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Feminismus früher und heute «Gleichgeblieben ist praktisch alles»

Erica Fischer blickt in ihrem Buch auf 50 Jahre Feminismus zurück. Und mit Porträts junger Feministinnen auch nach vorne.

Legende: Audio Eine Feminismus-Ikone blickt zurück – und nach vorne abspielen. Laufzeit 04:33 Minuten.
04:33 min, aus Kultur-Aktualität vom 01.03.2019.

Frei übersetzt heisst «Feminismus Revisited»: «Feminismus noch einmal». Das Buch ist ein persönlicher Rückblick und es schlägt eine Brücke ins Heute.

«Feminismus Revisited» ist eine Mischung aus Autobiografie und Porträts junger Feministinnen. Geschrieben hat das Buch eine Ikone des österreichischen Feminismus: Erica Fischer.

Ikone des Feminismus

Erica Fischer kam 1943 in England zur Welt, kehrte mit ihrer Familie als 5-Jährige nach Wien zurück und erlebte hautnah mit, wie ihre Eltern als Holocaust-Überlebende im Nachkriegs-Wien nie richtig Fuss fassen konnten.

Junge Frauen werfen einen viel weiteren Blick auf die Gesellschaft. Ihnen sind auch Rassismus und Nationalismus ein grosses Anliegen.

Erfolg mit «Aimée & Jaguar»

Fischer wird Dolmetscherin und Journalistin und engagiert sich in der Frauenbewegung: Anfang der 1970er-Jahre ist sie Gründungsmitglied der Neuen Frauenbewegung in Wien.

Sie ist Mitbegründerin der feministischen Zeitschrift «AUF – Eine Frauenzeitschrift» und einer Wiener Buchhandlung. Ihren bisher grössten Erfolg hatte sie mit der dokumentarischen Erzählung «Aimée & Jaguar» (1995), die auch erfolgreich verfilmt wurde.

Feminismus im Wandel

Heute ist Erica Fischer 76-jährig, lebt in Berlin und blickt zurück auf 50 Jahre Feminismus. Unverblümt sagt sie: «Gleichgeblieben ist praktisch alles. Gewalt ist nach wie vor ein Problem, sexuelle Belästigung ist ein grosses Problem. Die ungleiche Bezahlung ist ein Riesenproblem, und was sich auch nicht verändert hat, ist die Kindererziehung, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.»

Buchhinweis

Buchhinweis

Erica Fischer: «Feminismus Revisited», Berlin Verlag/Piper, München, 2019.

Trotzdem ist der Feminismus heute ein anderer als in den 1970er-Jahren: «Heute ist die Polarisierung zwischen Männern und Frauen nicht mehr so stark.» Und: «Junge Frauen werfen einen viel weiteren Blick auf die Gesellschaft. Ihnen sind auch Rassismus und Nationalismus ein grosses Anliegen.»

Der Feminismus entwickelt sich also permanent weiter. Selbst beim Thema Gewalt hat sich etwas verändert: Heute sei das Phänomen bekannt, und es gibt Hilfsangebote, die es früher nicht gab.

«Feminismus hält jung»

In ihrem Buch berichtet Erica Fischer auch von eigenen Erfahrungen: Sie beschreibt beispielsweise, wie sie als 18-Jährige einer Vergewaltigung nur knapp entkommen ist, sie erzählt von einer Abtreibung und von Grapschern, die sie belästigt haben.

«Heute im Alter bin ich von manchen Fragen nicht mehr betroffen. Es gibt zwei Aspekte: Zum einen wird man nicht mehr belästigt, zum anderen wird man als alte Frau nicht mehr gesehen», sagt Erica Fischer ohne Groll.

Vital ist sie geblieben und neugierig dazu. «Feminismus hält jung», schreibt sie lapidar. Denn sie beharrt nicht auf alten Positionen, die damals durchaus berechtigt waren. Sie will wissen, wo der Feminismus heute steht und wie junge Frauen ticken.

Legende: Video Achtung: neue Feministinnen! abspielen. Laufzeit 21:58 Minuten.
Aus Reporter vom 11.03.2018.

Ein Buch dem Feminismus gewidmet

In ihrem Buch porträtiert sie junge Feministinnen wie beispielsweise Margarete Stokowski, die für «Spiegel Online » schreibt. Sie hat mit einer Politikerin der deutschen Grünen gesprochen, mit einer Sexarbeiterin und mit zufällig ausgewählten Frauen aus der österreichischen Provinz.

«Feminismus Revisited» dokumentiert eindrücklich, wie vielfältig die Lebenswelten heutiger Frauen sind. Und es entlässt einen mit der Gewissheit, dass junge Feministinnen weiterentwickeln, was Frauen wie Erica Fischer aufgebaut haben.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Es hat sich seit den 60er Jahren übrigens alles verändert und am meisten in der Art wie wir mit Kinderkriegen und Sexualität umgehen. Seit der Antibabypille hat sich alles verändert und wir haben uns längst noch nicht auf die neu Variabilität eingestellt. Leider wird alles aber auch alles Ideoligisch besetzt, sei es der Organsmus oder die Abtreibung. Und am meisten bleibt das Wohle des Kindes auf der Strecke. Die wirkliche Neufindung liegt immer noch vor uns.
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Ich glaube heute würden wir schon daran scheitern männliche und weibliche Kategorien zu bestimmen. Ich kann nur für mich sprechen und ich glaube es wird alles verdreht wenn es denn in den Kram passt. Ist ein Baum männlich oder weiblich. Ein Baum ist fast immer beides und das auf demselben Baum. Eine Esche kann männlich weiblich und zwiter sein. Trotzdem sagen gewisse Leute frei heraus der Baum sei weiblich. Nun auffallend ist mal der gerade Stamm. Nein ich finde jeder biegt sich das zurecht.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    'zum anderen wird man als alte Frau nicht mehr gesehen' Was einer zuerst als existenzielle 'Kränkung' vorkommt und womit ich mich als Frau aktiv auseinandersetzen muss, erweist sich im zweiten Durchgang als eigentliche Befreiung und Segen ... Es hat schon die Qualität eines Tarnmantels ... wunderbar. Zum anderen was hier in Zürich fehlt ist wieder eine richtig gute Frauenbuchhandlung. Wäre das schön. UND wunderbar gibt es solche Frauenvielfalt. Allen Frauen, merci d'être ici et là.
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