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Aus dem Archiv: Anne Weber im Gespräch über «Annette, ein Heldinnenepos»
Aus 52 beste Bücher vom 08.03.2020.
abspielen. Laufzeit 54:57 Minuten.
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Deutscher Buchpreis Anne Weber gewinnt die Auszeichnung für das beste deutsche Buch

Die Autorin erhält den Preis für ihr Werk über eine französische Widerstandskämpferin. Nominiert war auch die Schweizer Autorin Dorothee Elmiger.

Der Deutsche Buchpreis für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres geht an Anne Weber (55) für ihr Werk «Annette, ein Heldinnenepos». Das gab die Jury am Montagabend in Frankfurt am Main bekannt.

Eine wahre Heldin

Anne Webers origineller Umgang mit Wörtern ist bekannt. Ihr jüngstes Werk ist ein literarisches Experiment über das Leben einer 96-jährigen Französin. Das Buch erzählt in Versform die Geschichte der französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir.

Für SRF-Literaturredaktor Felix Münger ist klar, warum Anne Weber das Rennen gemacht hat. Ihr Werk habe den Nerv unserer Zeit getroffen: «Liberale Werte stehen in Ost und West wieder vermehrt unter Druck. Eine integre Heldin wie Annett ruft uns in Erinnerung, dass Freiheit, Menschenrechte und Demokratie keine Selbstverständlichkeiten sind.»

Die wahre Heldin Anne Beaumanoir lebt heute hochbetagt in einem Dorf in Südfrankreich. Sie war während des Zweiten Weltkriegs in der Résistance und hat Jüdinnen und Juden gerettet.

In den 1950er-Jahren hat sie sich auf der Seite der algerischen Unabhängigkeitsbewegung gegen die Kolonialmacht Frankreich engagiert. «Sie hat immer wieder Kopf und Kragen riskiert, um ihren humanistischen Idealen treu bleiben zu können», erklärt Münger.

Reale Geschichte mit subjektiver Färbung

Die Geschichte ist real, aber die Autorin stelle historische Korrektheit nicht über alles, so Felix Münger. Sie gebe sich selbst Raum zur Interpretation: «Das zeigt sich an den vielen klugen und inspirierenden philosophischen Gedanken, die ins Buch eingeflochten sind, wo man beim Lesen kurz innehalten muss.»

Die Shortlist für den deutschen Buchpreis

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Nominiert für den deutschen Buchpreis 2020 waren:

  • Anne Weber (Gewinnerin): «Annette, ein Heldinnenepos», Matthes & Seitz Berlin
  • Bov Bjerg: «Serpentinen», Claassen
  • Dorothee Elmiger: «Aus der Zuckerfabrik», Carl Hanser
  • Thomas Hettche: «Herzfaden», Kiepenheuer & Witsch
  • Deniz Ohde: «Streulicht», Suhrkamp
  • Christine Wunnicke: «Die Dame mit der bemalten Hand». Berenberg

Als einzige Schweizerin war auch Dorothee Elmiger in der Endausscheidung für den deutschen Buchpreis. Sie war mit ihrem Buch «Aus der Zuckerfabrik» nominiert.

Video
Elmigers «Aus der Zuckerfabrik» – anspruchsvoll und beglückend
Aus Kulturplatz vom 07.10.2020.
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Der deutsche Buchpreis ist mit insgesamt 37'500 Euro dotiert: Die Siegerin erhält 25'000 Euro, die übrigen Autorinnen und Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro. Insgesamt haben die sieben Jurymitglieder 206 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2019 und September 2020 erschienen sind.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 13.10.2020, 07:50 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Larsen LANDWEHR  (ElTröte)
    Diesen Preis scheint man nur gewinnen zu können wenn man auch politisch richtige Thema hat.
    Solche Umstände relativieren für mich die Anerkennung.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      @Larsen LANDWEHR: was meinen Sie damit? persönlich finde ich weder die Autorin selber, noch ihre Zweisprachigkeit, noch das Dokumentieren von diesem Widerstandsleben, noch eine epische Versform.. sehr modisch - ganz im Gegenteil. Aber: welches Buch wäre für Sie preiswürdig?
  • Kommentar von Rochus Schmid  (Rochus Schmid)
    Der Zeitpunkt des Gesprächs war als die Welt nur noch 8 Tage in Ordnung sein sollte. Es wurde über zukünftigen Widerstand gesprochen und nun sind wir mittendrin.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      @Rochus Schmid: was meinen Sie mit Ihrer Aussage? Entschuldigen Sie meine Naivität, aber für mich hier und heute ist die deutschsprachige Welt eigentlich noch in Ordnung (einmal abgesehen davon, dass es Bemühungen braucht, eine Fallzahlen-Hektik auszuweichen). Wenn ich selber auf das Leben dieser Widerstandskämpferin zurück- und hinschaue, kann ich nur sagen: keine Ahnung, wie ich damals (nicht) gehandelt hätte