Fünf lustvoll-erotische Alternativen zu «Fifty Shades of Grey»

Was für ein Hype! Erst das Buch, jetzt der Film. Aber: «Fifty Shades of Grey» bleibt öde. Dabei gibt es so grossartige Alternativen, findet unsere Literaturredaktion – und hat eine lustvolle Auswahl der besten Erotik-Romane zusammengestellt – von Ovid bis Nicholson Baker.

Frau mit leicht geöffnetem Mund. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: SM-Praktiken und harten Sex? Den gibt es in der Literatur nicht erst seit «Fifty Shades of Grey». Universal Pictures Switzerland

Fünf Klassiker der erotischen Literatur

    • Fresko mit venus und Mars Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Venus und Mars. Wikimedia/Marie-Lan Nguyen

      Ovid – «Ars Amatoria»

      Wie will eine Frau erobert werden? Wie soll ein Liebhaber seinen Körper pflegen? Welche Zeiten und Orte eignen sich fürs Anbändeln und für das Liebesspiel? Publius Ovidus Naso, kurz Ovid genannt, römischer Dichter zur Zeit um Christi Geburt, gibt in gediegener Versform detaillierte Ratschläge über die Kunst der Liebe. Grösstenteils für den Mann, aber rund ein Drittel der Verse richten sich an die Frau. In Ovids «Ars amatoria» ist die Liebeskunst ein gesellschaftliches Spiel, in dem alle Beteiligten gewinnen sollen. / Ovid: «Über die Liebe. Amores. Ars amatoria.» Lateinisch/Deutsch. Reclam Bibliothek, 2015.

    • Frau umgarnt Mann. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Fanny Hill mit Verehrer. Wikimedia/Franz von Bayros

      John Cleland – «Die Memoiren der Fanny Hill»

      Die Lebenserinnerungen der Prostituierten Fanny Hill, 1749 vom Engländer John Cleland veröffentlicht, ist ein für die damalige Zeit unerhörter erotischer Briefroman. Fanny Hill schildert zwar ihr früheres Leben aus der Warte einer gesitteten Ehe heraus und einer Freundin zur Warnung. Aber der begeisterte, lustvolle und ausschweifende Rückblick auf ihre erotischen Erlebnisse lässt keinen Zweifel daran, dass Sexualität nicht des Teufels ist, sondern eine Empfehlung fürs Leben. Trotz der weiblichen Erzählfigur beschreibt Cleland eher männliche Phantasien. Aber die geschilderten erotischen Szenen gehen in ihrer erzählerischen Raffinesse weit über das Mechanistische platter Pornographie hinaus. / John Cleland: «Fanny Hill oder Geschichte eines Freudenmädchens.» Hofenberg-Verlag, 2014.

    • Mann mit gefesselter Frau. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Ausschnitt aus dem Titelblatt von Justine. wikimedia

      Marquis de Sade – «Justine oder die Leiden der Tugend»

      Zwei Schwestern, eben zu Waisen geworden, müssen ihr Leben selbst in die Hand nehmen: Juliette wird Prostituierte, Justine aber will tugendhaft bleiben. Gutherzig und leichtgläubig, wie sie ist, gerät sie in die Hände von Sadisten und Ausbeutern, die sie misshandeln. Marquis de Sade schrieb die erste Fassung von «Justine» 1787, als er in der Bastille inhaftiert war. In drastischen Worten lässt der Autor keine sexuelle oder gewalttätige Schandtat aus für seine amoralische Botschaft: Verbrechen lohnt sich, das Gute ist abnormal, geradezu unnatürlich. Auch heute noch ein Buch von faszinierender Abgründigkeit. / Marquis de Sade: «Justine oder Die Leiden der Tugend.» Insel-Taschenbuch, 2014.

    • Auf der Seite liegende Frau. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Venus. Fischer Verlag

      Anaïs Nin – «Das Delta der Venus»

      Sinnliche, erotische und pornografische Literatur aus der Feder einer Frau. «Schamlos schön», urteilte Henry Miller, selber Verfasser erotischer Texte. Zur Zeit der Entstehung von «Das Delta der Venus» um 1940 waren Miller und Anaïs Nin ein Liebespaar. Um den gemeinsamen Lebensunterhalt zu verdienen, übernahm Nin den Auftrag eines privaten Sammlers und schrieb für ihn Erotik – für einen Dollar pro Seite. Daraus entstanden die 15 Episoden dieser leidenschaftlichen Prosa, in welcher die weibliche Sexualität und die Liebe gefeiert werden. / Anais Nin: «Das Delta der Venus.» Fischer-Taschenbuch, 2013.

    • Barbusige Frau. Bild in Lightbox öffnen.

      Bildlegende: Ausschnitt vom Buch-Cover. Simon & Schuster

      Nicholson Baker – «Haus der Löcher»

      Das «Haus der Löcher» ist ein ganz besonderes Ferienresort, wo die geheimsten sexuellen Wünsche erfüllt werden, ein surreales Sexparadies irgendwo im prüden Nordamerika. Lustvoll und saftig reihen sich pornographische Sequenzen aneinander. Aber die Geilheit bleibt gedeckelt. Einrichtungen wie Stöhnzimmer, Peniswaschanlage und Masturboot entlarven die schöne Welt der Erotik als kapitalistischen Alptraum entseelter, rein funktionaler Körper. Aber Baker entwirft diese Porno-Welt mit Kreativität und Witz und offensichtlichem Vergnügen. / Nicholson Baker: «Haus der Löcher.» Rowohlt-Verlag, 2012.

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