J. J. Abrams' literarische Schatzkiste

«Star Wars»-Regisseur J. J. Abrams hat ein Buch veröffentlicht. «Das Schiff des Theseus» ist ein monumentales Projekt. Das Buch, das er zusammen mit Doug Dorst verfasst hat, ist so verwinkelt, verzaubert und verwunschen wie ein altes Haus. Es ist eine faszinierende Welt zwischen zwei Buchdeckeln.

Ein Buch mit Notizen, Postkarten und einem Kompass. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Herkömmlich ist anders: «Das Schiff des Theseus» birgt so manche Überraschung. Kiepenheuer & Witsch

Zusatzinhalt überspringen

Buchhinweis

J.J. Abrams, Doug Dorst: «Das Schiff des Theseus». Kiepenheuer & Witsch, 2015.

Wer «Das Schiff des Theseus» – oder «S.», wie es eigentlich heisst – aufschlägt, dem fallen sofort mehrere Dinge in die Hände. Beim Blättern durch die dicken, alt wirkenden Seiten lösen sich ein schwedisches Dokument heraus, ein seltsamer Kompass oder eine alte Fotografie. An den Seitenrändern ergänzen unzählige Notizen den Haupttext. Blau, rot und schwarz stehen sie da, vermitteln durch unterschiedliche Handschriften den Eindruck verschiedener Schreiber.

Ein Buch mit Gagdets drin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf mehreren Ebenen ein gehaltvolles Buch. Kiepenheuer & Witsch

J. J. Abrams reizt alle Sinne

Auch der Tast- und der Geruchssinn werden angesprochen: Das Buch verströmt den Duft einer altehrwürdigen Bibliothek. Und auf den Seiten erzeugen Unebenheiten und Flecken den Eindruck unendlichen Alters. Auf dem Buchrücken erinnern Datumsstempel an die rechtzeitige Rückgabe in die Bibliothek, und ein Kleber ermahnt dazu, das Buch als fremdes Eigentum und folglich sorgsam zu behandeln.

Der «Star Wars»-Regisseur J.J. Abrams und der amerikanische Autor Doug Dorst haben mit «S.» die Möglichkeiten des Erzählens neu ausgemessen. Abrams, der als Regisseur von «Lost», «Alias», «Star Trek» und «Star Wars» berühmt wurde, lebt seine Liebe zu Rätseln und Zeitebenen sichtlich aus. Dass die Übersetzung dieses Werks eine Mammutaufgabe war, überrascht nicht: Ein ganzes Jahr hat sie gekostet.

Die Jagd nach versteckten Codes

Drei Handlungsstränge verbinden sich zu diesem literarischen Experiment. Im ersten entfaltet sich der eigentliche Roman: Er handelt von Abenteuern, skurrilen Figuren und einer Reise um die Welt. Den zweiten bildet die fiktive Unterhaltung des Doktoranden Eric und der Studentin Jen. Auf den Seiten des Buches kommunizieren die beiden miteinander – ohne sich persönlich zu kennen.

J.J. Abrams trägt ein Karo-Hemd und greift sich an den Hinterkopf. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Er hat einen künstlerischen Sinn fürs Haptische: J. J. Abrams. Keystone

Während sie sich näherkommen, entwickelt sich der dritte Handlungsstrang: Eric und Jen versuchen V.M. Straka, dem fiktiven und etwas zwielichtigen Autor des Romans, auf die Schliche zu kommen. Und um das Ganze noch vielschichtiger zu machen, sind die Seiten der Geschichte mit einem versteckten Code durchwoben, den es zu entschlüsseln gilt.

Eine Welt zwischen den Buchdeckeln

Wie in einer Schatzkiste lässt sich in diesem Gewirr von Geschichten immer wieder Neues entdecken. Dabei scheint die Konzentration auf eine einzelne Ebene nicht das Ziel. Das Buch verlockt den Leser vielmehr dazu, zwischen seinen Deckeln zu verweilen, sich seiner Welt und Logik hinzugeben. Und schenkt ihm damit einen literarischen Rückzugsort.

Sendung zu diesem Artikel