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Legende: Audio «Sinn und Unsinn der Sprache»: Verlagsleiter Herbert Ohrlinger über Friedrich Achleitner abspielen. Laufzeit 05:00 Minuten.
05:00 min, aus Kultur-Aktualität vom 27.03.2019.
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Friedrich Achleitner gestorben «Ornament galt ihm als Verbrechen»

Kein Wort zu viel: Der österreichische Architekturkritiker und Dialektdichter Friedrich Achleitner ist gestorben.

Mit seinen Sprachexperimenten revolutionierte Friedrich Achleitner Ende der 1950er-Jahren die Lyrik. Er war Hauptvertreter der «Konkreten Poesie» und machte die Dialektdichtung in Österreich salonfähig.

Nun ist der österreichische Schriftsteller und Kritiker im Alter von 88 Jahren in Wien gestorben, wie der Wiener Zsolnay Verlag mitteilte.

Neben der konkreten Poesie war Achleitner auch ein Urgestein der Architekturkritik: In jahrzehntelanger Arbeit schuf er eine mehrbändige Bestandsaufnahme der österreichischen Architektur des 20. Jahrhunderts.

Miniaturen und Trümmer

Die literarische Szene eroberte er 1959, als er mit dem Schriftsteller Gerhard Rühm bei einer Klavier-Zertrümmerungsaktion einen Polizeieinsatz provozierte.

Zu seinen wichtigsten literarischen Werken zählen «schwer schwarz» (1960) und der 1973 erschienene «quadratroman». 2015 erschien sein Prosaband «wortgesindel» mit vielen Mini-Reflexionen, Dialogen und knappsten Geschichten.

Die «Wiener Zeitung» zitierte damals aus dem Band eine der knappsten Szenen:

der eine: du, ich kenn den prillinger ferdl jetzt schon vierzig jahr. glaubst, mir fallert sein name noch ein? der andere: da kann ich dir nicht helfen, ich hör den namen heute zum ersten mal.

Witzige Beobachtungen und bissige Kommentare gehörten zu Achleitners Werk. Für sein literarisches Wirken und seine Arbeit als Architekt erhielt er viele Auszeichnungen.

Kein Ornament zu viel

«Achleitner war immer unprätentiös und direkt», sagt Herbert Ohrlinger, der Leiter des Wiener Zsolnay Verlags, gegenüber SRF: «Als Architekturkritiker und Autor galt ihm Ornament als Verbrechen. Er war immer präzise, benutzte kein Wort zu viel.»

Eines seiner Lieblingsgerichte sei «das vielleicht kürzeste Liebesgedicht der deutschsprachigen Literatur», sagt Ohrlinger. Es lautet: «Marie, da war ie», Maria da bin ich.

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