: Ulrich Knellwolf ist nicht durch das Glauben zur Theologie gekommen, sondern durch das Zweifeln Keystone
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Literatur Der schreibende Pfarrer Knellwolf zweifelt am Gottvertrauen

Seit über 40 Jahren sammelt und erzählt der Pfarrer Ulrich Knellwolf Geschichten. Darunter sind Weihnachtsgeschichten, historische Texte sowie Kriminalromane. Die theologische Dimension geht dem Pfarrer beim Schreiben nie ganz verloren.

Er neigt bisweilen zu üblen Geschichten. Die er aber nicht übel verpackt. Mit Sprachwitz und Erzählkraft lässt der Herr Pfarrer ganz gerne Leute sterben und bisweilen die Täter ungeschoren davonkommen. Sein Erfolgskrimi «Tod in Sils Maria» verkauft sich noch heute gut.

Kann man Gott trauen?

Aktuell liegt von Ulrich Knellwolf ein Erzählwerk ganz anderer Art auf dem Ladentisch: In «Wir sind's noch nicht, wir werden's aber» beschäftigt den 74-Jährigen vor allem die Frage, ob Gott auch wirklich vertrauenswürdig ist.

In seinem Buch bündelt Knellwolf Predigten und Geschichten, die der Kirchenmann im Laufe der Jahre gesammelt hat. Eine Bilanz aus seiner Arbeit als Pfarrer.

In über 40 Jahren hat der auf dem Zollikerberg wohnende Ulrich Knellwolf viele theologische Geschichten erzählt. Er weiss, dass die Menschen bei lebendigen Geschichten viel besser zuhören als bei theologischen Begriffskonstruktionen.

Leben in einer Durcheinander-Welt

In vielen seiner Geschichten ging es Knellwolf um die Frage des Vertrauens. Glaube heisst für ihn, vertrauen zu können aufgrund der gemachten Erfahrungen. Der einstige Radio- und Fernsehpfarrer erzählt von vielen Erfahrungen, eigenen, die er in der Gemeinde gemacht hat, fremden und biblischen.

Immer wieder blitzt der Zweifel durch, kommen die Fragezeichen auf: Wenn wir Menschenkinder tagtäglich die Erfahrung mit einer heillosen Durcheinander-Welt machen müssen, warum sollen wir dann eigentlich noch Gott als Schöpfer Vertrauen schenken?

Der Mensch ist schuldhaft

Unter den gut 20 Büchern, die Knellwolf schon vorgelegt hat, befinden sich Weihnachtsgeschichten, historische Miniaturen, seine theologische Dissertation über sein grosses Vorbild Jeremias Gotthelf und eben auch die Kriminalromane. Hinter allem steckt für Knellwolf eine theologische Dimension.

Vor allem an den Verbrechen in seinen Krimis könne man menschliche Verhaltensweisen besonders deutlich zeigen, argumentiert er. Und weiter im Verkündigungsstil: Da sei die biblisch höchst bedeutsame Frage nach der Schuld. Wenn man als Autor auf der Seite des Täters stehe, bedeute das doch die Erkenntnis, dass die Menschen nun mal schuldhaft seien.

Gott ist männlich

Ulrich Knellwolf ist nicht durch das Glauben zur Theologie gekommen, sondern durch das Zweifeln. Zum Beispiel an der Frage, warum Gott ein Mann ist, hat er viele Zweifel angemeldet.

Er ist dann aber zu dem Schluss gekommen, dass Gott viele problematische Eigenschaften hat – so wie Männer in aller Regel problematischer als Frauen seien – weshalb es schon seinen Sinn habe, Gott als männlich zu bezeichnen.

Gott, so beschreibt es Knellwolf in seinem neuen Buch, sei einer, der sich um uns bemüht – nicht umgekehrt. In diesem Bemühen diene die Bibel als so eine Art Empfehlungsschreiben.

Buchhinweis

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Ulrich Knellwolf: «Wir sind's noch nicht, wir werden's aber». Theologischer Verlag Zürich, 2016.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von p.keller , kirchberg
    Wenn Theologen streiten, schweigt Gott.
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  • Kommentar von Jens-Ingo Lehminger , Schaffhausen
    Die Passage "...dass Gott viele problematische Eigenschaften hat – so wie Männer in aller Regel problematischer als Frauen seien – weshalb es schon seinen Sinn habe, Gott als männlich zu bezeichnen." ist meiner Ansicht nach aus dem täglichen Erleben heraus nicht haltbar: Wer ein Problem sein möchte, teilt das anderen mit-unabhängig vom Geschlecht. Aber auch von einem laizistischen Standpunkt aus eine interessante Frage und Antwort in Aspekten der Frage nach Gott.
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  • Kommentar von Rolf Künzi , Winterthur
    Sehe ich ganz anders. Ich glaube wer Gott wirklich verstehen will darf nicht die ganze Zeit faule Kompromisse machen. Gott kann man nicht definieren und doch sind alle Erscheinungsfromen ein Teil oder Atribute Gottes. Nur damit ich Christ bleiben kann muss Gott männlich sein. Genau darum bin ich kein Christ mehr. Jede Religion hat etwas dafür und dagegen, jede ohne Ausnahme. Man kann in diesen Religionen bleiben aber nicht ohne ehrlich diese Widersprüche zu sehen.
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